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Kommentar: Völlig veraltetes Bild von Mobilität – Tempolimit eine Frage der Glaubwürdigkeit

16. Oktober 2019

Zur morgigen namentlichen Abstimmung im Bundestag über ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen erklärt Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte beim BUND:

Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte  (Simone Neumann)

"Die Bundesregierung hat ein völlig veraltetes Bild von Mobilität. Statt den wenigen Hochge­schwindigkeitsfans nach dem Mund zu reden, muss die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger gehört werden: Die will eine sichere und klimafreundliche Mobilität. Repräsentative Umfragen zeigen immer wieder, dass die Mehrheit der Befragten für ein generelles Tempolimit ist, wenn dieses aus Gründen des Klimaschutzes eingeführt wird.

Ohne strukturelle Veränderungen im Verkehrsbereich werden aber weder die Klimaziele erreicht noch wird die notwendige Verkehrswende eingeleitet. Das Tempolimit ist deshalb auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Die Bundesregierung muss eine solche kostengünstige und einfach umzusetzende Klimaschutzmaßnahme sofort ergreifen und darf sich nicht einzig auf Industrieversprechen und teure Förder­programme verlassen. Ein Tempolimit gehört aus unserem Mobilitätsverständnis zwingend dazu.

Einfacher geht Klimaschutz nicht und kostengünstiger auch kaum: Denn die Klimaschutzmaßnahme Tempolimit wäre für die öffentliche Hand und die Bürgerinnen und Bürger kostenneutral. Effekte wie eine Kapazitätserhöhung durch die geringeren Geschwindigkeitsun­ter­schiede und geringere Fahrstrei­fenbreiten hätten positiven Einfluss auf die Straßenbaukosten und würden dadurch sogar die öffentlichen Haushalte entlasten."

Mehr Informationen

  • Hintergrund: Die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen vermindert durch die niedrigeren Geschwindigkeiten unmittelbar den Kraftstoff- bzw. Energieverbrauch der Fahrzeuge, unter anderem da die geringeren Geschwindigkeiten zu einem geringeren Luftwiderstand führen. Mittel- und langfristig wirkt ein generelles Tempolimit in Deutschland darauf hin, dass Fahrzeuge zukünftig anders und vor allem leichter konstruiert und gebaut werden: Bremsen können anders dimensioniert werden. Reifen, Getriebeübersetzungen bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und Elektromotoren bei e-Autos können auf effiziente Fahrweise statt auf hohe Endgeschwindigkeiten ausgelegt werden. Diese Potenziale lassen sich aber nur durch ein generelles Tempolimit ohne zeitliche oder regionale Ausnahmen heben. Berechnungen des Umweltbundesamtes gehen bei einem Tempolimit von 120 km/h von direkten und unmittelbaren Einsparungen von rund drei Millionen Tonnen CO2 jährlich aus, darin sind die mittel- und langfristig realisierbaren Potenziale durch eine andere Gestaltung der Fahrzeuge noch nicht enthalten.
  • Kontakt: Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte, Tel. (030) 2 75 86-467,  Mobil: 01 51 / 56 31 33 02, jens.hilgenberg(at)bund.net
  • BUND-Pressestelle (Sigrid Wolff / Daniel Jahn / Judith Freund / Heye Jensen), Tel. (030) 2 75 86-425 / -531 / -497 / -464, presse(at)bund.net

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