Was ist Hochwasser?
Hochwasser ist eine zeitlich begrenzte Überschwemmung von sonst trockenem Land. Es wird verursacht durch oberirdische Gewässer, in Küstengebiete eindringendes Meerwasser, nicht abfließenden Starkregen sowie den Anstieg von Grundwasser.
Definition von Hochwasser, Überflutungen und Überschwemmungen
Bei pluvialem Hochwasser entstehen Überflutungen durch Starkregen. Bei fluvialem Hochwasser überschwemmen Flüsse das Land, indem sie über die Ufer treten, ausgelöst durch starke, anhaltende Niederschläge oder Schneeschmelze.
(BUND / STOCKMAR + WALTER)
Ein Hochwasser beschreibt einen deutlich erhöhten Wasserstand, meist bezogen auf einen Fluss. Man unterscheidet nach Ursache:
- Fluviales Hochwasser: ausgelöst durch Schneeschmelze, ergiebige Niederschläge oder Sturmfluten an der Küste
- Pluviales Hochwasser: ausgelöst durch Starkregen, unabhängig von einem Fluss
Eine Überschwemmung ist der natürliche Zustand, bei dem Wasser Flächen bedeckt, die üblicherweise trocken sind. Sie ist typischerweise die Folge eines fluvialen Hochwassers, wenn ein Fluss über die Ufer tritt und angrenzende Flächen wie Auen oder Feuchtgebiete überflutet werden. Wichtig: Natürlichen Überschwemmungsflächen erfüllen eine Schutzfunktion – sie nehmen Wasser auf und verringern dadurch die Hochwassergefahr für Siedlungen, Industrie und Infrastruktur.
Eine Überflutung beschreibt meist eine ungewollte Wasseransammlung in bebautem Gebiet, meist ausgelöst durch pluviales Hochwasser (Starkregen). Das Wasser sammelt sich schnell und überfordert Kanalisation und Entwässerungssysteme, sodass es zu Wasserschäden in Straßen und Gebäuden kommt.
Hochwasser in Deutschland – Ein Überblick
Ein Rückblick auf vergangene Hochwasserkatastrophen in Deutschland zeigt, wie wichtig die Fähigkeit von Landschaften ist, Wasser zurückzuhalten.
- In Süddeutschland gab es im Juni 2024 sechs Tote und über vier Milliarden Euro Schaden.
- Die Flut im Ahrtal und an der Erft im Juli 2021 forderte 180 Menschenleben und hinterließ langfristige Verwüstungen.
- Im Mai und Juni 2016 starben sieben Menschen durch lokale Sturzfluten und Starkregen im Landkreis Rottal-Inn, der am stärksten betroffen war. Das Hochwasser ist allgemein bekannt unter der Sturzflut von Simbach und verursachte in Bayern Schäden von geschätzten 1,25 Milliarden Euro.
- Das Hochwasser an Elbe und Donau in 2002 verursachte 11,6 Milliarden Euro Schaden und 45 Tote in Tschechien, Österreich und Deutschland, davon 21 in Sachsen. Weitere schwere Überflutungen an der Elbe folgten 2006, 2011 und 2013.
- 2013 sorgte Orkan „Xavier“ in Norddeutschland für schwere Sturmfluten. In Hamburg gab es die zweithöchste Sturmflut in der Geschichte der Stadt – mit bis zu 6,09 Meter über Normalnull lag der Pegel rund vier Meter über dem mittleren Hochwasser.
- Das Oderhochwasser im Jahre 1997 war die bisher größte bekannte Flut der Oder. Die Schäden beliefen sich auf über 4 Milliarden Euro. Insbesondere in den Nachbarländern Tschechien und Polen war die Flut verheerend und forderte dort 74 Todesopfer. „Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen“, sagte Bundeskanzler Helmut Kohl damals.
Eine verheerende Katastrophe: Hochwasser im Ahrtal 2021
(Christoph Hardt/Geisler-Fotopress
/
picture alliance)
Wie entsteht Hochwasser?
