Der Moor-Hallimasch: Ein honiggelber Moorliebhaber

Pilze sind wahre Meister der Umwandlung von Stoffen in der Natur. Sie sind die Helfer im Boden, die vielen Pflanzen- und Tierarten überhaupt erst ein kraftvolles Leben ermöglichen. Leider sind viele Pilzarten in Deutschland inzwischen stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht – eine davon ist der Moor-Hallimasch.

Moor-Hallimasch Der Moor-Hallimasch steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten Deutschlands.  (Rita Lüder / DGfM)

Der Moor-Hallimasch (Desarmillaria ectypa) gehört zu der Klasse der Ständerpilze (Basidiomycota). Er wurde ursprünglich der Gattung Hallimasche (Armillaria) zugeordnet und gehört inzwischen einer eigenen Gattung, der Desarmillaria, an.

  • Merkmale: Wächst von Juli bis Oktober; Hut: leicht schuppig, gelbbraun bis rosabraun, seidig-fettig glänzend, 3–6 cm Durchmesser; Lamellen: eng stehend, jung cremeweiß, dann blass ocker, bei Berührung blau werdend; Fleisch: wässrig und weiß, bei Verletzung schwarz; Stiel: voll, anfangs weißlich, dann braun werdend, am Grunde oft verdickt und weißzottig, 5–7 cm lang; Lamellen: eng stehend, anfangs weißlich, dann graulich, bei Berührung blau werdend; wachsen in kleinen Gruppen oder vereinzelt.
  • Lebensraum: Moore und Feuchtgebiete, zwischen Torfmoosen; auf den Roten Listen von (Stand 2001): Baden-Württemberg, Bayern (Moore und Feuchtgebiete, zwischen Torfmoosen; auf den Roten Listen von (Stand 2001): Baden-Württemberg, Bayern (gilt hier als verschollen, letzte Sichtung 1983), Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz
  • Gefährdung: Rote Liste Deutschland: vom Aussterben bedroht; aktuelle Bestandssituation: sehr selten; langfristiger Bestandstrend: starker Rückgang
  • Schutzstatus: Leider wurde bislang keine einzige Pilzart im Anhang IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie berücksichtigt. Die vom Bundesamt für Naturschutz dafür vorgeschlagenen Anhangsarten haben bis heute noch keinen offiziellen gesetzlichen Schutzstatus (Stand November 2020)
Moor-Hallimasch Pilze sorgen für einen gesunden Wald.  (Rita Lüder / DGfM)

Pilze: Unentbehrlich für das Ökosystem und uns Menschen

Pilze sind sie für das Gleichgewicht des Ökosystems von zentraler Bedeutung. Denn sie sind extrem effiziente Stoffumwandler, können Totholz zu Humus zerlegen, Laub- und Nadelstreu abbauen und sogar Knochen, Hörner, Hufe und Haare zersetzen.

Pilze führen den natürlichen Bioabfall und die darin enthaltenen Nährstoffe wieder in den Kreislauf der Natur zurück. Ohne Pilze gibt es keine gesunden Wälder und viel weniger Insekten und Vögel – denn diese sind auf das von den Pilzen zersetzte, weiche Holz angewiesen oder nutzen die Pilze direkt als Nahrungsquelle. 

Pilze sind darüber hinaus auch für uns Menschen ganz konkret von großem Wert: Sie sind kleine Apotheken, in denen viele bislang unbekannte, wertvolle Wirkstoffe und Substanzen enthalten sein können. So könnte beispielsweise der im Gemeinen Schwarzborstling entdeckte Stoff Plectasin vielleicht als neues Antibiotikum eingesetzt werden, gegen das bislang noch keine Resistenzbildungen bekannt sind. Und mit einem aus dem Zapfenrübling isolierten und inzwischen industriell herstellbaren Stoff werden in der Nahrungsmittelproduktion weltweit Umsätze in Milliardenhöhe gemacht. Jede einzelne Pilz-Art, die ausstirbt, ist nicht nur für den Naturhaushalt, sondern auch für uns Menschen ein großer Verlust. 

Ein Sumpfhonigpilz, der nachts leuchtet

Der Moor-Hallimasch ist eine von vielen Großpilzarten, die in Deutschland kurz vor dem Aussterben stehen. Sein gelbbrauner bis rosabrauner, glänzender Hut zeigt sich im Juli bis Oktober zwischen den Torfmoosen in Mooren. Im Englischen wird er aufgrund seiner Farbe als "marsh honey fungus" – also als Sumpfhonigpilz bezeichnet.

Er taucht vereinzelt oder in kleinen Gruppen auf und wird bis zu zehn Zentimeter hoch. Anders als die meisten anderen Hallimasche trägt er keinen Ring am Stiel, weshalb er aus der Gattung der Armillaria (aus dem lateinischen in etwa: "honiggelb mit Ring") in eine eigene Gattung Desarmillaria ("honiggelb ohne Ring") ausgegliedert wurde.

Äußerst besonders und wunderschön anzuschauen ist die Fähigkeit der Hallimasche zur Biolumineszenz. Ihr unterirdisch wachsendes Wurzelgeflecht ("Mycel") und auch das von diesem durchwachsene Holz kann nachts ein gut erkennbares Leuchten erzeugen. 

Moor-Hallimasch Es besteht eine besonders hohe Verantwortlichkeit Deutschlands für den Erhalt dieser Art.   (Rita Lüder / DGfM)

Gefährdet durch Lebensraumverluste und -veränderungen 

Der Moor-Hallimasch ist eine eurasische Pilzart, die sowohl in Europa als auch in Asien vorkommt, grundsätzlich jedoch äußerst selten ist. In der Schweiz gilt er bereits als ausgestorben. Der Moor-Hallimasch bevorzugt staunasse, feuchte Lebensräume mit niedrigem Stickstoffgehalt wie zum Beispiel Niedermoore, Birkenbruchwälder und Seggenrieder.

Im Vergleich zu Pflanzen und Tieren sind Pilze wenig erforscht, was ihren Schutz erschwert. Sehr wahrscheinlich sind aber für den Rückgang des Moor-Hallimaschs – wie für viele andere Pilzarten auch – die Zerstörung seiner Lebensräume durch Landwirtschaft und Bebauung sowie die hohen Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr verantwortlich. In Deutschland sind nur noch weniger als fünf Prozent der ursprünglichen Moorflächen vorhanden.

Zum Artensteckbrief: Der Moor-Hallimasch (PDF)

Der BUND fordert 

  • Den Erhalt von Mooren und die Renaturierung von entwässerten Mooren auch zum Klimaschutz sowie den Verbot des Einsatzes von Düngemitteln und Pestiziden im Umkreis von Mooren.
  • Ein nationales Moorschutzprogramm und den Ersatz für alle Torfsubstrate im Garten- und Landschaftsbau.
  • Artenhilfsprogramme für den Moor-Hallimasch.
     

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