Um Wildnis zu erleben, ist keine Reise in tropische Regenwälder, in die Antarktis oder die Savannen Afrikas nötig: In Deutschland darf sich die Natur derzeit auf rund 220.000 Hektar frei entwickeln. Das ist eine Fläche zweieinhalbfach so groß wie Berlin. Sie umfasst etwa die Kernzonen der Nationalparke und Biosphärenreservate, ausgewiesene Naturwälder, ehemalige Truppenübungsplätze sowie Teile ehemaliger Bergbau-Landschaften. Mindestens 1.000 Hektar müssen die Gebiete in der Regel groß sein, um als Wildnis eingestuft zu werden. Bei Auen, Mooren, Küsten und Seen reichen 500 Hektar. Weitere Voraussetzung: Weder Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft nutzen die Flächen. Außerdem sollen sie sich völlig ergebnisoffen entwickeln können und möglichst unzerschnitten sein.
Wildnis: Wichtiger Speicher für Wasser und CO2
Wildnis hilft, die Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genen zu sichern. In einem Nebeneinander von verschiedenen Entwicklungsstadien können sich die Lebewesen ungestört an veränderte Umweltbedingungen, wie die Erderhitzung, anpassen. Wildnisgebiete puffern auch Phasen mit viel oder wenig Wasser ab: Totholz speichert große Mengen an Niederschlag, lebendige Moore sind wassergesättigt, intakte Auen entlang naturnaher Flüsse nehmen Hochwasserspitzen auf.
Weiterhin ist Wildnis eine effektive Kohlenstoffsenke.
Politisches Ziel unerreicht
2007 beschloss die Bundesregierung, zwei Prozent Deutschlands bis 2020 als Wildnis auszuweisen und zu schützen. Dieses Ziel ihrer Biodiversitätsstrategie hat sie verfehlt und sich dafür nun bis 2030 Zeit gegeben. Bis dato sind nur 0,62 Prozent der geschafft. Der BUND fordert daher zusammen mit dem Bündnis Initiative Wildnis in Deutschland rasch voranzuschreiten. Denn das Potenzial ist da. Eine Studie der Initiative zeigt, dass allein auf öffentlichem Grund weitere 1,67 Prozent der Landesfläche als Wildnis ausgewiesen werden könnten und somit weit mehr als das Zwei-Prozent-Ziel erreichbar wäre.
Mehr Wildnis ist gewollt
Die Akzeptanz in der Bevölkerung für Wildnis ist vorhanden: Je wilder die Natur ist, desto besser gefällt sie vielen Menschen, das belegen Umfragen regelmäßig. Denn Wildnis bietet – und das ist ein weiterer wichtiger Grund für sie – einen attraktiven Ausgleich zur stark genutzten Kulturlandschaft, Körper und Seele kommen zur Ruhe. Wildnis ist ein Sehnsuchtsort, sie fasziniert. Umweltbildung und Naturerleben sind hier in vielen Facetten möglich. Wird zum Beispiel auf den Flächen nicht gejagt, lassen sich Wildtiere besser und auch tagsüber beobachten. Und die Besuchenden können selbst erspüren, wie Natur sich anfühlt, wenn der Mensch nicht eingreift.
So setzen Sie sich für mehr wilde Natur ein
Beispiele, wie Ihre Spende hilft:
- Mit 50 Euro stärken Sie unsere politische Arbeit für mehr Wildnis, damit Natur endlich mehr Platz bekommt.
- Mit 100 Euro ermöglichen Sie Auwälder an der Elbe. Konkret finanzieren Sie damit die Pflanzung von vier Bäumen als Startpunkt für natürliche Prozesse.
- Mit 500 Euro unterstützen Sie die BUND-Wildnisarbeit vom Flächenkauf bis zum Schutz der Lebensräume.
Starkes Bündnis
BUND, BUNDstiftung und 20 weitere Naturschutzorganisationen sind seit 2015 als Initiative Wildnis in Deutschland aktiv. Gemeinsam setzen wir uns für mehr große und unzerschnittene Wildnisgebiete in Deutschland ein. Dabei verfolgen wir einen konsequenten Wildnisansatz. Was dieser bedeutet, erläutern die 13 Positionen in unserem Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland.
Pressemeldungen
- Tag der biologischen Vielfalt: Wildnis in Deutschland erleben BUND – Wildnis wichtig für biologische Vielfalt | BUND-Themenpaket Wildnis
- Tag der biologischen Vielfalt: Überlebens-Chance Wildnis für Nord- und Ostsee
- Tag der biologischen Vielfalt: Schatzkammer Auen-Wildnis – BUND: Artenreiche Lebensräume schützen | BUND-Themenpaket Wildnis
- Nur jeder fünfte Baum gesund: BUND drängt auf Kurswechsel in der Waldpolitik
- Tag der biologischen Vielfalt: BUND fordert mehr Wildnis in Deutschland