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#bundBDV19: BUND gut aufgestellt – Politik verschläft die Zeichen der Zeit

08. November 2019 | BUND, Klimawandel, Kohle, Landwirtschaft, Wälder

Nürnberg. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verabschiedet heute seinen langjährigen Vorsitzenden Hubert Weiger. Nach zwölf Jahren an der Verbandsspitze stellt sich der 72-jährige Weiger bei der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung in Nürnberg nicht erneut zur Wahl. Die 148 stimmberechtigten Delegierten wählen am morgigen Samstag einen neuen Bundesvorstand.

BUND-Bundesgeschäftsführer Politik und Kommunikation Olaf Bandt dankte Hubert Weiger bereits im Vorfeld der offiziellen Verabschiedung am späten Freitagabend für dessen große Verdienste: "Als BUND-Gründungsmitglied und Urgestein der Umweltbewegung ist Hubert Weiger seit Jahrzehnten ein herausragender Anwalt für Natur und Umwelt. Er vereint ein untrügliches Gespür für das Zusammenwirken des vor Ort gelebten Umwelt- und Naturschutzes mit dessen politischer und historischer Dimension.

Für beides steht das geschichtsträchtige Naturmonument Grünes Band – ein Herzensprojekt Hubert Weigers, sowohl in Deutschland als auch europaweit. Hier zeigt sich: Naturschutz verbindet. Gerade in diesen politischen Zeiten, mit ihren großen Fliehkräften, ist ein solch verbindendes Element ein unschätzbarer Wert." Auch betont Bandt mit Blick auf die aktuellen klimapolitischen Debatten: "Hubert Weiger ist ein beharrlicher Streiter, der nie müde wurde, für die Rettung des Hambacher Waldes, das Ende der Kohleverstromung und für das 1,5-Grad-Ziel von Paris zu kämpfen. Auch dafür sagen wir an einen solchen Tag Danke."

Hubert Weiger zog in seiner politischen Abschiedsrede auf der Delegiertenversammlung eine positive Bilanz für den BUND: Der Verband sei gut gerüstet, gefragter Ansprechpartner sowohl der Politik als auch der Öffentlichkeit und erfreue sich eines regen Zulaufs an Mitgliedern. "Schaue ich auf den BUND, auf seine Verfasstheit, dann wird mir nicht bang. Wir sind gut aufgestellt", so der BUND-Vorsitzende, der 2007 mit dem Vorsatz antrat, den Verband umwelt- und naturschutzpolitisch stärker sichtbar zu machen. "Sei es die Verkehrswende, Agrarwende und Energiewende: Als Fachverband haben wir in diesen Debatten stets Antworten auf die zentralen Fragen der Zeit gegeben, den Finger in die Wunde gelegt und uns für einen Kurswechsel eingesetzt. Der Erfolg, den wir gerade in den letzten Jahren in puncto Mitgliedergewinnung verzeichnen, gibt uns darin recht", so Weiger. 

Die Politik dagegen wecke ernüchternde Gefühle, so der scheidende Vorsitzende: "Trotz des auch von uns anerkannten Einsatzes des Umweltministeriums ist Umwelt- und Naturschutz in Deutschland allzu häufig das fünfte Rad am Wagen. Andere Ressorts wie das Verkehrsministerium ignorieren häufig die Ziele des Natur- und Umweltschutzes und verhindern damit einen wirkungsvollen Vollzug der Gesetze." In wichtigen Bereichen gehe es politisch, wenn überhaupt, nur schleppend voran. "Wohl wissend, dass im politischen Geschäft dicke Bretter gebohrt werden müssen, ist es doch enttäuschend wie die Beharrungskräfte in der Großen Koalition jegliche Wende hin zu wirksamen Umwelt- und Naturschutz behindern", so Weiger. "Die Politik ist weit davon entfernt die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um die Zwillingskrise unserer Zeit zu bewältigen. Zu wenig traut sich die Regierung zu, um den Artenverlust und die Klimakrise effektiv zu bekämpfen. Bislang agiert die Politik zu zögerlich, als ob wir noch alle Zeit der Welt hätten. Dem ist nicht so. Jetzt, schnell und umfangreich handeln, statt zaghaft, ängstlich und zukunftsvergessen, wäre das Gebot der Stunde."

Als positiv während seiner Amtszeit wertete der studierte Forstwirt den endgültigen Atomausstieg und den Einstieg in den Kohle-Ausstieg. Hingegen sei der Zustand des Waldes alarmierend. "Dem deutschen Wald geht es schlecht. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner muss dem notwendigen Umbau des Waldes unbürokratisch den Weg ebnen", fordert Weiger. Und mit Blick auf die Agrarpolitik fügt er an: "Auch die gemeinsame Europäische Agrarpolitik muss sich ändern. Mit einem Weiter so der Förderpolitik wird die Agroindustrie gestärkt, die maßgeblich mit zum Artensterben und zum Klimawandel beiträgt. Stattdessen müssen bäuerliche Strukturen gestärkt werden und es braucht mehr Geld für öffentliche Leistungen, wie Blühflachen und Hecken, artgerechte Tierhaltung oder den Gewässerschutz."

Zum Ende dankt der BUND-Vorsitzende den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen Ehrenamtlichen im Verband. Weiger abschließend: "Ohne das Engagement der vielen Menschen im und für den BUND stünde es um den Naturschutz und den Umweltschutz in Deutschland schlechter. Dafür und für all die Unterstützung, die ich erfahren habe, bedanke ich mich. Und ich hoffe, dass der Rückenwind der neuen, erstarkten Umweltbewegung auch die Politik beflügelt. Wir haben nur diesen einen Planeten. Ihn müssen wir schützen und erhalten. Dafür werde ich mich auch weiterhin an anderer Stelle einsetzen."

Mehr Informationen

  • Lebenslauf von Hubert Weiger
  • Kontakt: Sigrid Wolff, BUND-Pressesprecherin, Mobil: 01 62 / 9 61 19 46
  • BUND-Pressestelle (Sigrid Wolff / Daniel Jahn / Judith Freund / Heye Jensen), Tel. (030) 2 75 86-425/-531/-497/-464, presse(at)bund.net

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