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Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 2/2017

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leserzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zu dieser Ausgabe

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Wildnis? Ja, aber...

Wildnis ist wunderbar. Was wir davon besitzen und was sich in unseren Nationalparks zunehmend dazu entwickelt, sollten wir schützen und bewahren. Allerdings gibt es Wildnis in anderen Gebieten dieser Erde besser als bei uns. Das Besondere Mitteleuropas ist unsere Kulturlandschaft. Unter dem jahrhunderte- und jahrtausendelangen Einfluss des Menschen ist ein enormer Reichtum entstanden. Unsere Wiesen, Äcker und Weinberge mit den begleitenden Strukturelementen besaßen bis in die 50er und 60er Jahre eine großartige Artenvielfalt. Diese so weit wie möglich zu erhalten und wiederherzustellen, sollte uns ein dringendes Anliegen sein.
Eine weitere Stärkung des Ökolandbaus und Programme wie "100 Äcker für die Vielfalt" können uns bei diesem Ziel helfen. Ein Problem auf diesem Weg ist sicher die Wiederkehr von Bär und Wolf. Sie zu fördern erscheint mir in einem dicht besiedelten Gebiet wie Deutschland nicht sinnvoll. Dass diese Tiere Schafe und Kälber reißen, ist unstrittig, und ein wichtiger Teil unserer Naturschutzflächen wird durch Beweidung erhalten. Gewiss lässt sich die Gefahr durch diverse Schutzmaßnahmen verringern. Aber so mancher Tierhalter könnte aufgeben, da ihm diese Maßnahmen zu aufwendig sind. Für den Naturschutz wäre das katastrophal.
Dazu noch ein weiterer Aspekt. Bär und Wolf sind auch für den Menschen eine Gefahr. Belege dafür gibt es in der Literatur zur Genüge. Selbst wenn diese Tiere bei uns wieder verbreitet wären, wäre die Gefährdung sicher nur sehr gering. Aber gewiss hätte nicht nur ich Sorge, meine Kinder dort spielen zu lassen, wo auch ein Wolfsrudel oder Bären leben. Wie sollen wir dann unsere Kinder an die Natur heranführen?
Wildnis oder Kulturlandschaft – Sie plädieren für ein "sowohl als auch". Da kann ich nur zustimmen. Allerdings würde ich den Schwerpunkt etwas anders setzen.
Elisabeth Zindler-Frank, Marburg

Sie plädieren für mehr Wildnis. Warum nicht? Das ist sicher sinnvoll z.B. in Wäldern und Flusslandschaften. Das darf aber nicht bedeuten, dass nun allenthalben der Natur freie Entfaltung gewährt wird. Unsere Artenvielfalt verdanken wir besonderen Biotopen, die in aller Regel gegen die Natur entstanden sind: Truppenübungsplätze, warme Hänge, trockene Magerrasen, Brachen, Bergbaufolgelandschaften usw. Wenn wir diese Standorte nicht aktiv offenhalten, können wir uns von vielen Arten verabschieden. Das will ich nicht! (Ich verweise auf das Buch "Artenschutz durch Habitatmanagement" von Werner Kunz.)
Rüdiger Lück, Lychen

Nichts gegen die neuen Big Five, ich freue mich über deren Rückkehr. Allerdings schreiben Sie im Text dazu, dass der BUND in deren Fall für mehr Sachlichkeit plädiert. Hört sich gut an, macht aber einen grundlegenden Fehler. Ob Menschen die Großtiere, besonders Wolf und Bär, begrüßen oder ablehnen, lässt sich nicht über "Sachlichkeit" auflösen. In dieser, wie in vielen grundlegenden Fragen des Naturschutzes, geht es um Werte: darum, was die Existenz einer Tierart den Menschen im Lande bedeutet. Der Naturschutz sucht seine Anliegen immer wieder als sachlich und rational erschließbar darzustellen. Doch wie jemand zum Wolf (und anderen Wildtieren) steht, ist der Ausdruck einer Werteentscheidung. So ist es übrigens auch mit naturbelassenen Gewässern, blühenden Wiesen oder knorrigen Urwaldbäumen. Werte sind ein Ausdruck des Fühlens und Wollens und sollten nicht hinter vermeintlich sachlichen Begründungen versteckt werden. An dieser Stelle täte den Naturschutzverbänden und all ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern mehr Ehrlichkeit gut.
Andreas Klotz, Hamburg

