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Keine Generalabsolution für Glyphosat. Hinweise auf Schädigung menschlicher Organe

15. März 2017 | Umweltgifte, Landwirtschaft, Schmetterlinge, Wildbienen

Berlin: "Das ist keine Generalabsolution für Glyphosat", sagte die BUND-Pestizidexpertin Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zur  heute bekannt gewordenen Einstufung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) als nicht krebserregend. Das Urteil der Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation IARC von Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" gelte weiterhin, so Moldenhauer.

Eine Bewertung der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) von Ende Mai 2016 für die ECHA lege zudem nahe, dass Glyphosat menschliche Organe schädigen könne. Die BAuA empfahl demzufolge, Glyphosat als "organschädigend" bei längerer oder wiederholter Exposition einzustufen – zusätzlich zu der bereits bestehenden Einstufung als "augenschädlich" und "schädlich für Wasserorganismen". An einer längeren oder wiederholten Glyphosat-Exposition weiter Kreise der Bevölkerung in Europa bestehe kein Zweifel, stellte die BUND-Expertin klar. "Glyphosat ist allgegenwärtig. Menschen und Umwelt sind heute einer Dauerbelastung ausgesetzt", sagte Moldenhauer. Einer BUND-Studie zufolge hatten 70 Prozent der im Jahr 2013 in Deutschland getesteten sowie 44 Prozent der europaweit untersuchten Personen Glyphosat im Urin.

Unbestritten sei zudem, dass Glyphosat maßgeblich verantwortlich für das Artensterben in der Agrarlandschaft sei. "Als Totalherbizid vernichtet Glyphosat die Nahrungspflanzen von Schmetterlingen, Bienen und Vögeln, es tötet alles Grün und zerstört die Lebensräume von wichtigen Nützlingen", so Moldenhauer. Die EU-Kommission müsse die Zulassung des Herbizids aufgrund der gravierenden Bedenken hinsichtlich Umwelt und menschlicher Gesundheit Ende des Jahres auslaufen lassen, forderte die BUND-Expertin. "Zu viel spricht gegen Glyphosat, eine weitere Verlängerung der Zulassung wäre fahrlässig. Die EU-Kommission ist dem Vorsorgeprinzip verpflichtet, sie muss den Schutz von Mensch und Umwelt vor den Profitinteressen der Pestizidhersteller sicherstellen. Die Landwirtschaftspolitik muss sich endlich frei machen von einem Agrarmodell, das auf industrieller Erzeugung basiert und blind ist für deren Kollateralschäden", sagte Moldenhauer.

Der BUND begrüße, dass in der Landwirtschaft erste Schritte zur Abkehr vom Glyphosat-Einsatz unternommen würden, so Moldenhauer. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft DLG gehe mit ihrem Einsatz für mehr guten Ackerbau statt Glyphosat in die richtige Richtung. "Die gesellschaftliche Akzeptanz ist Glyphosat längst abhandengekommen. Weil Herr Schmidt als zuständiger Bundeslandwirtschaftsminister in Untätigkeit verharrt, sind freiwillige Bemühungen der Landwirte zur Abkehr von Glyphosat besonders begrüßenswert", sagte Moldenhauer. 

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