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Unser Tipp im August: Ach du Schrecke!

01. August 2019 | Naturschutz, Lebensräume, Landwirtschaft

In der Antike war die Schrecke dem Erfinder der Musik geweiht, dem Gott Apollo.  (Holzauge222 / Pixabay)

An warmen Sommerabenden zirpt und schwirrt es derzeit in den Wiesen, unzählige Heuschrecken geben ihr Konzert. In der Antike war die Schrecke deshalb auch dem Erfinder der Musik geweiht, dem Gott Apollo. Heuschrecken reiben zur Lauterzeugung Flügel oder Beine aneinander. Das Geräusch entsteht durch Schrill-Leisten oder Kanten, welche mit Querrippen oder winzigen Zähnen versehen sind, vergleichbar einem Waschbrett, auf dem fleißig herumgeschrummt wird. Die Sumpfschrecke dagegen musiziert, indem sie ihre Hinterbeine nach hinten schleudert und so einen Ton erzeugt, der wie ein Fingerschnippen klingt. Knarrschrecken wiederum reiben ihre Oberkiefer aneinander und versuchen so die Weibchen zu bezirzen. Denn das ist das Ziel dieses Wettstreites: ein Weibchen anzulocken.

Ist das Werben von Erfolg gekrönt, findet die Befruchtung meist durch Übertragung eines Spermienpakets statt. Beim Trennen der Partner bleibt ein tubusförmiger Teil im weiblichen Genitaltrakt stecken. Bis er resorbiert ist, verhindert er Befruchtungsversuche anderer Männchen. Die Eiablage erfolgt mit Hilfe einer Legeröhre, die bei einigen Arten wie ein nach oben geschwungenes Schwert aussieht. Aus den Eiern schlüpfen dann die Larven, die den erwachsenen Heuschrecken schon sehr ähnlich sehen, und dies mit jeder Häutung mehr.

Heuschrecken wurden schon in vorgeschichtlicher Zeit zeitweilig mit Schrecken betrachtet. Denn es gab (und gibt bis heute) immer wieder gefräßige Massen­schwärme von Wanderheuschrecken. In der Bibel allein werden sie dreißig Mal erwähnt, und aus dem Mittelalter sind in Europa 400 Einfälle dokumentiert. Einer der größten bekannt gewordenen Schwärme fiel im Jahre 1784 in Südafrika ein. 300 Milliarden Heu­schrecken bedeckten 3.000 km² Fläche und fraßen 600.000 Tonnen Pflanzen. Nachdem sie durch den Wind aufs offene Meer hinausgetrieben wurden, spülte das Wasser die toten Schrecken ans Land zurück, wo sie sich auf einer Länge von 80 Kilometern über einen Meter hoch auftürmten.

Selbst werden die Tiere von vielen kleinen und großen Tieren verzehrt. Vögel, Igel, Marder, Füchse und auch Wildschweine zählen zu ihren Fressfeinden, Spinnen gehen sie ebenso ins Netz. In manchen Regionen essen auch Menschen die eiweißreichen Tiere gerne – ob gebraten oder gegrillt, als Vorspeise im Jemen oder mit Erdnüssen gefüllt als Mahlzeit in Kambodscha.

In der Forschung sorgte kürzlich eine südamerikanische Heuschrecke für Aufsehen: Ihre im Knie befindlichen winzigen Ohren gleichen unserem Innenohr so sehr, dass die Wissenschaftler hoffen, nach deren Vorbild kleinere und effektivere Hörgeräte entwickeln zu können. Besonders ist auch die Sprungkraft der Schrecken, worauf auch ihr Name "skriken" vom althochdeutschen "springen" zurückzuführen ist. Durch ruckartige Streckung eines Beingelenks kann die Feldheuschrecke einen Meter weit und die Gemeine Strauchschrecke 66 Zentimeter springen, das Dreißigfache ihrer Körperlänge.

Beobachtungstipp: immer dem Zirpen nach

In hochgrasigen Wiesen, an Wegrändern oder auf innerörtlichen Brachen kann man die Heuschrecken am besten finden. Laufen Sie immer dem Ohr nach, jedoch so behutsam wie möglich, um die Schrecken nicht zu verschrecken. Die meisten Arten singen tagsüber und bei Sonnenschein.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist es, einmal eine Heuschreckentour im Dunkeln zu unternehmen. Feld- und Maulwurfsgrille, Weinhähnchen und Grünes Heupferd sind bis spät in die Nacht aktiv und lassen ihren artspezifischen Gesang weithin hören. Achtung: Als wechselwarme Tiere brauchen Heuschrecken Wärme, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Bei Kälte sind ihre Bewegungen langsamer, die Tonfrequenz ändert sich und die gleiche Heuschrecke hört sich vollkommen anders an.

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).

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