Solidarität mit "Black Lives Matter" – für eine gerechte und diverse Umweltbewegung

19. Juni 2020 | BUND

Das europäische Netzwerk der Umweltorganisationen, Friends of the Earth Europe (FoEE), hat eine Solidaritätserklärung mit "Black Lives Matter" verfasst. Der BUND als Teil von FoEE ist Unterstützer der Erklärung. Und er meint: Auch die Umweltbewegung ist aufgefordert, Ausgrenzungen in ihren Reihen systematisch ins Bewusstsein zu rücken, aufzuarbeiten und zu bekämpfen. Unser Ziel ist es, eine ökologisch-nachhaltige und sozial-gerechte Welt frei von Rassismus und anderen Diskriminierungen aufzubauen.

Impression von einer Black-Lives-Matter-Demonstration  (UnratedStudio / pixabay.de)

In der FoEE-Erklärung heißt es: "Ein großer Teil des Reichtums und der Macht des modernen Europas beruht auf dem Kolonialismus und der Ausbeutung und Unterdrückung von Schwarzen, Indigenen und anderen People of Color. Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Spanien, Portugal und Italien versklavten und töteten Millionen People of Color, indem sie ihre Arbeitskraft ausbeuteten und ihre Ressourcen plünderten. Dies gehört nicht nur der Vergangenheit an. Die Folgen sind noch heute spürbar. Europa spielt eine historische Rolle bei der Schaffung und Stärkung der Systeme weißer Vorherrschaft, auf denen die Welt immer noch aufgebaut ist."

So weisen aktuell beispielsweise die unverhältnismäßig starken Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Minderheiten auf die Probleme des systemischen Rassismus bei der Gesundheitsversorgung, der Wohnsituation und der Beschäftigung hin – auch in Europa.

Von der EU fordert Friends of the Earth Europe als Sofortmaßnahmen unter anderem, Waffen- und sonstige Exporte zu stoppen, die als Instrumente der Unterdrückung und der rassistischen Polizeigewalt in den USA dienen. Außerdem sollen keine Finanzmittel mehr in die Militarisierung der Außengrenzen der EU fließen. Das Geld soll stattdessen für die Unterstützung der Geflüchteten sowie friedensbildende Maßnahmen eingesetzt werden. 

Minderheiten müssen außerdem adäquat in den Institutionen der EU repräsentiert werden – denn nur so wird ihre Stimme gehört und werden besseren Entscheidungen für alle Menschen in Europa getroffen.

Auch die Klimabewegung ist gefragt

Der Klimawandel, so die FoEE-Erklärung weiter, "verursacht bereits jetzt Leid und Tod für viele Menschen – die Mehrheit von ihnen sind People of Color. In Kombination mit rassistischen Normen und der Entmenschlichung von People of Color ist eine toxische Mischung entstanden, in der klimabedingte Todesfälle toleriert und die Untätigkeit in der Klimapolitik akzeptiert wird."

Eine Aufgabe der Umweltbewegung ist es darum, diesen Rassismus zu reflektieren, sichtbar zu machen und zu bekämpfen. Und auch in den eigenen Reihen muss die Sensibilisierung für rassistische Ausgrenzungen geschärft werden: Das hat der Bericht der Klima-Aktivistin Tonny Nowshin gezeigt, die in einem Tweet mit Fotos von einer Protestaktion gegen das Kohlekraftwerk Datteln 4 als nicht-weiße Aktivistin nicht gezeigt wurde.

"Beim Umgang mit Rassismus und auf dem Weg zu einer diversen und inklusiven Bewegung hat die Klimabewegung viel nachzuholen", schreibt Greenpeace in seiner Erklärung zu dem Vorfall. Dem stimmt der BUND zu.

Auch der BUND ist eine von vornehmlich weißen Personen dominierte Organisation. Wir müssen genauso unsere Privilegien reflektieren, Barrieren innerhalb unseres Verbandes erkennen und daran arbeiten, diese abzubauen. Damit Klimagerechtigkeit auch innerhalb unserer Organisation Wirklichkeit wird. 

Wir müssen achtsam miteinander sein und unsere Privilegien hinterfragen, um unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben. Nur so können wir die Krise in ihrer ganzen Dimension erfassen und verändern. Und Europa, das durch seine Kolonialverbrechen heute reich und privilegiert ist, muss seiner historischen Verantwortung gerecht werden und vorangehen! 

"Wir sind eine Organisation für Umweltgerechtigkeit und sprechen über die historische Verantwortung Europas und die unverhältnismäßigen Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung auf diejenigen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind", so die FoEE-Erklärung. "Wir müssen sicherstellen, dass die Klima- und Umweltbewegung für Lösungen eintritt, die für alle funktionieren und auf einem intersektionellen Ansatz beruhen."

Unser Ziel ist es, eine ökologisch-nachhaltige und sozial-gerechte Welt frei von Rassismus und anderen Diskriminierungen aufzubauen.

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