Ändern sich die Hersteller nicht, muss die Politik handeln

17. Oktober 2016 | Rolf Buschmann, www.xing.com/news/klartext

Wir sind von Plastik umgeben. Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten machen Plastik für uns so praktisch. Doch genauso lang wie die Einsatzliste ist auch die Liste der Probleme, die sie mit sich bringen.

Rolf Buschmann Rolf Buschmann, BUND-Experte für Ressourcenschutz  (Sebastian Hennigs)

Schauen Sie sich um, Sie sind von Plastik umgeben. Kugelschreiber, Handy, Kaffeemaschine oder die Einkaufstüte im Supermarkt – die Liste der Einsatzmöglichkeiten von Plastik ist lang. Kunststoffe sind sehr vielseitig und darüber hinaus schnell und günstig zu verarbeiten, das macht sie für uns so praktisch. Doch genauso lang wie die Einsatzliste ist auch die Liste der Probleme, die sie mit sich bringen: Plastik ist langlebig – bis es sich zersetzt können manchmal Hunderte Jahre vergehen. Der Dämmstoff Styropor beispielsweise kann wegen der Verwendung eines giftigen Flammschutzmittels nicht mehr einfach verwertet werden. Er ist ein Fall für die Sondermüllverbrennung.

Schadstoffe wie Weichmacher findet man sogar in Fischen

Andere Kunststoffprodukte sammeln sich in der Umwelt an. Die Meere sind bereits plastikverseucht. Im Nordpazifik wächst ein Plastikstrudel seit 60 Jahren immer weiter an. Heute wird er auf die doppelte Größe von Texas geschätzt. Ein weiterer Punkt sind die enthaltenen Schadstoffe: Weichmacher, die unter anderem in PVC-Belägen zu finden sind, kann man inzwischen sogar in Fischen nachweisen. Sie entstammen Plastikmüll, den wir wegwerfen. Nicht nur wir nehmen diese Schadstoffe auf, sondern auch die Umwelt.

Derzeit werden nur 48 Prozent der Kunststoffmaterialien werkstofflich recycelt. Der Rest wird verbrannt und geht verloren. Das ist nicht nachhaltig. Produkte müssen heute von vornherein anders gedacht werden. Sie müssen auf Langlebigkeit konzipiert werden und wiederverwertbar sein. Ein ausgedientes Produkt muss also zu einem gewissen Teil für die Herstellung eines neuen Produkts wiederverwendet werden können, nur so kann ein nachhaltiger und ressourcenschonender Kreislauf aufgebaut werden. Langfristig gesehen, muss diese Kreislaufwirtschaft vor allem dazu führen, dass wir weniger verbrauchen. Doch erst, wenn die Hersteller dazu verpflichtet werden, von Anfang an auf diese Weise zu produzieren, ist dies auch realisierbar.

Ein Eingreifen der Politik ist notwendig, kann aber Jahre dauern

Die Hersteller müssen bereit sein, sich und ihre Art der Herstellung zu hinterfragen. Viele zeigen uns, dem BUND, gegenüber bereits Bereitschaft, doch nur solange auch die ökonomische Seite stimmt. Ein bekannter Softgetränkehersteller geht derzeit den Weg zurück von der Mehrweg- zur Einwegflasche. Das ist nicht nur ressourcenverschwendend, sondern es gehen nachweislich auch Arbeitsplätze verloren. Es ist besser, eine Flasche 40-mal zu nutzen, bis aus ihr ein Microfleece-Pullover wird.

Wenn Hersteller das nicht von allein erkennen, muss die Politik eingreifen. Wir brauchen ohnehin einheitliche Vorgaben, die für jeden Hersteller greifen. Im Rahmen des Verpackungsgesetzes hätte man beispielsweise die Getränkeindustrie zum Pfand verpflichten können. Es wurde zwar viel darüber diskutiert, doch von niemandem auch eingefordert. Derzeit beträgt der Anteil von Mehrwegflaschen noch 40 Prozent. Wenn nun ein großer Softgetränkehersteller seine Strategie ändert, folgen vielleicht auch andere. Die Politik hat die Möglichkeit hier gegenzusteuern – ob mit Lenkungsabgaben oder einheitlichen Standards für die Verpackung. Es wird jedoch Jahre dauern, bis dieses Ziel erreicht ist. Aber auch wenn wir bis dahin nur kleine Schritte machen, so muss es doch weiter vorwärtsgehen– in Richtung Nachhaltigkeit.

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