Erfreuliche Entwicklungen beim Luchs: Die im Rahmen des Projektes „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ausgewilderten Luchse lassen sich derzeit besonders gut über Fotofallen nachweisen, wie die Projektpartner Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), WWF und viele weitere Beteiligte anlässlich des internationalen Tags des Artenschutzes am 3. März mitteilen. Ein Grund ist die Paarungszeit der Tiere, die im Februar ihren Höhepunkt erreicht.
Vor allem die männlichen Luchse sind in diesen Wochen verstärkt unterwegs und markieren ihre Reviere. Im südlichen Thüringer Wald konnte der besenderte Luchs Ionel gleich mehrfach dokumentiert werden, etwas entfernt wurde auch der Kuder (männliche Wildkatze) Viorel nachgewiesen. Beide Luchse kamen als Wildfänge aus den rumänischen Karpaten nach Thüringen. Auch die Gehege-Nachzuchten Frieda und Kilian wurden Ende Dezember per Fotofalle nachgewiesen – im mittleren Thüringer Wald westlich von Oberhof. Hinzu kommen Aufnahmen von insgesamt drei Luchsmännchen und einer Luchsin im südlichen Thüringen, die aus Nordbayern zugewandert sind.
Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen: „Durch den Einsatz der Fotofallen können wir die Luchse auch nach Ausfall der Halsbandsender zuverlässig nachweisen. Besonders gut gelingt dies während der Paarungszeit, wenn insbesondere die Kuder weite Strecken zurücklegen. Auf den Ausgang der Paarungszeit sind wir sehr gespannt! Wenn es im Frühjahr Nachwuchs gibt, werden wir diesen mit etwas Glück ab dem Spätsommer ebenfalls mit unseren Fotofallen nachweisen können.“
Auch 2026 weitere Auswilderungen geplant
Max Boxleitner, Projektleiter beim WWF zu weiteren geplanten Auswilderungen: „Auf diese Weise soll das noch kleine Luchsvorkommen im Thüringer Wald auf eine stabile Größe anwachsen. Wo Luchse sind, siedeln sich auch zukünftig Luchse an. Die bereits stattfindenden Zuwanderungen machen dies deutlich und zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, die vielleicht wichtigste Trittsteinpopulation zur Vernetzung der Luchsvorkommen in Deutschland zu schaffen.“
Der Eurasische Luchs gilt in Deutschland laut Roter Liste als vom Aussterben bedroht. Die Zerschneidung seiner Lebensräume durch Straßen, Industriegebiete und Siedlungen stellt heute die größte Bedrohung für die scheuen Katzen dar. Bundesweit leben weniger als 200 erwachsene Tiere in voneinander isolierten Populationen. Umso wichtiger sind Projekte wie „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“, die gezielt zur Wiedervernetzung beitragen. Der Luchs steht damit beispielhaft für angewandten Artenschutz in Deutschland: Nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit, langfristige Projekte und gesellschaftliche Akzeptanz kann die Rückkehr bedrohter Arten gelingen. Der Internationale Tag des Artenschutzes macht deutlich, wie wichtig solche gemeinsamen Anstrengungen für den Erhalt der biologischen Vielfalt sind.
Hintergrund:
„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ setzt sich dafür ein, dass der Luchs langfristig in Thüringen heimisch wird und seine Lebensräume europaweit besser vernetzt werden. Neben Forschung und Monitoring setzt das Projekt auf Aufklärung, Dialog und Umweltbildung – denn nur wenn Menschen den Luchs kennen, verstehen sie seine Bedeutung für stabile Ökosysteme.
„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie der rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt ist Teil des europäischen Luchsexperten-Netzwerks Linking Lynx, das sich dem Erhalt und der Vernetzung der Luchspopulationen Mitteleuropas verschrieben hat. Ziel ist es, durch gezielte Auswilderungen und die Vernetzung bestehender Populationen eine stabile und eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen. Viele der im Thüringer Wald ausgewilderten Luchse stammen aus dem Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).
Das Projekt wird im Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ umgesetzt und vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Freistaats Thüringen sowie aus ENL-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).
Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.
Mehr Informationen:
Kontakt:
- Kerstin Neumann und Christina Eberhardt, BUND Thüringen
Tel. +49 361 5550314; Mobil: +49 176 13338510 oder +49 176 13338564, presse(at)bund-thueringen.de - Dr. Friederike Scholz, Koordination Luchs und Rettungsnetz Wildkatze BUND,
Tel.: +49 30 27586-566; friederike.scholz(at)bund.net
Der Luchs im Bild
Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet zog sich von Frankreich quer durch Europa bis über den Balkan nach Asien.
(Erwin Sparreboom
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Schon im 19. Jahrhundert war der Luchs aus weiten Teilen West- und Mitteleuropas verschwunden und in Rest-Europa nur noch in ausreichend bewaldeten und schwer zugänglichen Gebieten zu finden.
(Jiří Bohdal)
Lucky gehörte zu den ersten drei Luchsen, die 2016 im Pfälzerwald freigelassen wurden. Im Mai 2019 wurde er tragischerweise von einem Auto erfasst und starb.
(Annina Prüssing
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snu.rlp.de)