Ab in die Tonne – In Deutschland wird immer mehr Biomüll gesammelt

12. September 2022 | BUND, Klimawandel, Suffizienz, Ressourcen & Technik

Aktuelle Zahlen untermauern den langfristigen Trend: Deutsche Entsorger konnten für 2020 eine kräftige Zunahme an Abfall aus der Biotonne verzeichnen. Unklar ist, wieviel Einfluss die Corona-Pandemie hatte. Verwertungsanlagen stehen vor Herausforderungen.

Bioplastik kann zu Problemen in der Verwertungskette führen  (Octavian Lazar / iStock)

Die Verwertung von Bioabfall hat zwei wesentliche Vorteile: Stoffe können durch Kompostierung wieder in den Kreislauf gelangen und Gase, die in dem Prozess entstehen, können zur Energieversorgung beitragen. 2020 sind so 4,8 Millionen Tonnen Kompost und 746,6 Millionen Kubikmeter Biogas gewonnen worden, erklärte kürzlich das Bundesamt für Statistik.

Daher ist es zunächst erfreulich zu sehen, dass 2020 die Menge an biologischen Abfällen aus der Biotonnen um 0,34 Millionen Tonnen auf 5 Millionen Tonnen stieg. Das Bundesamt meldet damit eine satte Steigerung von 7,3 Prozent.

Zahlen mit Vorsicht betrachten

Mahlzeiten wurden 2020 zunehmend zu Hause zubereitet; viele entdeckten ihren grünen Daumen. Dennoch bleibt unklar, ob immer mehr Haushalte die Alternative Biotonne nutzten und damit der Anteil der Verwertung stieg, oder einfach mehr Lebensmittel- und Gartenabfälle privat erzeugt und entsorgt wurden. Vermutlich wird beides zum Anstieg beigetragen haben. 

Die Lockdowns und Einschränkungen von 2020 zeigen sich deutlicher an anderer Stelle in der Abfallbilanz. Es wurden insgesamt 17,3 Prozent weniger (Groß-)Küchen- und Kantinenabfälle, Abfälle an Speiseölen und -fetten sowie Marktabfälle eingesammelt.

Fraglich bleibt auch, ob sich die Umweltbilanz insgesamt tatsächlich verbessert hat, denn die Art der Verwertung ist dafür maßgeblich.

Zunehmende Herausforderungen für Verwertungsunternehmen

Für die Klimabilanz ist wichtig, dass das organische Material nicht offen kompostiert. Klimaschädliche Treibhausgase, insbesondere Methan, können so frei entweichen. Wir fordern Bioabfälle erst hochwertig und emissionsarm zu vergären und die Gärreste in geschlossenen eingehausten Anlagen zu kompostieren – auch um das Grundwasser zu schützen. Wenn das Abfallvolumen stark schwankt, ist es für Betreiber*innen nicht einfach, die Gewinnung von Biogas zu gewährleisten. Nichtsdestotrotz befürworten wir die stoffliche Verwertung von Bioabfall, da dessen Verbrennung eine unnötige Ressourcenverschwendung ist und gleichzeitig die Klimakrise antreibt.

Die Anlagen haben ebenfalls Probleme, Bioplastik-Beutel von herkömmlichen zu unterscheiden. So werden diese energieaufwendig aussortiert und verbrannt. Entgegen der weitverbreiteten Annahme ist Bioplastik kein geeignetes Material, um Bioabfälle zu transportieren. Mehr Biomüll aus Haushalten verschärft das Problem. Für Privatpersonen heißt das: Papiertüte (idealerweise bereits benutzt) und (Mehrweg-) Behälter sind das Mittel zur Wahl. Details gibt es in unserem Podcast zu Bioplastik.

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