Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) übergibt am heutigen Freitag, den 11. September 2026, eine erfolgreiche europaweite Petition mit über 89.000 Unterschriften für ein grundsätzliches Verbot von Öl- und Gasförderung in der Ostsee an das Ministerium für Umwelt, Klimaschutz und Naturschutz in Berlin. Anlass ist der "Aktionsplan Meer", den das BMUKN aktuell erarbeitet.
Hintergrund der Petition sind konkrete Pläne des kanadischen Öl- und Gasunternehmens Central European Petroleum Ltd. (CEP) für die Förderung von mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmetern Gas in der Pommerschen Bucht der Ostsee vor Usedom und Wollin/Polen. Die Förderung von Öl- und Gasvorkommen unter dem Meeresboden ist mit hohen Risiken und unmittelbaren Wirkungen auf die sensible Meeresumwelt, insbesondere für die Flachwasserzonen der Ostsee, verbunden. Die Pläne gefährden tausende Seevögel, Schweinswale und Kegelrobben in der Pommerschen Bucht durch verunreinigtes Bohrwasser, Rammungen, Explosionen und Leckagen.
„Die Lebewesen in der Ostsee leiden schon lange unter dem schlechten Zustand des Meeres und den mangelhaften Maßnahmen der Politik gegen Überdüngung, Überfischung, Müll und Unterwasserlärm. Eine zusätzliche Belastung durch Öl- und Gasförderung dürfen wir ihnen nicht zumuten“, so Lena Hohls, Sprecherin BUND-Bundesarbeitskreis Meer und Küste.
Auch die in der Tourismusregion lebenden und urlaubenden Menschen wären von den negativen Folgen einer Öl- und Gasförderung in der Ostsee betroffen.
Die Petition richtet sich an die zuständigen Ministerien in Deutschland und Polen, an den Europäischen Petitionsausschuss und an die Helsinki-Kommission und wird gemeinsam von BUND, der Coalition Clean Baltic und der Bürgerinitiative „Lebensraum Vorpommern“ getragen. Der BUND fordert von der deutschen Regierung, auf europäischer Ebene voranzugehen und ein grundsätzliches Verbot der Öl- und Gasförderung in der Ostsee voranzutreiben. Eine klare Absage von fossilen Plänen sendet außerdem ein bedeutendes Signal für den Klimaschutz und vereinbarte Klimaziele.
„Deutschland muss beim Ostseeschutz vorangehen! Der Aktionsplan Meer, den das BMUKN gerade erarbeitet, muss grundlegende Bedrohungen ausschließen. Die Bundesregierung hat den Schutz der Ostsee explizit im Koalitionsvertrag vereinbart. Der Aktionsplan Meer ist eine gute Gelegenheit, um konsequenten Meeresschutz für die Ostsee verbindlich zu verankern“, fordert Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin BUND Mecklenburg-Vorpommern.
Hintergrund:
Das kanadische Öl- und Gasunternehmen Central European Petroleum Ltd. (CEP) hat 2025 mit der Bohrung „Wolin East 1“ wenige Kilometer vor der Küste von Usedom nach Erdöl und Erdgas gesucht. Das Unternehmen rechnet mit mehr als 33 Millionen Tonnen Öl sowie rund 27 Milliarden Kubikmetern Gas im gesamten Konzessionsgebiet. Die Konzession, also die Lizenz zur Erkundung und Förderung, läuft bis zum 1. Dezember 2027. Eine tatsächliche Förderung ist damit jedoch noch nicht genehmigt. Dafür muss eine umfassende Umweltprüfung erfolgen, die bisher fehlt. Dennoch steht zu befürchten, dass 2027 begonnen werden soll, um die Konzession nicht auslaufen zu lassen.
Die Pommersche Bucht mit der Oderbank ist ein NATURA 2000 Gebiet der Europäischen Union, in dem ein Verbot der Verschlechterung gilt. Die Erkundung und Förderung von Erdgas- und Erdölvorkommen belastet den Lebensraum von Schweinswalen, Seevögeln und Fischen wie Hering oder Ostseeschnäpel durch Lärm, Trübungen, Rammungen, Leckagen, Havarien und die bei der Förderung eingesetzten chemischen Stoffe. Bei den Bohrprozessen für die Ölförderung im Meer werden Chemikalien für den Bohrprozess eingesetzt. Mit Öl- und Chemikalienresten vermischtes Produktionswasser gelangt an die Meeresoberfläche. In die Öl- und Gasvorkommen werden zur Förderung Meerwasser und chemische Lösungsmittel gepresst. Selbst kleine Störfälle sind in der flachen und austauscharmen Ostsee schwerwiegend. Explosionen mit Blow-Outs von Erdöl stellen eine permanente Gefahr dar.
Die Vorhaben in der Pommerschen Bucht verstoßen gegen europäisches Umweltrecht. Betroffen sind die Meeresstrategierahmenrichtlinie, die Vogelschutzrichtlinie, die FFH-Richtlinie und die gemeinschaftlichen Ziele der HELCOM-Ostseeanrainerstaaten im Baltic Sea Action Plan (BSPA).
Neue Gas- oder Ölförderungen sind ein Risiko für das gesamte Meer und stehen den Klimaschutzzielen komplett entgegen. Die Internationale Energieagentur warnte schon 2021, dass keine neuen Vorkommen mehr erschlossen werden dürften, wenn die globalen Klimaziele erreicht werden sollen. Neuere Studien haben das klar bestätigt: Bereits heute verfügbare Förderung von fossilen Brennstoffen – Öl und Gas – sprengt die 1,5-Grad-Grenze. Diese neue Förderung von Erdöl und –gas in der ökologisch sensiblen Ostsee darf das gemeinsame EU-Klimaziel nicht gefährden. Polen droht sich mit der Förderung in neue fossile Abhängigkeiten zu begeben – mit hohem finanziellem und klimatischem Risiko.
Mehr Informationen:
- Petitions-Website: https://www.bund-mecklenburg-vorpommern.de/petition-keine-oel-und-gasfoerderung-in-der-ostsee/
- Weitere Informationen zur Öl- und Gasförderung in der Nordsee
Kontakt:
- Dr. Bettina Taylor, Meeresschutzbüro BUND, E-Mail: bettina.taylor(at)bund.net; Corinna Cwielag, BUND Mecklenburg-Vorpommern, E-Mail: corinna.cwielag(at)bund-mv.de, Mobil: 0178 5654700
- BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak
Tel.: +49 30 27586-497 | -531 | -464 | -425
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