Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 3/2020

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leser*innenzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zur aktuellen Ausgabe

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Vielfalt bewahren

Als langjähriges BUND-Mitglied habe ich mich sehr über die letzte Ausgabe des BUNDmagazins gefreut. Auf mehreren Seiten habt ihr speziell die Aspekte des Fließgewässerschutzes, der Gewässerdurchgängigkeit und des Schutzes von Wanderfischen thematisiert. Und berichten sogar von einer beabsichtigten Verstärkung dieses Engagements – bravo. Unser Verein "Wanderfische ohne Grenzen" beschäftigt sich deutschlandweit mit der Durchgängigkeit von Fließgewässern und hat dafür ein spezielles Bewertungssystem entwickelt, die Wanderfischampel. Alle Informationen dazu sind auf unserer Homepage frei zugänglich: www.wanderfische.eu Leider sind 2020 seit Notreparaturen an der Elbe-Staustufe Geesthacht die Fischwege in das Flussgebiet Elbe massiv beeinträchtigt. Damit sind viele Programme zur Wiederansiedlung von Wanderfischen gefährdet. Bitte tretet für eine schnelle Wiederherstellung der Durchgängigkeit an diesem Standort ein und unterstützt das vor Ort tätige Aktionsbündnis "future 4 fishes" weiterhin aktiv. Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, die Thematik der fehlenden Durchgängigkeit der deutschen Bäche und Flüsse zu vertiefen. Das fordert ja auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie, von deren Einhaltung wir weit entfernt sind. Peter Leisebein, Leipzig

Wenn wir wirklich Vielfalt bewahren wollen, müssen wir aufhören, diese kleine, verletzliche Welt mit nur einer gierigen, gewalttätigen, nimmersatten Art vollzustopfen: Homo sapiens! Über sieben Milliarden von uns, Tendenz steigend, und wer spricht darüber? Eine vertretbare Zahl wäre eventuell zwei Milliarden, etwa so viel, als ich vor siebenundachtzig Jahren geboren wurde. Stattdessen steuern wir auf acht Milliarden zu – und kein Ende ist in Sicht. Warum ist dieses Thema ein Tabu?  Meine Frau und ich sind begeisterte Leser vom BUNDmagazin, und wir schätzen die Arbeit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr. Aber ohne eine drastische Rückentwicklung der Bevölkerungszahl ist unser Schicksal bereits besiegelt.
Gavin Alexander, Böblingen

Vielen Dank für die ausführlichen Berichte über Aspekte der Artenvielfalt! Deutlicher muss die Bedrohung der Fruchtbarkeit dargestellt werden: Die globale Verbreitung reproduktionstoxischer Schadstoffe darf nicht verborgen bleiben, wenn das Artensterben erfolgreich bekämpft werden soll. Am stärksten unfruchtbar machen wohl einige sehr verbreitete Herbizide. Aber auch die Strahlenbelastung, Schwermetalle und andere Agrochemikalien begrenzen die Vermehrung bei Tieren und Pflanzen und dadurch die Biodiversität.
Jürgen Heinrichs, Hamburg

Weniger Fleisch

Es wundert mich etwas, warum andere Artikel die schöne Natur mit ihren schützenswerten Tieren darstellen, aber im gesamten Ratgeber emotionslos von "Fleisch" gesprochen wird. Dennoch freue ich mich, dass das Thema bei Ihnen nicht ganz untergeht, auch wenn es für den Umweltschutz deutlich mehr Priorität verdient hätte. Der Absatz "Wenn Fleisch, dann …" enthält jedoch deutliche Falschaussagen: "Greifen Sie zu einem Stück aus Weidehaltung." Weidehaltung hat den schlechtesten Einfluss auf die Umwelt. Weiderinder wachsen langsamer und stoßen aufgrund der schlechten Verdaubarkeit von Gras gegenüber Getreide bis zu viermal so viel Methan aus. Weiderinder werden im Winter auch oft mit Getreide / Soja gefüttert. "Denn Biohöfe versorgen ihre Pflanzen mit Tierdung." Ich denke, es ist Ihnen bekannt, welche Umweltfolgen Tierdung und Gülle haben. Ein Wechsel zu einer bio-veganen Landwirtschaft würde das Grundwasser deutlich entlasten und braucht keine Tierhaltung und die damit verbundenen Probleme. "Außerdem bliebe bei einer komplett tierfreien Ernährung viel Fläche ungenutzt." Richtig ist, dass ehemalige Weideflächen frei werden. Diese müssen jedoch gar nicht bewirtschaftet werden und können wieder aufgeforstet werden, wodurch mehr Treibhausgase gebunden werden. In der größten aktuell verfügbaren Klimastudie (UN-Climate-Change-Report von 2019) steht, dass eine tierfreie Ernährung 2050 weniger Fläche benötigte als heute der Lebensmittelanbau. Durch die Einsparung von Fläche und die damit verbundene zusätzliche Bindung von CO2 bringt eine vegane Ernährung das größte Einsparpotenzial an Treibhausgasen. Ich habe das ungute Gefühl, dass der BUND die fatalen Auswirkungen der Tierhaltung für Umwelt, Mensch und Tier ein wenig schönredet.  Stephan Dreyer, Schöneiche

