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Wir halten es für unverantwortlich, ein bienengefährliches Pestizid zuzulassen

24. Mai 2019

Silvia Bender, Leiterin Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anlässlich der vom BUND eingereichten Klage gegen ein bienengefährliches Pestizid:

Anmoderationsvorschlag:

Ende Februar hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 18 Pestizide bis Ende des Jahres für den deutschen Markt zugelassen. Und das, obwohl das Umweltbundesamt der Zulassung nicht zugestimmt hatte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat jetzt gegen die Zulassung geklagt. Wir sprechen mit der Abteilungsleiterin Biodiversität beim BUND, Silvia Bender, über diese Klage.

Frau Bender, worum geht es bei der Klage des BUND genau?

O-Ton 1 (Silvia Bender, 36 Sek.): Der BUND hält die Zulassung der 18 Pflanzenschutzmittel für rechtswidrig. Das Zulassungsverfahren für Pestizide in Deutschland setzt voraus, dass auch das Umweltbundesamt sein Einvernehmen erteilt. In diesem Fall hat das Umweltbundesamt dieses Einvernehmen daran gebunden, dass Landwirte, die die Pestizide einsetzen wollen, gleichzeitig Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt ergreifen müssen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat sich über diese Einschränkung hinweggesetzt. Deswegen sind wir der Meinung, dass die Zulassung rechtswidrig ist.

Um welche Pestizide geht es?

O-Ton 2 (Silvia Bender, 17 Sek.): Der BUND klagt gegen ein Insektengift, das den Wirkstoff alpha-Cypermethrin enthält. Alpha-Cypermethrin ist ein Nervengift, das die Insekten über die Körperoberfläche aufnehmen. Es führt zu Krampfanfällen, Lähmungen und schließlich zum Tod.

Warum klagt der BUND speziell gegen dieses Pestizid?

O-Ton 3 (Silvia Bender, 43 Sek.): Zum einen wollen wir mit unserer Klage exemplarisch feststellen lassen, dass das Zulassungsverfahren ohne Einvernehmen des Umweltbundesamtes rechtswidrig ist. Zum anderen ist der Wirkstoff des Pestizids als bienengefährlich eingestuft worden. Anfang Mai hat der Weltbiodiversitätsrat mit seinem Bericht gezeigt, wie katastrophal die Lage der biologischen Vielfalt weltweit, aber auch in Deutschland, ist. Wir halten es vor diesem Hintergrund für unverantwortlich, ein bienengefährliches Pestizid zuzulassen. Stattdessen brauchen wir mehr Maßnahmen zum Insektenschutz in der Agrarlandschaft. Dazu gehört es, dass Landwirte weniger Pestizide einsetzen und dass das Pestizidzulassungsverfahren überarbeitet wird. 

Wie müsste die Pestizidzulassung dem BUND zufolge geregelt werden?

O-Ton 4 (Silvia Bender, 44 Sek.): Im Pestizidzulassungsverfahren müssen ökologische Auswirkungen des Pestizideinsatzes stärker berücksichtigt werden. Für Insekten heißt das, dass nicht nur die tödliche Wirkung angeschaut werden darf, sondern auch Auswirkungen, die nicht direkt zum Tode führen, wie zum Beispiel das Verlieren der Orientierung. Auf europäischer Ebene liegen dazu Vorschläge vor, nämlich die Bienenleitlinie. Allerdings wurde deren Verabschiedung gerade auf Druck der Agrarindustrie und einiger Mitgliedstaaten um mindestens zwei Jahre verschoben. Das ist aus unserer Sicht unverantwortlich. Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie sich für eine schnellere Verabschiedung einsetzt oder alternativ eine Nachbesserung im nationalen Zulassungsverfahren angeht.

Was sind denn mögliche Alternativen zum Einsatz von Pestiziden?

O-Ton 5 (Silvia Bender, 27 Sek.): Zu allererst wäre es wichtig, dass die Landwirtschaft wieder auf breitere Fruchtfolgen setzt. Das heißt, dass man nicht Mais nach Mais nach Mais anbaut, sondern dass man auf derselben Fläche die Kulturart häufiger wechselt. Das würde auch den Druck, Pestizide anzuwenden, deutlich vermindern. Der Öko-Landbau zeigt auf zehn Prozent der Fläche, wie man Landwirtschaft ohne Pestizide betreiben kann. Davon kann die konventionelle Landwirtschaft noch einiges lernen.

Abmoderationsvorschlag:

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Bender.

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