Fragen und Antworten zur UN-Klimakonferenz
Die Weltklimakonferenz tritt jährlich zusammen, immer in einem anderen Land. Auf Einladung der Vereinten Nationen debattieren rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Erderhitzung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. COP steht kurz für "Conference of the Parties", also die Konferenz der Parteien – gemeint sind jene Staaten, die die sogenannte Klima-Rahmenkonvention unterschrieben haben.
Erste Weltklimakonferenzen gab es schon Ende der 70er und in den 80er Jahren.
Die erste Weltklimakonferenz (“COP1”) fand unter dem Dach der Klima-Rahmenkonvention 1995 in Berlin statt. Seit dem wird fortlaufend nummeriert. Deutsche Verhandlungsführerin war damals Angela Merkel, als Umweltministerin unter Kanzler Helmut Kohl.
Schon damals setzte sich der Gipfel das Ziel, verbindlich festzuschreiben, bis wann und wie stark weltweit der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase reduziert werden soll. Die Wissenschaft hatte zuvor gewarnt: Zu viele Treibhausgase in der Luft, also vor allem Kohlendioxid (CO2) und Methan, sorgen dafür, dass sich die Erde immer weiter aufheizt und teilweise unbewohnbar werden könnte.
COP31 in Antalya (Türkiye)
Herausforderungen der COP31
Die COP31 findet in einer überaus herausfordernden geopolitischen Lage statt. Die internationale Klimapolitik steht vor der Aufgabe, die Lücke zwischen den Zielen des Pariser Klimaabkommens und ihrer tatsächlichen Umsetzung zu schließen. Ein zeitweiliges Überschreiten der 1,5-°C-Grenze (Overshoot) gilt inzwischen als unvermeidbar. Um das Ausmaß und die Dauer dieser Überschreitung möglichst gering zu halten und eine Rückkehr auf 1,5 °C zu ermöglichen, müssen die globalen Treibhausgasemissionen sehr schnell und deutlich sinken. Dafür ist insbesondere ein beschleunigter Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas entscheidend.
Themen der COP31
Die Verantwortung für die Klimakrise ist historisch und global ungleich verteilt. Industrieländer tragen aufgrund ihrer historisch hohen Treibhausgasemissionen eine besondere Verantwortung, beim Klimaschutz voranzugehen und Länder des Globalen Südens finanziell und technologisch zu unterstützen. Viele dieser Länder haben vergleichsweise wenig zu den historischen Emissionen beigetragen, sind jedoch besonders stark von den Folgen der Klimakrise betroffen. Klimagerechtigkeit erfordert daher sowohl ambitionierte Emissionsminderungen als auch ausreichende Unterstützung für besonders betroffene Länder.
Weitere zentrale Themen sind Klimafinanzierung, gerechte Übergänge (Just Transition), Anpassung an den Klimawandel sowie Verluste und Schäden (Loss and Damage). Darüber hinaus muss COP31 zeigen, dass die internationale Zusammenarbeit trotz geopolitischer Spannungen handlungsfähig bleibt.
Gastgeber der COP31
COP31 findet vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya, Türkiye, statt. Die Präsidentschaft ist zwischen zwei Ländern aufgeteilt: Türkiye richtet die Konferenz aus und stellt die COP-Präsidentschaft, während Australien die Verhandlungen leitet. Die Pre-COP fand vom 5. bis 8. Oktober in Fidschi statt und wurde in Zusammenarbeit mit pazifischen Inselstaaten vorbereitet. Diese besondere Präsidentschaftsstruktur muss sich daran messen lassen, ob sie Fortschritte bei der Umsetzung bestehender Zusagen ermöglicht. Beide Länder sind weiterhin mit fossilen Energiesystemen und deren wirtschaftlicher Bedeutung verbunden.
Türkiye hat die Elektrifizierung zu einer Priorität seiner Action Agenda gemacht und das Ziel „35 by 35“ vorgestellt. Damit soll der Anteil von Strom an der globalen Endenergienachfrage von gut 20 Prozent auf 35 Prozent bis 2035 steigen. Die Präsidentschaft möchte dieses Ziel international verankern und breite Unterstützung dafür mobilisieren. Damit die Elektrifizierung tatsächlich zum fossilen Ausstieg beiträgt, müssen erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher und Energieeffizienz konsequent ausgebaut werden.