Das Titelthema "Mehr Wildnis" im BUNDmagazin 2/2017 ist wichtig, aktuell und interessant. An der Tatsache, dass das Eintreten für mehr Wildnis Mut erfordert, wie Hubert Weinzierl in einem Artikel zitiert wird, hat sich bis heute allerdings nichts geändert. Nimmt man dem BUND sein Engagement für die Wildnis ab, weil es in seine langjährige Arbeit und Strategie passt sowie und durch langjährigen praktischen Einsatz untermauert wurde, so gibt es bei anderen Akteuren, die sich dieses Themas neuerdings annehmen, große Fragezeichen. Wildnis liegt im Trend, und darin liegt meines Erachtens auch eine Gefahr.
Die Stadt Frankfurt z.B. ruft als Teilnehmerin des bundesweiten Projektes "Wildnis wagen" zwei Kleinstbereiche von wenigen Tausend Quadratmetern ausgerechnet dort aus, wo in der Vergangenheit die größten Umweltschäden im Frankfurter Raum begangen wurden, in der Nidda-Aue und im Stadtwald. Die Nidda wurde, wie viele Flusslandschaften in Deutschland, durch Begradigung und Stauung praktisch kanalisiert, der Auenbereich großflächig bebaut. Im Stadtwald, Restbestand eines mittelalterlichen Bannwaldes, entstand mit dem "Monte Scherbelino" eine der größten Müllkippen Deutschlands. "Wild" ist in diesen Gebieten nicht mehr viel.
Nun könnte man wohlwollend sagen, die Ausrufung dieser Bereiche ist der erste wichtige Schritt einer umweltpolitischen Umkehr. Die Nidda wird an mehreren Stellen renaturiert und auch ein vor Nutzung geschützter Bereich im Stadtwald hätte seine Berechtigung.
Doch die Stadt Frankfurt steht gleichzeitig für eine Politik, die rücksichtslos auf Wachstum und den damit verbundenen Bauboom setzt. In der Diskussion um neue Baugebiete wird von Architekten, Stadtplanern und Politikern immer wieder im öffentlichen Diskurs gefordert, dass das "Tabu" des Landschaftsschutzes fallen muss. Bereits im Grüngürtelstatut geschützte Flächen werden wieder zur Disposition gestellt. Das Problem der Flächenversiegelung spielt in der Landespolitik wie im Stadtplanungsamt nur eine untergeordnete Rolle. Als ein Beispiel von vielen steht die "Grüne Lunge" am nördlichen Rand des Günthersburgparks. Sie soll einem "Innovationsquartier" großteils kaum erschwingliche Wohnungen weichen.
Da wird das Wort "Wildnis wagen" zu einem wertlosen Etikett, mit dem das städtische Handeln gegen Natur und Umwelt nur werbewirksam verbrämt wird. Der Naturschutz muss beim Thema "Mehr Wildnis" in der Wahl seiner Partner darauf achten, dass er sich nicht andere, wesentliche Umweltziele im Tausch für ein wohlfeiles "Mehr Wildnis wagen" abhandeln lässt.
Folkhart Funk, Frankfurt

Als bäuerlicher Landwirt, der alle seine Tiere liebt und pflegt und naturverträglich wirtschaftet, hätte ich einige Anmerkungen zu Ihrem recht romantisierenden Artikel "Unsere neuen Big 5?". Er suggeriert, dass wir Bauern, Schäfer und Kleintierhalter selbst schuld seien, wenn wir unsere Tiere ohne Elektrozaun und Schutzhunde vor allem nachts frei laufen lassen und diese dann von Wölfen gefressen werden. Meist haben diese Tiere einen offenen Stall auf der Weide. Kein Tierhalter ist letztlich so eingerichtet, dass er die schlauen Wölfe abhalten könnte. Auch ein 1 Meter hoher Elektrozaun mit Flatterbändern etc. schützte die Tiere nicht, wenn er nicht auch einen Meter tief in den Boden gesetzt wird: So tief können Wölfe in einer Nacht graben, um ans Ziel zu kommen. Schutzhunde sind sehr teuer und pflegebedürftig, für Wanderer äußert gefährlich und finanziell nicht zu leisten für Kleintierhalter, die meist hobbymäßig ca. 20 Tiere halten. Nach den ersten Wolfsrissen (die Schäfer müssen ihre Tiere noch entsorgen) wird diese Art der Tierhaltung aufgegeben. Bislang offene Weiden wachsen dann zu, der Fremdenverkehr stirbt. All das ist in zwei Schweizer Wolfsgebieten zu beobachten.
Sie können auch von keinem Tierhalter verlangen, dass er seine Tiere auf der Weide nachts bewacht. Wölfe sind wie Füchse sehr anpassungsfähig. Bei Schäden und Ängsten der Leute helfen auch Geld oder ein Wolfsmonitoring nur bedingt. Reißen Wölfe Nutztiere, so sind die übrigen Tiere total verängstigt; kehrt der Wolf dann mehrfach zu der leichten Beute wieder, müssen diese ganz entnommen werden. Für mich ist das ein Tierfrevel.
Günter Ziegler, Rottweil

