Herdenschutz stärken statt Wolfsschutz schwächen

10. Januar 2022 | Naturschutz, Lebensräume, Wälder

Im Agrarausschuss des EU-Parlaments gibt es Forderungen, Abschüsse von Wölfen zu erleichtern. Dafür soll dessen Schutzstatus abgeschwächt werden. Der BUND will das verhindern.

Europäischer Wolf  (bennytrapp / fotolia.de)

Am heutigen Montag berät der EU-Agrarausschuss über eine Abschwächung des Wolfsschutzes. Dem zugrunde liegt ein Papier, das behauptet, der Wolf hätte in vielen Regionen Europas einen günstigen Erhaltungszustand erreicht. Der strenge Schutzstatus könne deswegen herabgesetzt werden.

Es soll also mehr Flexibilität geschaffen werden für Managementmaßnahmen. Was da so klausuliert daherkommt, bedeutet, dass zukünftig mehr Wölfe geschossen werden sollen. Befürworter*innen dieses Vorschlags halten mehr Abschüsse zum Schutz von Weidetieren für notwendig – andere Schutzmaßnahmen ziehen sie dabei in Zweifel.

Doch mehr Flexibilität bei Abschüssen ist keine Lösung des Problems. Das belegen bereits Regionen, in denen mehr Wölfe abgeschossen werden, wie etwa in Frankreich. Dort gehen die Risse an Nutztieren trotz Abschüssen nicht zurück. Denn auch weniger Wölfe können ungeschützte Weidetiere erbeuten. Forderungen nach mehr Abschüssen bedienen daher lediglich negative Emotionen und Ressentiments gegenüber Wölfen. Es bleibt dabei: Am Herdenschutz geht kein Weg vorbei.

Gut gemachter Herdenschutz funktioniert. Das zeigt die Praxis seit Jahren, etwa durch entsprechende Schutzzäune. Als Ergänzung dazu ist es heute schon möglich, auffällige Wölfe zu schießen, die ordnungsgemäße Schutzzäune mehrfach überwunden haben.

Um die Weidetierhaltenden bestmöglich zu unterstützen, braucht es eine vollständige und unkomplizierte Finanzierung aller Schutzmaßnahmen. Denn wir brauchen die Weidetierhaltung dringend zum Erhalt seltener Arten im Offenland und als tierfreundliche Alternative zur Massentierhaltung.

Hintergrund 

Bisher lässt der hohe Schutzstatus der Wölfe EU-rechtlich nur in gut begründeten Ausnahmefällen Abschüsse zu. Würde der Schutzstatus herabgesetzt, wären Abschüsse deutlich leichter umzusetzen. Stimmt der Agrarausschuss dem Papier zu, würde in den nächsten Wochen auch im EU-Parlament darüber entschieden.

Wenn auch das EU-Parlament per Resolution dem Wolfsschutz den Rücken kehrt, hat das zwar noch keinen direkten Effekt auf die Gesetzgebung. Doch es wäre eine geistige Trendwende mit weitreichenden Konsequenzen: Bei zukünftigen Abstimmungen des EU-Parlamentes über Belange des Wolfschutzes wären Entscheidungen zu Lasten der Wölfe sehr wahrscheinlich.

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