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Unser Tipp im Juli: Zorro auf dem Vormarsch

01. Juli 2016 | Naturschutz

Gut erkennbar ist die schwarze Maske, das Markenzeichen des Waschbärs.  ( klimkin / pixabay.com )

Schwarze Maske? Ja. Kletterkünste? Ja. Bereit für einen Kampf? Ja. Alles deutet auf Zorro hin, doch dieser schwarz-maskierte Räuber ist einer mit scheinbarem Sauberkeits­fimmel: der Waschbär (Procyon lotor).

Leicht erkennbar ist das putzige Tier außer an seinem Markenzeichen auch an seiner gräulichen Fellfärbung, dem geringelten Schwanz und seiner Quasimodo-Imitation beim Laufen (damit ist die buckelige Körperhaltung gemeint). Der Waschbär wird ungefähr 40 - 70 Zentimeter lang, wobei der Schwanz nicht mit eingerechnet ist, und seine Gewichtsklasse schwankt zwischen Leichtgewicht und Sumo-Ringer, von 3 - 12 Kilogramm, je nach Jahreszeit und Verbreitungsgebiet. Der schwerste frei lebende Waschbär wog 28,4 Kilogramm und musste wahrscheinlich das Klettern aufgeben. Doch Waschbären sind auch gute Schwimmer und das erweitert ihren Speisezettel beträchtlich: Fische, Würmer, Frösche, Käfer, Beeren oder Nüsse, alles was am Land oder in Gewässern zugänglich ist, wird verspeist.

Dies beinhaltet auch die zahlreichen Nahrungs­quellen, die Menschen freundlicherweise schaffen, wie Mülltonnen, Komposte oder gefüllte Futter­näpfe. Seinen Namen hat der Waschbär bekommen, weil er oftmals seine Nahrung mit den Vorderpfoten hin und her bewegt, um sie zu prüfen und uner­wünschte Teile zu entfernen, was ein bisschen so aussieht, wie wenn er sie waschen würde. Diese Verhaltensweise kommt besonders häufig in Gefangenschaft vor, wofür es mehrere Theorien gibt. Fest steht, dass der Tastsinn für den Klein­bären als wichtigster Sinn betrachtet werden kann. Die besonders sensiblen Vorderpfoten sind von einer schützenden dünnen Hornschicht um­geben, die unter Wasser aufweicht. Fast zwei Drittel der für Sinneswahrnehmung zuständigen Bereiche des Gehirns ist auf die Inter­pretation von Berührungsreizen spezialisiert, mehr als bei jeder anderen untersuchten Tierart. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Tiere mit dem Kopf voraus einen Baum hinunter­klettern können, indem sie ihre Hinterpfoten nach hinten verdrehen.

Fluch oder Segen für das heimische Ökosystem

Als Pelzlieferant kam der Waschbär Anfang des 20. Jahrhunderts aus Nordamerika nach Deutschland. 1934 wurde er erstmals bewusst ausgesetzt und ist seitdem als einer der erfolgreichsten Neozoen des europäischen Kontinents auf dem Vormarsch. Seither streiten sich die Gemüter ob der Kleinbär eine Bedrohung für das heimische Ökosystem darstellt oder als Teil der heimischen Tierwelt betrachtet werden sollte. Wie auch die Antwort ausfallen möge, die Konsequenz sollte der Schutz von Lebensräumen sein und nicht die Bejagung des Waschbären. Wer den kleinen Räuber von seinem Hause fernhalten möchte, sollte auf Vorbeugungs­maßnahmen setzen:

  • Füttern Sie keine Waschbären
  • Verschließen Sie nachts die Katzenklappe
  • Lassen Sie kein Tierfutter über Nacht draußen stehen
  • Bewahren Sie Mülltonnen und Abfälle unzugänglich auf
  • Bringen Sie ein Metallgitter auf dem Schornstein an
  • Schneiden Sie Äste oder Sträucher, die an oder über das Haus reichen, weit zurück

Beobachtungstipp

Wer Waschbären nicht vertreiben sondern beobachten möchte, hat in der Dämmerung und Nacht die besten Chancen. In der freien Natur bevorzugen die Tiere Misch- und Laubwälder, gerne auch in der Nähe von Flüssen oder anderen Gewässern. Ansonsten lohnt es sich Kassel zu besuchen, da dies die heimliche Hauptstadt der Waschbären mit rund 100 Tieren auf 100 Hektar ist.

Aktionstipps

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin)

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