Für ein verantwortungsvolles Wildtiermanagement

Wir waren entsetzt, im Beitrag über die Regentalaue zu lesen: "Nur wo sie (die Füchse) intensiv (und mühevoll) bejagt werden, haben Wiesenvögel hier ohne Zaun genügend Bruterfolg."
Ad 1) Jägern bereitet es i.d.R. keine "Mühe" Füchse abzuknallen, denn wenn man den Einträgen in sämtlichen Jägerforen und -magazinen Glauben schenkt, dann ist es so ziemlich ihre größte Lust, einen Fuchs abzuknallen und sich am "Rollieren" zu erfreuen (wenn er sich nach dem Abschuss überschlägt). Da frohlockt das Jägerherz, wieder ein Beutekonkurrent weniger.
Solche Zeilen in einem Umwelt- und Naturschutzheft zu lesen ist erschütternd! Ist also – wie hier versucht wird zu suggerieren – hauptsächlich der natürliche Feind  Fuchs schuld, dass Wiesenbrüter Probleme mit dem Bruterfolg haben? Sicherlich nicht!
Anscheinend will man hier die tatsächlichen Ursachen verschweigen und kleinreden, denn es ist ja leichter, Füchse (ohne Lobby) abzuknallen als gegen die Landwirtschaft vorzugehen, oder gegen die Chemiekonzerne, die so gut an den Pestiziden etc. verdienen, oder gegen die mannigfaltigen Hundebesitzer, die unwissend oder gar ignorant ihre Vierbeiner überall streunen lassen, oder gegen die einflussreiche Jagdklientel, die hier und da schon mal gerne was abschießt und wildert.
Ad 2) Jeder kennt die erschreckenden Zahlen der "Streckenlisten": 2015/16 wurden z.B. 15.55% mehr Rebhühner abgeknallt als im Vorjahr – trotz Roter Liste! Auch die Tötungsrate der Feldhasen wurde 2015/16 trotz Roter Liste um 2,5% zum Vorjahr gesteigert. Wir brauchen im 21. Jahrhundert endlich ein verantwortungsvolles, uneigennütziges, fachkompetentes Wildtiermanagement. Wir können uns bei der massiv schrumpfenden Artenvielfalt keine eigennützigen, unqualifizierten Hobbyjäger mehr leisten. Auch der BUND sollte sich dafür starkmachen, dass dieser irrationalen "Jagdlust", endlich ein Ende bereitet wird. Als langjährige Mitglieder sind wir der Meinung, hier – beim Anpacken der tatsächlichen Ursachen – bleibt die Organisation weit hinter ihren Möglichkeiten und dem tatsächlich Notwendigen zurück!
Sonja Adler, Bergisch Gladbach 

Meeresschutz

Jedes Schulkind lernt im Biologie-Unterricht, dass es sich bei "Nährstoffen" um Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße handelt, dass Stickstoff-, Phosphor-, Kaliumverbindungen aber Mineralsalze genannt werden. Vor allem das Nitrat, also ein Mineralsalz, ist eine Ursache für die Eutrophierung der Meere. Ihr Beitrag "Nährstoffe im Meer"  verwendet  die falschen Begriffe. Das tut dem Renommee des BUNDmagazins als ökologischer Zeitschrift nicht gut.
Christoph Stein, per Mail