Vereinfacht gesagt, ist bei einem Hochwasser mehr Wasser vorhanden, als normalerweise da ist. Das Wasser kann nicht schnell genug abfließen oder versickern. Es sammelt sich.
Das kann verschiedene Gründe haben – oft spielen Veränderungen durch menschliche Eingriffe eine große Rolle: Wo ein Fluss Raum hat, ergießt sich das Wasser in die Breite (Breitwasser). Zwischen Deichen „wächst“ es in die Höhe und fließt mit viel höherer Geschwindigkeit.
Arten von Hochwasser
- Binnenhochwasser: Überschwemmung durch Flüsse oder Bäche
- Küstenhochwasser: Überschwemmung an Küsten und Flüssen, meist ausgelöst durch eine Kombination von Stürmen und Flut
- Fluviales Hochwasser (Flusshochwasser): Überschwemmung durch Flüsse, die über die Ufer treten, zum Beispiel durch starke, langanhaltende Niederschläge im Einzugsgebiet oder Schneeschmelze
- Pluviales Hochwasser: Überflutung durch Starkregen
- Sturzflut: extrem schnell auftretende Überschwemmung durch Starkregen, die eine hohe Fließgeschwindigkeit erreichen kann
- Grundhochwasser: Grundwasser, das nach Ablauf des Hochwassers von unten gegen den Boden drückt und auch noch Wochen nach dem Hochwasser zu Gebäudeschäden führen kann
- Hundertjähriges Hochwasser: Wasserstand, der statistisch einmal in 100 Jahren auftritt (Jahrhundertflut)
Menschliche Einflüsse
Der Mensch erhöht durch den Eingriff in die Natur das Hochwasserrisiko.
- Durch den Deichbau gehen natürliche Überschwemmungsgebiete an Flüssen verloren.
- Für die Schifffahrt wurden Flüsse begradigt, mit Staustufen und Buhnen verbaut sowie vertieft. Dadurch steigt die Fließgeschwindigkeit und Hochwasserwellen gelangen wesentlich schneller und höher flussabwärts.
- Durch diese immer noch massive Versiegelung der Landschaft versickert bei starken Niederschlägen weniger Wasser im Boden. Stattdessen rauscht es direkt über die Kanalisation, Gräben und Drainagen in Vorfluter, Bäche und Flüsse. Es verschwindet in Deutschland stündlich die Fläche von einem Fußballfeld unter Beton.
- Zudem gehen mit Mooren, Wäldern und Grünland weitere wertvolle Biotope mit Schwammfunktion verloren.
Einfluss von Klimawandel und Wetterextremen
Ein Sommergewitter über Wiesbaden – solche Starkregenereignisse nehmen in Häufigkeit und Intensität zu.
(ollo
/
via canva.com)
Die Klimakrise verschärft das Hochwasserrisiko in Deutschland. Extreme Wetterlagen mit starken Niederschlägen nehmen in Deutschland und Mitteleuropa zu, was vor allem auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen ist.
Das erklärt sich so: Bei steigenden Temperaturen befindet sich mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, was zu häufigeren und intensiveren Starkregenereignissen führt. Dieser Effekt verstärkt sich insbesondere im Sommer auch durch die Erwärmung der Meere.
Längere und extremere Trocken- oder Niederschlagsphasen wirken sich auch negativ auf die Eigenschaften des Bodens aus, sodass das Hochwasserrisiko steigt.
- Ist der Boden bereits voll mit Wasser, fließt Niederschlag direkt ab.
- Ist der Boden durch längere Dürreperioden stark ausgetrocknet oder sogar verkrustet, nimmt er zunächst kaum Niederschlag auf. Trockener Boden wirkt im Gegensatz zu feuchtem Boden wie eine Barriere und kann weniger schnell Wasser aufnehmen.
