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Tiere brauchen Querungshilfen zum Überleben im Straßenverkehr

Für uns Menschen sind Brücken und Tunnel ein unabdingbarer und selbstverständlicher Teil unserer Infrastruktur. Darauf, dass Wildtiere sichere Querungsmöglichkeiten über stark befahrene Verkehrswege zum Überleben genauso dringend benötigen, wurde bisher wenig Rücksicht genommen.

Verkehrszeichen "Achtung Fischotter-Wechsel" auf der Insel Usedom; Foto: © Pitopia.de, Photographie & mehr, 2011 Verkehrsschild "Achtung Fischotter-Wechsel" auf der Insel Usedom  (Photographie & mehr / pitopia.de)

Die Zerschneidung der Landschaft durch das Straßennetz gehört zu den Hauptproblemen des Naturschutzes in Deutschland. Obwohl Deutschland schon heute mit über 600.000 Kilometern eines der dichtesten Straßennetze der Welt hat, sollen weitere Milliarden Euro in den Ausbau des Verkehrswegenetzes investiert werden.

Statt die Zerschneidung und Zerstückelung der Landschaft durch solche Maßnahmen noch zu fördern, muss endlich die Wiedervernetzung zerschnittener Lebensräumen und die Schaffung von Wanderkorridoren für Wildtiere entschlossen vorangetrieben werden.

Dazu ist Deutschland entsprechend der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verpflichtet – als Ziel wird hier formuliert: "Bis 2020 gehen von den bestehenden Verkehrswegen in der Regel keine erheblichen Beeinträchtigungen des Biotopverbundsystems mehr aus. Die ökologische Durchlässigkeit von zerschnittenen Räumen ist erreicht".

"Bundesprogramm Wiedervernetzung" zügig umsetzen

Ein Schritt in die richtige Richtung war die Entwicklung des "Bundesprogramms Wiedervernetzung" durch die Bundesregierung. Allerdings sind für die Umsetzung die Bundesländer zuständig. Das heißt, die Länder müssen beim Bundesverkehrsministerium die Gelder für die benötigten Grünbrücken einfordern.

Umso größer der Druck von den Ländern, umso größer sind auch die Erfolgsaussichten des "Bundesprogramms Wiedervernetzung". Setzen auch Sie sich deswegen bei Behörden, Abgeordneten und Ministerien Ihrer Länder für neue Grünbrücken ein! 

Vom Tunnel bis zur Grünbrücke: Diese Querungshilfen für Tiere gibt es

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Grünbrücken

Eine Grünbrücke ist eine Brücke über eine Autobahn, Bundesstraße oder Schienentrasse, welche Wildtieren das sichere Queren dieser Verkehrswege ermöglichen soll. Damit Grünbrücken von Wildtieren angenommen und benutzt werden, sollten sie eine Breite von mindestens 50 Metern aufweisen und locker mit Büschen und Bäumen bepflanzt werden. Holzwände oder Erdwälle entlang der seitlichen Ränder der Grünbrücke haben sich als wirksame Abschirmung gegen Lärm und Scheinwerferlicht bewährt.

Wildunterführungen

Unterführungen für Wildtiere sollen denselben Zweck erfüllen wie Grünbrücken, von Huftieren wie Rothirsch, Reh und Wildschwein werden solche Unterführungen jedoch oft nicht gut angenommen. Die Tiere scheuen sich, durch die dunklen, oft engen und langen Tunnel zu gehen. Daher sollten Wildunterführungen eine Mindesthöhe von vier Metern nicht unterschreiten, möglichst breit und nicht länger als 40 Meter lang sein. Ein heller Anstrich der Wände hat sich ebenfalls bewährt.

Oftmals können auch bereits bestehende Unterführungen für Fußgänger, Radfahrer oder landwirtschaftliche Fahrzeuge durch die Anlage möglichst breiter begrünter Randstreifen für einige Wildtiere attraktiver gemacht werden. Grundsätzlich sind jedoch Grünbrücken Wildunterführungen vorzuziehen, da sie von einer größeren Anzahl von Tierarten angenommen und genutzt werden. 

Amphibientunnel und Dachsröhren

Röhren, die in regelmäßigen Abständen unter Straßen hindurchführen, können die teilweise sehr großen Verluste an Amphibien durch den Straßenverkehr gerade auch zur Laichzeit deutlich senken. Dabei ist es von Bedeutung, an den Straßenrändern Leitstrukturen zu errichten, die die Amphibien von der Straße fernhalten und zu den Röhren führen. Solche Röhren werden oft auch von kleinen Säugetieren genutzt. Haben die Röhren einen angemessen großen Durchmesser, werden sie vom Dachs und teilweise auch vom Fuchs angenommen.  

Stege und Uferstreifen an Fließgewässern

An Stellen, wo Straßen über eine Brücke ein Fließgewässer queren, kann durch die Anlage eines seitlichen Steges oder begrünten Uferstreifens entlang des Gewässerrandes eine Querungshilfe unter der Brücke geschaffen werden. Diese Art Querungshilfe ist besonders für den Fischotter von Bedeutung: Fischotter vermeiden es, unter einer Brücke hindurchzuschwimmen – daher verlassen sie meist das Gewässer und überqueren die Straße an Land und werden dabei häufig überfahren.

Es hat sich gezeigt, dass Fischotter Stege am Gewässerrand unter Straßen hindurch gut annehmen und sich dadurch viele Unfallschwerpunkte entschärfen lassen. Durch eine entsprechend angepasste Gestaltung der Stege oder Uferstreifen kann eine solche Querungshilfe auch von anderen Tierarten genutzt werden.

Grünbrücken und eine Unterführung an einer Fernstraße; Foto: Thomas Stephan Grünbrücken und Unterführungen helfen Tieren, vielbefahrene Straßen zu überqueren.  (Thomas Stephan / BUND)

Querungshilfen für Tiere helfen, Lebensräume zu vernetzen 

Für den BUND sind Querungshilfen grundsätzlich nur Hilfsmittel, um die Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege etwas abzumildern. Der Bau von Querungshilfen darf nicht als ökologisches Feigenblatt für den Neubau von Straßen dienen!

Deutschland hat heute schon eines der dichtesten Straßennetze der Welt – auf Neu- und Ausbau zu verzichten und überflüssige Verkehrswege rückzubauen ist deshalb die beste Möglichkeit, die weitere Zerschneidung der Landschaft zu verhindern.

Das ist zu beachten, damit Querungshilfen ihre Funktion wirksam erfüllen können:

  • Alle Querungshilfen müssen sinnvoll und effektiv in bestehende Biotopverbundplanungen eingebunden und möglichst an bekannte Wildwechsel bzw. Amphibienwanderwege angepasst werden.
  • Die Jagd muss im weiteren Umkreis der Querungshilfen unterbleiben. 

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