 

Digitale Kommunikation

Zu Ihrem Artikel "Wir werden digitaler": Für mich bleibt die Digitalisierung ein notwendiges Übel, von dem wir so wenig wie möglich Gebrauch machen sollten. So ist digitale Kommunikation auf nur wenige Kanäle beschränkt, nämlich Sehen und Hören. Selbst diese Kanäle sind nur reduziert nutzbar, wenn während Videokonferenzen das Mikrofon oder die Kamera ausgeschaltet wird. Dadurch fallen viele Nuancen und leise Signale visueller und auditiver Art, aber auch die Kanäle des Riechens und Fühlens einfach weg. Kein Wunder, wenn Videokonferenzen häufig an der Oberfläche bleiben und eine wenig differenzierte Diskussion ermöglichen. Ganz extrem ist dieser Effekt in den "sozialen" Medien zu beobachten. Oberflächlich, holzschnittartig, postfaktisch und sehr aggressiv: Darin sehe ich die größten Gefahren der digitalen Kommunikation.
Zudem begeben wir uns in eine Abhängigkeit von Internetanbietern, Plattformen und materieller Infrastruktur, die sicherlich nicht die Zwecke des Umwelt- und Naturschutzes im Blick haben. Wir werden total überwachbar. Technische Probleme können ganze Meetings sprengen. Meetings können sabotiert oder manipuliert werden. Und natürlich schließen hohe technische und teilweise materielle Hürden nicht nur mich von Videokonferenzen aus. Auch will ich einfach kein Mikro / keine Kamera in meiner Wohnung haben, was ebenfalls eine Hürde darstellt.
Was ist mit der Netzneutralität, wird die wirklich für immer bleiben? Werden die Preise nicht erheblich angezogen, wenn wir von der digitalen Kommunikation abhängig geworden sein werden?
Schließlich verschlingt die nötige Infrastruktur – schon jetzt mit unzähligen Mobilfunkmasten, Glasfasernetzen und Endgeräten – weit mehr Rohstoffe und Energie, als wir eigentlich zur Verfügung haben.
Und da Datensicherheit und Datenschutz niemals ganz verwirklicht werden können, eröffnen sich früher ungeahnte Möglichkeiten für kriminelle Machenschaften und digitale Hexenjagden. Das Internet vergisst nie, und es ist global. Sprich: Fliehen ist unmöglich. 
Ulla Krajewski, Köln

Plug-in-Hybride sinnvoll?

Ohne Frage ist es ein großer Erfolg, dass man die Kaufprämien für Verbrenner verhindert hat. Allerdings ist die Aussage "Verbrenner durch die Hintertür" für Plug-in-Hybride doch etwas zu pauschal. Wer viele Langstrecken fährt, hat keine Vorteile von diesen Autos. Dagegen haben Pendler und Kurzstreckenfahrer, die täglich bis zu 50 Kilometer zurücklegen, durchaus Vorteile, da sie fast ausschließlich elektrisch fahren. Wenn sie darüber hinaus eine eigene Photovoltaik-Anlage haben, fahren sie emissionsfrei und CO2-neutral. Genau das ist mein Ziel. Bekannte machen das seit ein paar Jahren. 
Klaus Dörschner, Wolfsburg

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