Die Folge sind kurzfristig steigende Wasserstände, Sturzfluten und Überschwemmungen. Perspektivisch müssen wir damit rechnen, dass Hochwasserkatastrophen häufiger vorkommen und sich die Zeitabstände von sogenannten “Hundertjährigen Hochwassern” verringern.
Hochwassergefahr – Wo und wann droht Hochwasser?
Überschwemmte Flächen an der Elbe bei Lenzen bei mittlerer Eintrittswahrscheinlichkeit – solche Karten stehen oft bei Anwendungen der Bundesländer zur Verfügung.
Hochwasser kann generell überall auftreten – selbst an unscheinbaren Bächen. Hochwassergefahr droht aber insbesondere in bebauten Feuchtgebieten, in zubetonierten Städten und an Flussabschnitten, die ins Meer münden. Durch die zunehmenden Extremwetterlagen können sich Gefahrenlagen schneller entwickeln.
Hochwassergefahrenkarten zeigen die Gefährdung und unterstützen das Risikomanagement. Meist sind diese auch für Bürger*innen über Online-Kartendienste der Bundesländer aufrufbar.
Frühwarnsysteme verbreiten Warnungen über verschiedene Kanäle und weisen die Bevölkerung auf Sicherheitsvorkehrungen hin.
Wie kann man Hochwasser verhindern?
Hochwasser ist ein natürlicher Vorgang, der sich nicht verhindern lässt. Die einzige Möglichkeit, langfristig gegen die Ursache für stärker werdende Hochwasser anzugehen, ist die Verlangsamung der Erderwärmung durch konsequenten Klimaschutz sowie Klimaanpassung und vorsorgende Schutzmaßnahmen. So lassen sich verheerende Überschwemmungen in Wohngebieten begrenzen: durch technischen und ökologischen Hochwasserschutz.
Ökologischer vs. technischer Hochwasserschutz
Technischer Hochwasserschutz setzt daran an, das Hochwasser mit Bauwerken aufzuhalten oder mit steuerbaren Poldern den Hochwasserscheitel zu kappen.
- Hochwasserrückhaltebecken: regulierbare Stauanlagen, die sich bei hohen Flusspegeln mit Wasser füllen und damit die abfließende Wassermenge bei Hochwasser reduzieren können.
- Deiche/Dämme: künstliche Erdwälle zum Schutz vor Überschwemmungen.
- Mobile Hochwasserschutzelemente: funktionieren wie Deiche, können bei Platzmangel mit ausreichend Vorlaufzeit flexibel zum Einsatz kommen.
- Polder: von Deichen begrenzte Flächen. Man unterscheidet in Trockenpolder und Nasspolder, je nach dem, ob das Land trocken oder nass gehalten wird. Trockenpolder werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt und nur im Ausnahmefall geflutet. Das erzeugt meist hohe Schäden. Nasspolder werden hingegen häufiger geflutet und bieten Lebensraum als Feuchtgebiet.
- Schöpfwerke: pumpen Wasser entgegen dem natürlichen Gefälle ab und leiten es in eingedeichte Gewässer oder Polder.
Ökologischer Hochwasserschutz gibt dem Wasser dort mehr Raum, wo es Engstellen gibt und der Abfluss beeinträchtigt ist. Gleichzeitig werden ökologisch wertvolle Bereiche wieder mit dem Fluss verbunden und tragen so zum Arten- und Klimaschutz bei.
- Deichrückverlegung: Neubau eines Deichs in größerer Entfernung vom Fluss und anschließender Schlitzung oder teilweiser Rückbau des alten Deichs, sodass eine ehemalige Überschwemmungsfläche wieder mit dem Fluss verbunden ist.
- Flussrenaturierung: stellt die natürliche Dynamik und Strukturvielfalt von Flüssen wieder her, z.B. durch Maßnahmen wie den Rückbau von Begradigungen, dem Anschluss von Altarmen und dem Anlegen oder der Wiederherstellung von Flutrinnen.
