- 73 von 80 Wärmeplänen ausgewertet: Großstädte wollen Wärmebedarf vor allem durch Wärmenetze und Wärmepumpen decken
- Wille zum Gasausstieg in vielen Plänen angelegt: Wasserstoff, Biogas und Biomethan spielen im privaten Heizungskeller kaum eine Rolle
- Bundesregierung untergräbt Wärmewende: BUND fordert politischen Kurswechsel
Während die Bundesregierung die Wärmewende blockiert und weiter an der Gasheizung festhält, sind Deutschlands Großstädte bereits einen Schritt weiter: Die große Mehrheit plant die künftige Wärmeversorgung ohne Erdgas in den Heizungskellern. Das zeigt die heute vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlichte Gesamtauswertung der Wärmepläne von 73 deutschen Großstädten auf Basis von Daten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu).
Erdgas ist nach wie vor der bestimmende Energieträger im Wärmesektor. In Zukunft soll der Wärmebedarf den Zielszenarien der Städte zufolge zu 45 Prozent mit Wärmenetzen und zu 39 Prozent durch Wärmepumpen gedeckt werden. Gleichzeitig planen die betrachteten Städte bei Heizungen in Gebäuden und teilweise der Industrie den Einsatz von Gasen um 92 Prozent zu senken. Die Gasheizung hätte somit ausgedient.
Wasserstoff, Biogas und Biomethan spielen in den Zukunftsplänen der Städte kaum eine Rolle. Lediglich 1,4 Prozent des künftigen Wärmebedarfs aller untersuchten Städte wird in den Plänen über dezentral genutztes Biogas oder Biomethan gedeckt. Wasserstoff macht etwa drei Prozent aus, wird aber fast ausschließlich für industrielle Anwendungen eingeplant.
Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND: ”Die Gesamtauswertung der kommunalen Pläne zeigt: Wärmepumpen und Wärmenetze sind die Bausteine für das Heizen der Zukunft. Doch es fehlt der Rückenwind aus Berlin. Stattdessen setzt die Bundesregierung Fehlanreize, die den klimafreundlichen Umbau des Wärmesektors behindern. Sowohl der jetzt wieder mögliche Einbau neuer Gasheizungen als auch die geplante Grüngasquote stehen insgesamt im Widerspruch zu den Zielszenarien der kommunalen Wärmepläne. Statt die Abhängigkeit von klimaschädlichem und teurem Gas weiter zu verlängern, muss die Bundesregierung erneuerbare Lösungen wie die Wärmepumpe konsequent fördern.“
Pläne brauchen Verbindlichkeit
Ein genauer Blick in die Wärmepläne offenbart gleichzeitig Lücken und Unsicherheiten. Obwohl Gas im dezentralen Bereich für die Wärmeplanung der Städte kaum noch eine Rolle spielt und die Gasverteilnetze somit weitgehend obsolet werden könnten, hat bislang nur etwa ein Drittel der Großstädte Stilllegungsabsichten kommuniziert. Etwa die Hälfte der Großstädte weisen zudem auffallend große Teile der Stadtfläche lediglich als Prüfgebiete aus, ohne Festlegungen über die zukünftige Wärmeversorgung zu treffen. Bürger*innen bleiben somit möglicherweise über Jahre hinweg im Ungewissen darüber, ob in ihrem Quartier ein Wärmenetz zur Verfügung stehen wird. Auch bei den Angaben zu Finanzierung, Zeitplänen und Zuständigkeiten bleiben die Städte mitunter zu vage.
Löffelsend: "Die Pläne der Kommunen machen grundsätzlich Mut. Für ihr Gelingen ist aber entscheidend, dass alle Unsicherheiten beseitigt werden. Jetzt müssen die Kommunen ihre Planungen weiter konkretisieren und den Gasausstieg vor Ort konsequent vorantreiben. Ohne den geordneten Ausstieg aus dem Gasnetz drohen teure Doppelstrukturen und steigende Kosten für Verbraucher*innen. Es braucht Planungssicherheit für alle Akteure der Wärmewende. Das setzt auch voraus, dass die Bundesregierung die Umsetzung der Wärmepläne gesetzlich verbindlich verankert.“
Hintergrund:
Der BUND-Wärmewende-Check untersucht die Wärmepläne aller Großstädte, die bis zum gesetzlichen Stichtag Ende Juni 2026, durch das Kompetenzzentrum kommunale Wärmewende (KWW) veröffentlicht wurden. Die Stichprobe umfasst damit 73 der 80 deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohner*innen. In den untersuchten Städten leben insgesamt rund 24,3 Millionen Menschen und somit knapp 29 Prozent der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik. Die Auswertung basiert auf Daten des ifeu-Instituts und untersucht, wie die Kommunen den Umstieg auf klimafreundliches Heizen konkret planen und welche Rolle Erdgas, Wasserstoff und Biomethan aktuell und zukünftig in der Wärmeversorgung spielen. Darüber hinaus wird betrachtet, inwieweit die Planungen für Bürger*innen transparent sind und welche Unsicherheiten bei ihrer Umsetzung bestehen. Für die Auswertung der zukünftigen Energiebilanzen konnten 71 Städte berücksichtigt werden.
Die Untersuchung zeigt: Fossiles Erdgas in dezentralen Heizungsanlagen deckt aktuell im Durchschnitt mehr als 60 Prozent des Endenergiebedarfs der Wärmeversorgung der untersuchten Städte. Die Zielszenarien sehen dagegen einen weitgehenden Ausstieg aus gasförmigen Energieträgern und einen deutlichen Ausbau von Wärmenetzen und Wärmepumpen vor. Gleichzeitig planen die Großstädte, dass der Wärmebedarf etwa durch energetische Sanierungen um rund 22 Prozent sinken soll – getragen oftmals durch deutlich höhere Gebäudesanierungsraten.
Die Auswertung legt den Fokus auf die dezentrale Wärmeversorgung. Daten zur Dekarbonisierung von Wärmenetzen liegen nur in einem kleinen Teil der Stichprobe vor – auch für die Fernwärmeerzeugung wird aktuell noch viel Erdgas eingesetzt. In der Auswertung werden auch Unsicherheiten und Lücken innerhalb der Wärmepläne analysiert. Dabei wirft der BUND-Check einen Blick auf die Prüfgebiete und ihre Größe, die Nachvollziehbarkeit der Wärmepläne und weitere Planungen zur möglichen Wasserstoffnutzung. Die kommunalen Wärmepläne sind bislang strategische Instrumente, deren Umsetzung rechtlich nicht verbindlich vorgeschrieben ist. Der BUND fordert verbindliche Rahmenbedingungen auf Bundesebene und konkrete Umsetzungsstrategien in den Kommunen. Bereits im Mai 2026 hat der BUND eine Teilauswertung auf Basis von Daten des ifeus mit den bis dahin vorliegenden Wärmeplänen veröffentlicht.
Mehr Informationen:
- Wärmepläne im BUND-Check: Kommunaler Gasausstieg braucht Absicherung
- Wärmepläne im BUND-Check: Steckbriefe einzelner Bundesländer
Kontakt:
- Jan Warode, wissenschaftlicher Mitarbeiter Wärmewende beim BUND, Tel.: +49 30 27586-568, E-Mail: jan.warode(at)bund.net, Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND, Mobil: +49 176 20067099, E-Mail: tina.loeffelsend(at)bund.net
- BUND-Pressestelle: Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak | Johannes Wallat | Sigrid Wolff (derzeit abwesend), Tel.: +49 30 27586-531 | -464 | -425 | -638 | -497, E-Mail: presse(at)bund.net