Kommentar: Sie haben ihr Ziel verfehlt: Empfehlungen der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität für Plug-in-Hybride reichen nicht aus

09. Oktober 2020

Anlässlich des heute veröffentlichten Papiers zur Optimierung des elektrischen Nutzungsgrades von Plug-in-Hybriden durch die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität erklärt Ernst-Christoph Stolper, Vertreter des BUND in der Arbeitsgruppe Klimaschutz im Verkehr der NPM:

Ernst-Christoph Stolper, Vertreter des BUND in der Arbeitsgruppe Klimaschutz im Verkehr der NPM  (Jörg Farys / BUND)

"Die Handlungsempfehlungen der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität zur Stärkung der elektrischen Nutzung von Plug-in-Hybriden reichen nicht aus und spielen den Verfechtern des Verbrennungsmotors in der Autoindustrie in die Hände. Plug-in-Hybride werden von den Herstellern genutzt, um vor allem schwere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch Einbau eines zusätzlichen Elektromotors und einer relativ kleinen Batterie auf dem Papier klimafreundlicher erscheinen zu lassen, als sie es im realen Betrieb sind. Statt die Förderung von Plug-in-Hybriden aber an die Bedingung eines Nachweises über den elektrischen Fahranteil zu knüpfen, soll nun ein erneutes Monitoring wieder alles verzögern.

Es bleibt aber keine Zeit mehr, für den Klimaschutz muss jetzt gehandelt werden. Eine Förderung von Plug-in-Hybriden ist bestenfalls noch auf der Grundlage eines Nachweises akzeptabel, dass diese Fahrzeuge mindestens 70 bis 80 Prozent ihrer Kilometerleistung elektrisch gefahren wurden. Ein gutes Kontroll-Instrument hierfür ist die Nutzung der fahrzeugspezifischen Daten, die für alle neu zugelassenen Pkw ab kommendem Jahr über ein 'on-board fuel consumption meter' ohnehin erfasst und an die Europäische Union übermittelt werden müssen.

Kaufprämien sollten künftig an real klimaverträglich gefahrene Kilometer gebunden sein. Wer eine Kaufbeihilfe oder die steuerlichen Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung in Anspruch nehmen will, muss dann bereit sein, den über das Jahr gemittelten Verbrauch und den elektrischen Fahranteil an die zuständigen Behörden zu übermitteln. Jede Nutzerin und jeder Nutzer eines Pkw muss daher das Recht erhalten, selbst über die Verwendung der Daten entscheiden zu können."

Mehr Informationen

  • Im Konjunkturprogramm hatte die Bundesregierung die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) aufgefordert, Handlungsempfehlungen zur Optimierung des elektrischen Nutzungsgrads von Plug-in-Hybriden zu erarbeiten. Diesen Auftrag erfüllt der Bericht nicht. Hintergrund der Aufforderung war die Entscheidung, neben rein elektrischen Fahrzeugen auch Hybrid-Fahrzeuge durch staatliche Kaufbeihilfen zu fördern. Kürzlich hat eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) und Fraunhofer ISI gezeigt, dass die realen Verbrauchswerte solcher Fahrzeuge erheblich von den offiziellen Verbrauchs- und CO2-Angaben abweichen. Bei Dienstwagen – einem beliebten Absatzmarkt für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge – werden aktuell nur 18 Prozent der gefahrenen Kilometer elektrisch zurückgelegt.
  • Kontakt: Ernst-Christoph Stolper, BUND-Vertreter in der AG Klimaschutz der NPM, Mobil: 01 72 / 2 90 37 51, Jens Hilgenberg, BUND-Verkehrsexperte, Tel. (030) 2 75 86-467, Mobil: 01 51 / 56 31 33 02 sowie BUND-Pressestelle (Sigrid Wolff / Daniel Jahn / Judith Freund / Heye Jensen), Tel. (030) 2 75 86-425 / -531 / -497 / -464, presse(at)bund.net

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