Technischer Hochwasserschutz ist in Risikogebieten unverzichtbar, wenn ein Rückbau der besiedelten Überschwemmungsgebiete nicht möglich ist. Allerdings kann er fehleranfällig sein:
- Deiche können überspült, umspült oder aufgeweicht werden und unter Druck brechen.
- Mobile Hochwasserschutzelemente können nur bei einem vorhersehbaren Hochwasser helfen, denn der Aufbau verlangt eine gewisse Vorlaufzeit sowie funktionierende Logistik.
- Die Anlagen müssen teils vom Menschen gesteuert werden, wodurch falsche oder fehlende Entscheidungen zum Verhängnis werden können. Denn Extremwetter ist nicht immer vorhersehbar und die Vorgaben zum Einsatz technischer Hochwasserschutzanlagen sind teils starr.
- Technische Maßnahmen sind nicht nur teuer im Bau, sondern verursachen laufende hohe Kosten für Kontrolle, Instandhaltung und Sanierung.
- Wenn landwirtschaftlich genutzte Polder geflutet werden, ist der Staat dazu verpflichtet, für die dadurch entstehenden Schäden aufzukommen. Manche Polder werden auch gar nicht geöffnet, weil der Landwirtschafts-Lobby nachgegeben wird.
- Deiche, Rückhaltebecken und gesteuerte Polder bekämpfen die Symptome, aber nicht die Ursachen des Hochwassers.
Ökologischer Hochwasserschutz ist deutlich günstiger und reguliert den Wasserstand bei Hochwasser auf natürliche Art. Er nutzt den Boden als zentralen Wasserspeicher. Außerdem wird die biologische Vielfalt gefördert, CO2 gebunden und Wasser für Dürrephasen gespeichert. Bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen wie Deichrückverlegung und Renaturierung können allerdings Konflikte entstehen:
- Um die nötigen Flächen bereitzustellen, kann die Landnutzung oft nicht wie zuvor erfolgen.
- Es kann notwendig sein, Gebäude zurückzubauen.
Die Bedeutung von Flussauen und Überschwemmungsflächen
Luftbild der Hohen Garbe – eine Überschwemmungsfläche, die der Elbe vom BUND in einem weiteren Projekt zurückgegeben wurde.
Natürliche Auen sind Flusslandschaften, die durch das Wechselspiel von Hoch- und Niedrigwasser geprägt sind. Sie bestehen wesentlich aus Auwäldern, Feuchtwiesen, Mooren und Kleingewässern. Wie ein Schwamm können sie große Wassermassen zurückhalten und bei Trockenheit wieder abgeben.
Auen müssen an Flüsse angebunden sein, um Hochwasser regulieren zu können – werden sie durch menschengemachte Veränderungen vom Fluss abgeschnitten, nennt man das Altaue. Renaturierungsmaßnahmen im ökologischen Hochwasserschutz verfolgen unter anderem das Ziel, solche Altauen wieder an den Fluss anzubinden. Diese sogenannten rezenten Auen sind natürliche Überschwemmungsgebiete. Sie haben mehrere Vorteile:
- Im Gegensatz zu Poldern werden Auen natürlicherweise ab einem bestimmten Wasserstand überschwemmt und tragen kontinuierlich und zuverlässig zum Hochwasserschutz bei. Ein gutes Beispiel dafür ist das erfolgreiche Naturschutzgroßprojekt „Lenzener Elbtalaue“.
- Renaturierungen von Flüssen haben das Potenzial, Menschenleben und Güter zu schützen.
- Durch die Wiederherstellung natürlicher Auen wird die Artenvielfalt erhöht und das Ökosystem Fluss in einen guten Zustand gebracht.
In den letzten 200 Jahren wurden Deutschlands Flusslandschafen massiv verändert, sodass wir mittlerweile zwei Drittel unserer Auen verloren haben. Ein Großteil der Altauen sind der Industrie und Landwirtschaft, den Siedlungen und dem Straßenbau zum Opfer gefallen. Nun trennen Deiche den Fluss von seinen ehemaligen Flächen ab, zwängen den Strom ein und lassen so die Pegel steigen.