Es sind zwei Definitionen von "Nährstoffen" gebräuchlich. Die eine (mehr im Zusammenhang mit der menschlichen Ernährung benutzt) beschreibt in der Tat nur Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße. Bei der Pflanzenernährung an Land und in den Gewässern werden aber unter Nährstoffen alle anorganischen und organischen Verbindungen beschrieben, die die Pflanzen als Nahrung aufnehmen, und dazu zählen auch Stickstoff- und Phosphorverbindungen. In einschlägigen Büchern zur Pflanzenphysiologie wie Brennicke/Schopfer heißt es: "Neben den aus der Atmosphäre zur Verfügung stehenden Elementen Kohlenstoff (als CO2) und Sauerstoff (als O2) benötigt der pflanzliche Stoffwechsel mindestens 15 weitere Elemente, die in Form von Wasser (H2O) und den darin gelösten anorganischen Nährstoffen (mineralische Nährsalze) aufgenommen werden müssen." Zu den "mineralischen Nährsalzen" gehört dann das Nitrat. (Anmerkung der Redaktion)

Energie: Potenziale verschwendet?

Ich habe den Eindruck, dass beste Potenziale der Energiewende verschnarcht werden. Zum Beispiel "Windgas", also die Herstellung von Wasserstoff bei Überkapazität von Wind – stattdessen wird oft abgeschaltet: irre, falls es nicht wegen der Rotmilane geschieht. Mit Wasserstoff laufen bald Züge, Autos bietet Japan schon an, Wasserstoffbusse können die Luft in Städten reinhalten. Zum Jubeln – Hassfurt hat begonnen (siehe www.powertogas.info > Pilotprojekte).
Für reine Elektroautos dagegen, trotz noch vorhandenem Braunkohlestrom unkritisch propagiert, werden für Akkus Riesenmengen Kobalt benötigt, das unter höchst ausbeuterischen und krank machenden Bedingungen im Kongo gefördert wird. Zum Heulen!
Auch verschnarcht: die Solarkollektoren. Seit 19 Jahren sparen wir damit Gas und Geld für Warmwasser zu guten Teilen ein. Aber noch immer findet man auf Europas Dächern, sogar im sonnenreichsten Süden, nur ab und an eine solche Anlage. Solarzellen gibt es mehr, weil gefördert und dran verdient wird, oft von sonst gar nicht umweltbewussten Leuten. Da gehört von EU-Seite mal deutlich nachgeholfen. Sonst sollen doch Blitz und Donner reinfahren – die Blitzenergie können vielleicht unsere Urenkel nutzen...
Hilde Marie Hartmann, Saarbrücken

Derzeit sind die Umwandlung von Strom zu Wasserstoff und die anschließende Synthese zu Gas noch mit hohen Verlusten verbunden. Daher ist es, wenn möglich, am effizientesten den Strom direkt zu nutzen, auch weil Strom energetisch gesehen ein wertvoller Energieträger ist. Zu diesem Ergebnis kommen auch Lebenszyklusanalysen, die verschiedene Fahrzeugkonzepte betrachten.
Dennoch können und müssen  natürlich auch andere Lösungswege erforscht werden, wenn wir uns schnellstmöglich zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energie versorgen wollen. Lastmanagement von Industrieprozessen, um den volatilen EE-Strom auszugleichen, oder Wasserstoffinfrastruktur bzw. Power-to-Gas sind denkbare Optionen. Welche davon ökologisch, ökonomisch und sozial am tragfähigsten sein werden, wird derzeit in Projekten untersucht (siehe: www.kopernikus-projekte.de/), an denen auch der BUND beteiligt ist. (Anmerkung der Redaktion)

Im Atlantik gibt es vor Europas Küsten Offshore-Windkraft und daneben Gezeiten- und Wellenkraftwerke zur marinen Energiegewinnung. Weshalb beschränkt sich die deutsche Naturstrompolitik auf Wind- und Solarenergie (beide wetterabhängig) und ein wenig Bioenergie, welche die Agrarindustrie (Raps, Mais etc.) füttert? Geothermie wird auch vernachlässigt. Der BUND sollte eine breitere Naturstrompolitik fordern!
Jürgen Heinrichs, Hamburg-Ottensen 

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