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Viel zu viel Müll wird produziert, deponiert und verbrannt

07. Mai 2013

Europa hat ein Abfallproblem. In Europas Kommunen werden rund 500 Kilogramm Abfall pro Person und Jahr produziert.

Europa hat ein Abfallproblem.  (airborne77 / Fotolia.com)

Nur 40 Prozent dieser Abfälle werden jedoch wiederverwertet, obwohl diese zum aller­größten Teil aus wiederverwertba­ren Materialien wie Kunst­stoff, Glas oder Papier bestehen.

Weitere 40 Prozent werden deponiert und der Rest verbrannt. Mehr als 60 Prozent (insgesamt 1.600 Mio. Tonnen) des europaweiten Abfalls von ca. 2,5 Milliarden Tonnen sind zudem mineralische Abfälle aus dem Baubereich oder der Rohstoffgewinnung. Auch dieser Müll wird zu rund 60 Prozent deponiert.

Ausbeutung wertvoller Ressourcen, CO2-Ausstoß, Vermüllung

Der hohe Grad der Depo­nierung und Verbrennung und der geringe Grad der Wiederverwertung des Mülls führen zu einer bislang ungebremsten umweltschädlichen Ausbeutung knapper Ressourcen wie Öl oder Holz. Auch gelangt derzeit viel zu viel Müll in die Umwelt: Allein an der Nordseeküste werden inzwischen alle 100 Meter durchschnittlich mehr als 700 Müllteile gefunden. Durch die Müllverbrennung wird zudem das Klima unnötig mit jährlich mehr als 100 Millionen Tonnen CO2 belastet.

EU plant im Jahr 2014 eine Revision der Abfallpolitik

Die EU hat das Problem erkannt und wird auf das Thema "Abfall und Ressourcen" im kommenden Jahr einen Schwerpunkt in der Umweltpolitik setzen. Bis zum 10. September können deswegen Bürgerinnen und Bürger, Verbände und andere betroffene Akteure der EU-Kommission ihre Positionen zu einer Revision der Europäischen Abfallpolitik melden. In diesem Konsultationsverfahren geht es darum, welche Erwartungen es an die EU bei der Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie, der Verpackungsrichtlinie und in Bezug auf die Deponierung von Abfällen in Europa gibt. Die Ergebnisse der Konsultation sollen dann 2014 mit in die Erarbeitung von neuen Regelungen und abfallpolitischen Zielvorgaben einfließen.

Der BUND wird sich in Abstimmung mit seiner Partnerorganisation Friends of the Earth Europe an der Konsultation der EU-Kommission beteiligen. Die wichtigsten Eckpunkte, die notwendig sind um das Abfallproblem zu lösen, stehen aber bereits jetzt schon fest.

Müll vermeiden, Recyclingquoten deutlich anheben

Klar ist: Es muss weniger Müll produziert werden und der Müll, der produziert wird, muss besser wiederverwertet werden. Die Revision der Europäischen Abfallpolitik muss also zu einer Stärkung von Maßnahmen zur Vermeidung und zur Wiederverwendung von Müll führen. Es muss ein deutliches Signal der EU für mehr Recycling anstelle der Förderung von Deponien und Verbrennungsanlagen geben. Abfälle sind wertvolle Ressourcen, die effizient genutzt werden müssen.

Um das Müllproblem zu lösen sind folgende Punkte von grundlegender Bedeutung:

  • Die EU-Abfallpolitik ist ein Schlüsselinstrument, um die bereits 2011 von der EU-Kommission im "Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa" gesetzten Ziele zu erreichen. Demnach müssen Abfälle spätestens ab 2020 als wichtige Ressourcen behandelt werden. Es muss eine kontinuierliche Abnahme des Pro-Kopf Abfallaufkommens in Europa erreicht werden und die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien zu wirtschaftlich attraktiven Optionen werden. Die Verbrennung oder Deponierung von Abfällen soll bis 2020 nahezu unterbunden sein.
  • Vermeidung und Wiederverwertung von Müll müssen stärker gefördert werden. Dazu müssen konkrete und ambitionierte Ziele zur Vermeidung und Wiederverwendung sowie der Vorbereitung zur Wiederverwendung festgeschrieben werden. Auch sollte die Herstellerverantwortung erhöht werden, beispielsweise durch Vorgaben zu Anteilen von Recyclingmaterialien in Produkten oder in Bezug auf Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten.
  • Sowohl in der Abfallrahmenrichtlinie als auch der Verpackungsrichtlinie müssen verbindliche und höhere Recycling-Ziele festgelegt werden. Für Materialien wie z.B. Kunststoffe, Metalle, Glas und Papier sollten bis 2020 europaweit Recyclingquoten von 90 Prozent angestrebt werden. Ebenso sollten auch für bisher nicht berücksichtigte Materialien und Abfallarten (z.B. Textilien, Bioabfälle) konkrete Zielvorgaben eingeführt werden.
  • Eine europaweite Einführung von Getrennt-Sammelsystemen muss sicherstellen, dass eine geringe Kontamination der Materialströme und somit eine hohe Recyclingqualität erreicht wird. Die Getrenntsammlung von Materialien wie Kunststoffen, Biomüll, Glas, Papier und Metallen muss durch die Einführung einer möglichst haushaltsnahen Sammlung gefördert werden.
  • Um eine echte Kreislaufwirtschaft zu intensivieren, ist ein europaweites Deponierungs- und Verbrennungsverbot für Kunststoffe und andere wiederverwendbare und recycelbare Materialien notwendig. Die EU muss daher die Unterstützung von Deponien und Verbrennungsanlagen mit europäischen öffentlichen Geldern stoppen und diese Mittel zum Aufbau einer angemessenen Infrastruktur für Recycling und Wiederaufbereitung verwenden.

Informationen und Rückfragen bei:
Rolf Buschmann
BUND-Referent Technischer Umweltschutz
Kaiserin-Augusta-Allee 5,
10553 Berlin  
Tel. (030) 2 75 86-482
rolf.buschmann(at)bund.net 

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