Der Erhalt an den Fluss angeschlossener Auen unterscheidet sich regional sehr stark. Bei den kleineren Ostseezuflüssen in Mecklenburg-Vorpommern sind noch 81 Prozent der Auen mit Flüssen verbunden. Deutlich weniger rezente Auen gibt es dagegen in den Flussgebieten von Rhein (31 Prozent), Elbe (27 Prozent), Donau (25 Prozent) und Oder (13 Prozent).
Schwammstadt: Wasser in der Stadt zurückhalten
Statt Beton und Asphalt: Rasengittersteine bieten Fahrzeugen halt – aber lassen Regen durch
(mycteria
/
via canva.com)
Besonders Städte sind größtenteils versiegelt und zubetoniert. Das Konzept der Schwammstadt und der Schwammlandschaft will daher versiegelte Flächen aufbrechen und so mehr Speichermöglichkeiten für Wasser schaffen. Städtische Grün- und Wasserflächen sollen das Regenwasser dort zurückhalten, wo es fällt. Maßnahmen im Rahmen eines Schwammstadt-Konzepts können sein:
- begrünte Dächer und Fassaden
- die Umwandlung von versiegelten Flächen in Grünflächen
- das Pflanzen von Bäumen
- Ufer-Renaturierungen an städtischen Flüssen oder Seen
Durch diese Maßnahmen wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Gleichzeitig gelangt weniger verunreinigtes Wasser durch überlaufende Abwasserkanäle in die Gewässer. Die Stadt wird grüner und lebenswerter. Die Verdunstung des zurückgehaltenen Wassers hilft, die Stadt in zunehmend heißen Sommern zu kühlen.
Politische und gesellschaftliche Herausforderungen
Der Hochwasserschutz bringt politische und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Eine unsichere Finanzierung kann die langfristig geplanten Projekte bremsen – beispielsweise durch Kürzungen im Landeshaushalt und fehlendes Personal. Die verfügbaren Gelder müssen außerdem fair verteilt werden, sodass Hochwasserschutz in Deutschland gleichmäßig umgesetzt werden kann.
In der Frage, wie viel Geld in den ökologischen und wie viel in den technischen Hochwasserschutz fließt, müssen die Prioritäten neu gesetzt werden. Deutschlandweit lagen zwischen 2014 und 2024 die jährlichen Investitionen in Planung, Bau und Sanierung von Deichen durchschnittlich bei 301 Millionen Euro, die für Deichrückverlegungen dagegen bei nur sieben Millionen Euro. Und das, obwohl ökologischer Hochwasserschutz vielerorts sinnvoller ist. Der Klimawandel verschärft gleichzeitig den Handlungsdruck. Doch bei der Umsetzung von Maßnahmen zum ökologischen Hochwasserschutz gibt es einige Herausforderungen:
- Es braucht eine gute Abstimmung der Koordination zwischen Bund, Ländern – ansonsten sind die Verantwortlichkeiten unklar und die Maßnahmen ineffizient.
- Die Bevölkerung muss miteinbezogen werden, damit Bau- oder Renaturierungsmaßnahmen vor Ort Akzeptanz finden.
- Mit der Wirtschaft und Industrie können außerdem Flächennutzungskonflikte entstehen, die die Umsetzung von ökologischem Hochwasserschutz verzögern.
BUND-Forderungen zum Hochwasserschutz
- Priorität für den ökologischen Hochwasserschutz: Wenn der Fluss zu wenig Raum hat, hilft technischer Hochwasserschutz nur bedingt.
