Plastiksteuer: Was ändert sich?

08. Oktober 2026 | BUND, Wirtschaft, Suffizienz, Ressourcenschutz, Chemie

Die Koalition aus CDU/CSU und SPD plant eine neue bundesweite Abgabe auf Kunststoffverpackungen. Was bedeutet das für Verbraucher*innen?

Kein gern gesehener Anblick: Einweg-Müll am Straßenrand.  (ThamKC / via canva.com)

Was steht im Gesetzesentwurf?

Ab Juli 2027 sollen für jede Tonne Kunststoff in Verpackungen 550 Euro fällig werden. Auch Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von mehr als fünf Prozent sind betroffen. Recycelter Kunststoff kann von der Steuer befreit werden. Die Abgabe soll bei der Herstellung und dem Handel greifen.

Was soll die Plastiksteuer bringen?

Unternehmen sollen dadurch einen finanziellen Anreiz bekommen, weniger Primärkunststoff zu verwenden. Primärkunststoff ist Kunststoff, der direkt aus fossilen Rohstoffen hergestellt wird. 

Ab 2028 soll die Steuer dem Bund jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro einbringen. Dieses Geld ist bereits verplant: Der deutsche Beitrag zur EU-Plastikabgabe wird bisher aus dem Bundeshaushalt und somit von den Bürger*innen bezahlt. In anderen EU-Ländern tragen hingegen bereits die Hersteller diese Kosten durch eine entsprechende Steuer – Deutschland hinkt hinterher, die Unternehmen an den Kosten zu beteiligen.

Unsere Kritik an der Plastiksteuer

Das zentrale Problem des hohen Plastikverbrauchs, insbesondere bei Einwegprodukten, bleibt ungelöst. Die geplante Steuer berücksichtigt außerdem nicht, wie gut eine Verpackung tatsächlich recycelt werden kann. Dadurch würde eine gut recyclingfähige Verpackung genauso besteuert wie eine Verpackung, die nur schwer oder gar nicht recycelbar ist.

Der Fokus auf Recycling darf nicht dazu führen, dass Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Mehrweg vernachlässigt werden. Der aktuelle Entwurf ist unzureichend, weil nur der Einsatz von Recyclingkunststoff belohnt wird.

Wir befürchten als BUND außerdem, dass eine Verteuerung ausschließlich von Kunststoff zu einem Ausweichen auf andere Einwegverpackungen führen könnte – etwa aus Papier oder Aluminium. Um einen echten Wandel zu erreichen, muss Mehrweg deshalb von der Steuer ausgenommen werden.

Wir können uns nicht aus der Krise heraus-recyclen

Die Plastikkrise kann nicht gelöst werden, indem ständig mehr Kunststoff produziert, nur kurz verwendet und dann recycelt wird. Auch ein gut funktionierendes Recycling ersetzt nicht die Vermeidung von Abfall: Bei jedem Recyclingdurchgang gehen Material und Energie verloren. Nicht verwertbare Kunststoffabfälle werden weiterhin verbrannt.

Plastiksteuer kann Verpackungssteuer nicht ersetzen

Kommunale Verpackungssteuern richten sich auf alle Einwegprodukte und setzen gezielt bei der Abfallvermeidung an. Hier finden Sie umfassende Informationen zur Verpackungssteuer. Eine bundesweite Regelung sowie der konsequente Ausbau von Mehrwegsystemen stellen aus unserer Sicht die wirksameren Lösungen dar.

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