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Daimler-Hauptsammlung: Dieselskandal und CO2-Grenzwerte, zwei Themen die dem Konzern noch teuer zu stehen kommen können

22. Mai 2019 | Mobilität

Berlin. Mehr als 700.000 offizielle Rückrufe hat das Kraftfahrt-Bundesamt im Abgasskandal inzwischen gegen die Daimler AG ausgesprochen und der Konzern kann nach eigenen Aussagen weitere Rückrufe wegen zu hoher Stickoxidwerte nicht ausschließen. Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), beleuchtet dies in seiner Rede im Rahmen der Hauptversammlung der Daimler AG vor Ort und zeigt zudem weitere Probleme des Autokonzerns auf. Denn auch bei der Einhaltung der europäischen CO2-Flottengrenzwerte liegt bei Daimler einiges im Argen.

"Lange hat der Vorstand versucht, die Rolle des Konzerns im Diesel-Abgasskandal kleinzureden", erklärt Jens Hilgenberg. "Noch letztes Jahr beteuerte Herr Zetsche öffentlich, Daimler habe bei den Abgaswerten ihrer Dieselfahrzeuge nicht betrogen. Die vom Kraftfahrt-Bundesamt seitdem ausgesprochenen über 700.000 Rückrufe belegen, dass diese Aussagen offenbar falsch waren. Bei den Rückrufen handelt es sich nicht um ältere Diesel, sondern um Euro 6-Fahrzeuge, die auch 2018 noch vom Konzern als Neufahrzeuge an die Kunden verkauft wurden." Zudem könne Daimler weitere Rückrufe nicht ausschließen und habe nach eigenen Aussagen für einige Modelle einen "vorläufigen Auslieferungs- und Zulassungsstopp" erlassen.

Hilgenberg weiter: "Wenn Verkaufsstopps notwendig sind, weil nicht klar ist, ob alle Fahrzeuge entsprechend der gesetzlichen Vorgaben legal auf unseren Straßen unterwegs sind, hat der Vorstand seinen Job nicht gemacht. Vielmehr hätte die Konzernführung die Überprüfung der Rechtmäßigkeit und Wirksamkeit der Abgasanlagen aller Fahrzeugmodelle dauerhaft anordnen müssen. Dann wären nicht drei Jahre nach Bekanntwerden des Abgasskandals noch immer Neuwagen verkauft worden, die den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen."

Für den BUND steht die Daimler AG in der Pflicht, die durch den anhaltenden Abgasskandal nach wie vor entstehenden Schäden für Mensch und Natur schnellstens zu minimieren und die zukünftige Modell- und Konzernpolitik deutlich stärker an den nationalen und internationalen Klimazielen auszurichten.

"Die Flottenstrategie der Konzernführung verkennt die Zeichen der Zeit. Statt immer größere, schwerere und leistungsstärkere Fahrzeugen zu bauen, muss die Modellpalette jetzt umgebaut werden", so Hilgenberg und kritisiert, dass Daimler mehr und mehr zum Ankündigungsweltmeister wird. "Während über Klimaneutralität 2039 philosophiert wird, steigen im zweiten Geschäftsjahr in Folge die durchschnittlichen CO2-Grenzwerte von Neuwagen der Daimler AG wieder an. Waren es in 2016 noch 123 g/km CO2, stieg der Wert 2018 auf 132 g/km an. Um Strafzahlungen an die EU zu vermeiden, müsste der Wert 2021 aber bei rund 100 g/km CO2 liegen. Daimler steuert in die falsche Richtung und hat eigentlich keine Zeit mehr, dies zu korrigieren."

In den nächsten Jahren plant Daimler vor allem Plug-in-Hybride auf den Markt zu bringen – Fahrzeuge, die mit sehr niedrigen, aber nur theoretischen CO2-Werten in die Berechnungen eingehen. "Den Herausforderungen in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit kann man nicht mit immer größeren und schwereren Fahrzeugen begegnen. In Sachen echter Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind Plug-in-Hybride lediglich eine Scheinlösung", so der BUND-Verkehrsexperte. Denn je nach Nutzung könne der tatsächliche Verbrauch dieser Fahrzeuge bei einem Mehrfachen des offiziellen Normverbrauchs liegen. "Daimler darf sich die Autos nicht weiter grün rechnen. Der Konzern muss endlich beginnen Fahrzeuge zu bauen, die auch in der Realität energie- und ressourcensparend sind, und das in Herstellung und Betrieb."

Mehr Informationen

  • Die Rede von Jens Hilgenberg (PDF)
  • Pressekontakt: BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg steht auf der Aktionärsversammlung für Interviews zur Verfügung, Mobiltelefon: 0151 / 56 31 33 02 bzw. Sigrid Wolff, BUND-Pressesprecherin, Tel. (030) 2 75 86-425, presse(at)bund.net

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