Neue Arten in Deutschland
Gehören längst zur heimischen Flora: Klatschmohn und Kamille.
(Gudrun Münz
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pitopia.de)
In Deutschland leben inzwischen mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten, die durch den Menschen hier gekommen sind oder sich durch den Klimawandel angesiedelt haben. Auch früher gab es schon einen Austausch von Arten. Einige Tiere und Pflanzen, die vor vielen Jahrhunderten zu uns kamen, gelten heute längst als Bereicherung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt oder sind wichtige Nutzpflanzen in unserem Ökosystem. Viele uns vertraute Pflanzen wie Kulturapfel, Birne, Pflaume und Getreidearten wie Weizen und Gerste sind mit den Römern zu uns gekommen. Auch Blumen und Heilpflanzen, wie beispielsweise Klatschmohn, Kornblume, Echte Kamille und Kornrade gehören dazu.
Was sind invasive Arten?
Im Naturschutz werden die gebietsfremden Arten als invasiv bezeichnet, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben.
Neophyten und Neozoen: Definition
Neophyten: eingewanderte Pflanzen
Alle Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 nach Mitteleuropa gelangt sind, werden als Neophyten bezeichnet. Das sind etwa 12.000. Davon haben sich aber nur etwa 100 Pflanzen so "eingebürgert", dass sie als Teil unserer heimischen Flora angesehen werden.
Neozoen: eingewanderte Tiere
Ungefähr tausend fremde Tierarten, so genannte Neozoen, sind bis jetzt in Deutschland festgestellt worden. 250 sind bei uns heimisch geworden.
Wege der Ausbreitung
Die Pflanzen und Tiere gelangen absichtlich oder unabsichtlich zu uns:
- Durch den globalen Warentransport entlang von Straßen, Flüssen und Kanälen.
- Als Zierpflanzen aus fernen Ländern.
- Durch Gartenabfälle, die in der Natur entsorgt werden.
- Tiere wie Nutria und Waschbär entkommen aus Gefangenschaft und etablieren sich in freier Wildbahn.
Invasive Arten: Diese Probleme können entstehen
Die konkurrenzstarke Robinie, ursprünglich in Nordamerika beheimatet, verdrängt seltene Biotoptypen wie Mager- und Sandtrockenrasen.
(Werner Hilpert
/
pitopia.de)
Invasive Arten treten in Konkurrenz zu einheimischen Arten um Lebensraum und Ressourcen und verdrängen diese. Sie können außerdem Krankheiten übertragen, gegen die heimische Arten nicht immun sind.
Gefährdung von Ökosystemen
Gebietsfremde Arten können ganze Ökosysteme verändern, da sie die Lebensräume grundlegend verändern, beispielsweise durch:
- Veränderungen im Wasserhaushalt
- Beeinflussung der Nährstoffdynamik
- Veränderungen der Vegetationsstruktur
Auch genetische Veränderungen durch Kreuzung mit heimischen Arten sind problematisch.
Gesetzliche Regelungen und Listen invasiver Arten
Die EU hat eine Unionsliste invasiver Arten erstellt. Darauf stehen 88 Tier- und Pflanzenarten, von denen mindestens 46 in Deutschland wildlebend vorkommen, unter anderem Riesenbärenklau, Götterbau, Drüsiges Springkraut, der Waschbär, Nutria, Nilgans Diese Arten dürfen nicht in die EU gebracht, gehalten, gezüchtet, gehandelt oder freigesetzt werden. Zusätzlich zur Unionsliste gibt es nationale Listen mit invasiven und potentiell invasiven Tier- und Pflanzenarten. Hier findet man die kanadische Goldrute, die Staudenlupine, Flieder und Sommerflieder, Teppich- und Fächer-Zwergmispel, Kartoffelrose (Rosa rugosa), späte Traubenkirsche und Kirschlorbeer.
Planzenhandel vertreibt invasive Arten
Kirschlorbeer ist in Deutschland als potentiell invasiv gelistet. Eine gute Alternative ist der heimische Liguster, der Blüten für Insekten und Früchte für Vögel bietet.
(Bild: Thomas Stockhausen via canva.com)
Diese invasiven Arten gehören leider zum Standardsortiment des Pflanzenhandels und werden auf kommunalen Flächen und in Privatgärten gepflanzt, zum Beispiel Kirschlorbeer, Sommerflieder oder Forsythien. Der BUND appelliert an Gärtnereien, Gartencenter und Baumärkte, die invasiven Arten, die auf der nationalen Liste genannt werden, aus dem Sortiment zu nehmen. Gärtner*innen sollten möglichst heimische Pflanzen kaufen. Davon profitieren Insekten und andere Tierarten am meisten.