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Klimakrise: Wir haben es mit einem Politikversagen der Bundesregierung zu tun

08. August 2018

Ann-Kathrin Schneider, BUND-Klimaexpertin, über die aktuelle Hitzewelle und den Zusammenhang mit der Klimakrise:

Anmoderationsvorschlag:

Die Hitze erreicht in diesen Tagen weiter Rekordwerte – gleichzeitig häufen sich die Meldungen wegen Ernte-Einbußen, Waldbränden und Fischsterben. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat deshalb einen Klima-Nothilfeplan entworfen. Darin werden Maßnahmen gefordert, die die Bundesregierung sofort ergreifen kann, um die Auswirkungen der Klimakrise zu begrenzen. Darüber sprechen wir mit der BUND-Expertin Ann-Kathrin Schneider.

Frau Schneider, ist die aktuelle Hitzewelle schon der Klimawandel?

O-Ton 1 (Ann-Kathrin Schneider, 39 Sek.): Die Hitze und die Dürre, die wir jetzt gerade hier in Deutschland erleben, sind Folgen des Klimawandels. Die letzten drei Jahre – 2015, 2016 und 2017 – waren die wärmsten Jahre, die je gemessen worden sind und wir müssen davon ausgehen, dass auch dieses Jahr mit diesem heißen Sommer wieder das wärmste Jahr wird, das je gemessen worden ist. Klimawissenschaftler haben gesagt, dass sich die extremen Wetterereignisse wie Hitze und Dürren in Zeiten des Klimawandels viel öfter wiederholen werden als wenn es keinen Klimawandel gibt. Von daher müssen wir von einem Klimawandelfolgen-Sommer ausgehen.

Was genau ist denn der Unterschied zu anderen heißen Sommern?

O-Ton 2 (Ann-Kathrin Schneider, 49 Sek.): Das Besondere an diesem Sommer ist, dass er sehr früh begonnen hat, also schon im April dieses Jahr hatten wir in Pakistan Temperaturen von 50 Grad. Die wurden noch nie auf der Welt in einem April gemessen, die 50 Grad. Auch in skandinavischen Ländern hat der Sommer sehr früh begonnen. Dort wurden 30 Grad gemessen, schon im Mai. Also wir haben es mit einem sehr langen Sommer zu tun und wir haben es nicht nur mit der Hitze zu tun, sondern auch mit der Dürre. Es hat insgesamt diesen Sommer auf der Nordhalbkugel sehr wenig geregnet. In Litauen hat es zum Beispiel seit April gar nicht mehr geregnet und auch in anderen europäischen Ländern, wie auch jetzt hier bei uns in Nord- oder Ostdeutschland hat es sehr wenig geregnet. Das Besondere ist also, dass der Sommer sehr lang ist und die Hitze mit einer Dürre gekoppelt ist.

Wer ist von der extremen Hitze am meisten betroffen?

O-Ton 3 (Ann-Kathrin Schneider, 39 Sek.): Also wir alle sind von dieser extremen Hitze betroffen. Es fällt uns schwerer zu arbeiten, wenn es so heiß ist, es ist schwieriger zu schlafen, wenn es so heiß ist. Aber Menschen mit gesundheitlichen Problemen, ältere Menschen oder auch Kinder sind besonders stark von dieser Hitze betroffen. Es werden mehr Menschen in Krankenhäuser eingeliefert, wenn es so heiß ist. Und der letzte vergleichbar heiße Sommer, den wir Europa hatten – 2003 – da gab es 70.000 Tote aufgrund der Hitze.

Und die Natur?

O-Ton 4 (Ann-Kathrin Schneider, 37 Sek.): Besonders stark betroffen sind die Flüsse und die Wälder. Wir hatten die ersten Waldbrände in Europa. In Deutschland hatten wir auch schon Waldbrände in diesem Sommer. Besonders stark gebrannt hat es jedoch in Skandinavien, in Schweden. Jedoch auch in Griechenland und in Portugal gab es schlimme, starke Waldbrände dieses Jahr. Neben den Wäldern sind auch die Flüsse betroffen. Wir können in Deutschland jetzt ein Fischsterben beobachten. Tonnenweise tote Fische werden aus dem Rhein, der Elbe und der Alster gefischt. Die Flüsse werden einfach zu warm, haben nicht mehr genug Sauerstoff und daran sterben die Fische.

Was tut eigentlich die Bundesregierung in dieser Situation?

O-Ton 5 (Ann-Kathrin Schneider, 33 Sek.): Die Bundesregierung tut zu wenig, wir haben es hier mit einem Politikversagen zu tun. In allen gesellschaftlichen Bereichen reden die Menschen darüber, wie die Hitze ihr Leben beeinträchtigt, ihr Wirtschaften beeinträchtigt, ihre Arbeit beeinträchtigt und von der Bundesregierung hören wir nichts zu dem Thema. Das einzige, das wir hören ist, dass das Landwirtschaftsministerium plant, unter Umständen Dürrehilfen an die bäuerlichen Betriebe zu geben, die am stärksten von der Hitze und der Dürre betroffen sind. Aber insgesamt haben wir es hier mit einem Politikversagen der Bundesregierung zu tun.  

Was könnte die Bundesregierung denn tun?

O-Ton 6 (Ann-Kathrin Schneider, 57 Sek.): Die Bundesregierung könnte sehr viel tun um den Klimawandel zu begrenzen. Leider hat sie in den letzten zehn Jahren viel zu wenig getan. Die klimaschädlichen Emissionen in Deutschland sind in den letzten neun Jahren gleichgeblieben, sind also gar nicht gesunken. Im Bereich Verkehr sind sie sogar noch angestiegen. Also wir müssen im Bereich Verkehr zum Beispiel die Emissionen senken, mit einem generellen Tempolimit, mit einer hohen Besteuerung von spritschluckenden Autos. Im Bereich Energie muss die Bundesregierung sehr schnell jetzt die dreckigsten und ältesten Kohlekraftwerke vom Netz nehmen. Und im Bereich Landwirtschaft müssen wir runterkommen von der intensiven Tierhaltung. Wir halten zu viele Tiere. Wenn man zu viele Tiere hält in der Landwirtschaft gibt es Methan-Emissionen und die sind klimaschädlich. Also auch in der Landwirtschaft kann ein Umbau in der landwirtschaftlichen Produktion zum Klimaschutz in Deutschland beitragen.

Abmoderationsvorschlag:

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schneider. Wer mehr über den Klima-Nothilfeplan des BUND erfahren möchte, findet Informationen dazu unter www.bund.net/hitzepapier.

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