Jahr für Jahr wächst die Zahl der Menschen, die sich für Bio-Lebensmittel entscheiden. Eine Vielzahl von bunten Siegeln und mehrdeutigen Begriffen erschweren es Verbraucher*innen jedoch, den Überblick zu behalten.
Das staatliche Bio-Siegel
Seit 2001 gibt es ein staatliches Bio-Siegel. Das sechseckige Zeichen mit dem Schriftzug "Bio" steht für die Kriterien der EG-Öko-Verordnung. Das Siegel definiert Mindestkriterien und ist vertrauenswürdig. Es ist etwas bekannter, als das europäische Logo, dass erst 2010 eingeführt wurde und verpflichtend ist. Oft sind daher beide Bio-Siegel auf Produkten zu finden. Die europäische Kennzeichnungen erkennen Sie an einem weißen Blatt aus Sternen auf grünen Hintergrund.
Die Bio-Siegel der Anbauverbände
Die deutschen Bioverbände haben eigene Kriterien entwickelt. Ihre Vorgaben gehen zum Beispiel bei der Tierhaltung oft deutlich über die Standards des EU-Bio-Siegels hinaus:
- Die Anbauverbände verlangen unter anderem, dass der Betrieb komplett ökologisch arbeitet. Einzelne Betriebszweige können nicht ausgenommen werden.
- Die Bioverbände in Deutschland erlauben wesentlich weniger Tiere je Hektar als das EU-Siegel.
- Bei den Anbauverbänden dürfen konventionelle Futtermittel gar nicht oder nur in einem sehr begrenzen Rahmen zugefüttert werden. Die EU-Verordnung erlaubt hier größere Anteile.
Aufgrund der strengeren Kriterien empfiehlt der BUND, die Bio-Produkte der Anbauverbände.
Vertrauenswürdige Lebensmittel-Kennzeichnungen
Fragen zu Labeln aus dem Supermarkt
Was bedeutet "Bio" und "Öko"?
Die Begriffe "Bio" und "Öko" sind seit 1993 gesetzlich geschützt. Wer mit ihnen wirbt, muss die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung erfüllen.
Diese schreibt unter anderem vor:
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel
- tiergerechte Haltung z.B. durch Zugang zu Tageslicht und Außenflächen
- Verbot von Gentechnik
- geringere Verwendung von Zusatzstoffen.
- Zutatenzusammensetzung zu 95 Prozent aus Öko-Betrieben
Lebensmittel, die diese Kriterien erfüllen, sind leicht an dem europaweit einheitlichen Bio-Logo oder dem deutschen Bio-Siegel zu erkennen, das dem EU-Siegel gleichgestellt ist. Fehlen diese Bio-Siegel, kann es sich um Etikettenschwindel handeln.
Wie sieht es mit anderen Bio-Kennzeichnungen aus?
Naturland, Bioland oder Demeter sind bekannte Anbauverbände, die für gesunde Lebensmittel stehen. Sie haben sich selbst verpflichtet, die Richtlinien der EG-Öko-Verordnung zu erfüllen und werden ebenfalls regelmäßig kontrolliert.
Als Bio-Anbauverbände haben sie sich zum Teil sogar deutlich strengere Auflagen als das EU-Recht gesetzt – beispielsweise bei der Tierhaltung. Deshalb sind die Produkte der Bio-Anbauverbände empfehlenswert.
"Kontrollierter Anbau" – ist das Bio?
Lebensmittel aus "kontrolliertem Anbau": Das klingt gut und beruhigt das Gewissen. Auch "naturnah" oder "integrierter Pflanzenanbau" sind ähnliche Bezeichnungen, die zum Kaufen animieren sollen, jedoch keinerlei ökologischen Nutzen haben.
Diese Begriffe darf jeder verwenden, sie unterliegen keinen gesetzlichen Festlegungen. Eine unabhängige Kontrolle ist bei solchen Bezeichnungen nicht vorgeschrieben. Deshalb: Finger weg!
Wie sieht es mit der Bezeichnung "Regionaler Anbau" aus?
Das blau-weiße "Regionalfenster" soll Auskunft darüber geben, wo das Produkt herkommt bzw. wo es verarbeitet wurde und welche regionalen Zutaten es enthält. Problematisch ist jedoch, dass die Produkte in sehr große Gebiete wie beispielsweise „Norddeutschland" als "Region" klassifiziert werden.
Bei zusammengesetzten Produkten darf das Produkt bereits ab einem Gewichtsanteil von 51 Prozent entsprechend gekennzeichnet werden. Bis zu 49 Prozent dürfen also aus anderen Regionen kommen. Die Produkte werden außerdem bundesweit vermarktet, Verbraucher*innen müssen also genau nach der Region schauen. Die Kennzeichnung ist freiwillig.
Deshalb ist das Logo, für Menschen, die regional einkaufen wollen, nicht empfehlenswert. Wer wirklich regionale Erzeugnisse kaufen will, sollte die heimischen Wochenmärkte aufsuchen oder auf genauere Ortsbezeichnungen achten.
Ist das Fischerei-Siegel MSC nachhaltig?
1997 gründete sich der Marine Stewardship Council, kurz MSC, um die dramatische Überfischung der Meere einzudämmen. Der MSC hat ein Siegel entwickelt, das Fisch aus nachhaltiger Fischerei anzeigen soll. Wer das Siegel verwenden möchte, muss drei Grundsätze einhalten:
- Schutz der Fischbestände,
- die Fangmethoden dürfen das Ökosystem nur gering belasten und
- die Fischereien respektieren internationale Vereinbarungen zum Fischfang.
Das MSC-Siegel gilt fünf Jahre, wobei jährliche Kontrollen stattfinden.
An sich ist das MSC-Siegel vertrauenswürdig. Jedoch ist fraglich, ob es die Überfischung der Meere tatsächlich verhindern kann. Aus Sicht des BUND ist das Label deshalb nur bedingt empfehlenswert. Wir raten generell, weniger Meeresfisch zu essen. Mehr zur Meeresfischerei finden Sie hier.
Gentechnik – ja oder nein?
Verbraucher*innen, die keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf dem Teller haben wollen, haben es nicht leicht. Denn leider schreibt das Europäische Recht zwar grundsätzlich eine Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln vor, doch gibt es einige Ausnahmen für die Tierhaltung.
Diese Lücken in der Kennzeichnungspflicht schließt das deutsche "Ohne Gentechnik"-Siegel. Lebensmittelhersteller können freiwillig ihre Produkte mit diesem Hinweis versehen. Es bedeutet, dass Tiere den größten Teil ihres Lebens keine Gentech-Pflanzen im Trog hatten.
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