- Flächenfraß stoppen: Damit Schwammlandschaften entstehen können, braucht es mehr Raum für naturnahe Flüsse und Auen. Im Widerspruch dazu stehen die weitere Verbauung und Kanalisierung unserer Fließgewässer für die Binnenschifffahrt, Land- und Forstwirtschaft sowie Wasserkraft. Die Netto-Neuversiegelung muss auf Null gesenkt werden. Neubau sollte es nur noch auf versiegelten Flächen geben, zusätzlich braucht es mehr Deichrückverlegungen.
- Renaturieren: Feuchtgebiete wie Auen und Moore müssen sich wieder naturnah entwickeln können, damit sich ihre ökologischen Funktionen wie der Wasserrückhalt in der Landschaft voll entfalten.
- Klimaschutz forcieren: Alles, was den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert, macht extreme Wetterereignisse wie Starkregen weniger wahrscheinlich. Die Bundesregierung muss die Klimaziele einhalten!
- Bodenschutz ist Hochwasserschutz: Böden nehmen Regenwasser auf, speichern große Mengen davon und können das Wasser später an die Pflanzen zurückgeben. Gesunde Böden sind von Vorteil – beim ökologischen Landbau beispielsweise kann doppelt so viel Wasser versickern wie bei der konventionellen Land- und Forstwirtschaft.
- Umbau zu Schwammstädten: Je mehr Wasser eine Stadt speichern kann, desto besser ist sie vor Hochwasser geschützt. Daher muss die Bundesregierung die klammen Kommunen stärker finanziell und beratend unterstützen.
- Bürgerdialoge: Die Menschen in Hochwassergebieten müssen sowohl bei technischen als auch bei ökologischen Schutzmaßnahmen frühzeitig und professionell eingebunden werden. Nur so lassen sich zeitintensive Konflikte minimieren.
Auf der Karte sind gut 4000 Kilometer unseres Flussnetzes grün hervorgehoben. Der BUND lässt derzeit vom Bundesumweltministerium prüfen, ob sie im Sinne einer EU-Verordnung wiederhergestellt werden können:
Ihre Spende, damit wir Umwelt und Natur langfristig schützen können
Höhere Dämme allein reichen nicht aus, um vor Hochwasser und Überschwemmungen zu schützen. Wir müssen die Ursachen bekämpfen und auf ganz vielen Ebenen handeln. Deshalb bitten wir Sie: Geben Sie dem Schutz natürlicher Lebensräume, z.B. für mehr Artenreichtum und ökologischen Hochwasserschutz, in Politik und Öffentlichkeit eine starke Stimme. Unterstützen Sie uns jetzt mit Ihrer Spende, damit wir Umwelt und Natur langfristig schützen können!
Fazit – Warum ökologischer Hochwasserschutz wichtiger denn je ist
- Der menschengemachte Klimawandel erhöht das Risiko für Hochwasserkatastrophen. Natürliche Auen mindern Hochwasserschäden und schützen gleichzeitig das Klima, indem sie CO2 binden.
- Ökologischer Hochwasserschutz ist günstiger als technischer Hochwasserschutz. Überschwemmungsgebiete zu bebauen, bedeutet außerdem ein hohes Risiko für teure Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Ökologischer Hochwasserschutz leistet zudem Wertschöpfung durch die Stärkung der Biodiversität und des Tourismus.
- Natürliche Auen überfluten natürlicherweise ab einem bestimmten Wasserstand. Technischer Hochwasserschutz dagegen muss von Menschenhand gesteuert werden und kann auch über menschliche Fehlentscheidungen hinaus versagen (beispielsweise durch Deichbruch).
- Auen dienen als Wasserspeicher für Trockenzeiten und tragen so zur Grundwasserneubildung bei. Außerdem filtern sie Nähr- und Schadstoffe aus dem Wasser, wodurch auch die Meere vor Überdüngung geschützt werden.
- Schwammstadtkonzepte für Hochwasserschutz in Städten sorgen für mehr Begrünung und Entsiegelung. Das entlastet nicht nur die Kanalisation bei Starkregen – Stadtgrün kühlt auch die Umgebung, filtert die Luft und sorgt für mehr Lebensqualität.
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