Erwartungen
- Den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas konkret voranbringen:
Die COP31 muss bestehende Zusagen zum fossilen Ausstieg in konkrete politische Schritte übersetzen. Die globale TAFF-Roadmap sollte politisch verankert und mit nationalen Ausstiegsfahrplänen, klaren Zeitplänen und überprüfbaren Zwischenzielen diskutiert werden. Insbesondere der Ausstieg aus fossilem Gas muss stärker in den Fokus rücken. - Die 1,5-°C-Begrenzung konsequent verfolgen:
Die COP31 muss ambitionierte Emissionsminderungen vorantreiben, um eine mögliche Überschreitung der 1,5-°C-Grenze so gering und kurz wie möglich zu halten. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die (grüne) Elektrifizierung und die Steigerung der Energieeffizienz müssen beschleunigt werden. Scheinlösungen dürfen den tatsächlichen Rückgang der Treibhausgasemissionen nicht ersetzen oder verzögern. - Klimagerechtigkeit durch verlässliche Klimafinanzierung stärken:
Industrieländer müssen ihrer historischen Verantwortung gerecht werden und beim Klimaschutz vorangehen. Dafür braucht es ausreichende, zusätzliche und verlässliche öffentliche Klimafinanzierung sowie einen besseren Zugang zu finanziellen und technologischen Ressourcen. Besonders betroffene und verletzliche Länder müssen bei Klimaschutz, Anpassung und der Bewältigung von Verlusten und Schäden wirksam unterstützt werden. - Einen sozial gerechten Übergang sicherstellen:
Der fossile Ausstieg muss sozial gerecht gestaltet werden. Beschäftigte, betroffene Regionen und besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen müssen in die Transformation einbezogen und unterstützt werden (Just Transition). Die COP31 sollte internationale Zusammenarbeit, Finanzierung und Kapazitätsaufbau stärken, damit ein gerechter Übergang auch in Ländern mit begrenzten finanziellen und technologischen Möglichkeiten gelingt. - Multilaterale Zusammenarbeit, Transparenz und Beteiligung sichern.
Die COP31 muss zeigen, dass die internationale Staatengemeinschaft trotz geopolitischer Spannungen handlungsfähig bleibt. Bestehende Beschlüsse müssen konsequenter umgesetzt und Fortschritte transparent überprüft werden. Gleichzeitig müssen Zivilgesellschaft, indigene Gruppen und junge Menschen wirksam beteiligt, Menschenrechte geschützt und der Einfluss fossiler Lobbyinteressen auf politische Entscheidungen begrenzt werden. - Klimafinanzierung für Klimaschutz, Anpassung und Verluste und Schäden ausbauen:
Die COP31 muss konkrete Fortschritte bei der Klimafinanzierung erzielen. Industrieländer müssen bestehende Zusagen verlässlich erfüllen und zusätzliche öffentliche Mittel mobilisieren, um insbesondere Länder des Globalen Südens bei Klimaschutz, Anpassung an die Klimakrise und der Bewältigung von Verlusten und Schäden zu unterstützen. Die Finanzierung muss bedarfsgerecht, langfristig planbar, zugänglich und möglichst wenig schuldenfördernd sein. Dabei sollte das Verursacherprinzip stärker berücksichtigt werden.
Meldungen
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Publikationen
Rückblick: COP 30 in Belém (Brasilien)
Ein verbindlicher, finanzierbarer Fahrplan für das Ende aller fossiler Energien wurde nicht beschlossen – ein herber Rückschlag für den 1,5-Grad-Pfad. Die Differenzen zwischen den UN-Staaten traten in Brasilien deutlich zutage und stellten die gemeinsame Entscheidungsfindung vor große Herausforderungen. Die COP30 hat gezeigt, wie weit Ambition und Realität in der internationalen Klimapolitik auseinanderliegen. Zwar erhielt die Idee eines globalen Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen und eines besseren Waldschutzes Rückenwind, doch das Momentum verpuffte. Zentrale Formulierungen wurden verwässert oder gestrichen und reiche Staaten drückten sich vor ihrer finanziellen Verantwortung.