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WHO hat ihre Meinung zur Krebsgefahr von Glyphosat nicht "revidiert"

Kommentar zur Bewertung von Glyphosat durch das JMPR der WHO von Heike Moldenhauer, Glyphosat-Expertin des BUND.

 (J. Farys)

Am Pfingstmontag 2016 hat der "Sachverständigenausschuss für Pestizidrückstände" (JMPR) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seine neueste Bewertung des Pflanzengifts Glyphosat veröffentlicht: Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat-Rückstände im Essen Krebs verursachten. Diese Bewertung steht im Widerspruch zum Urteil der internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC). Diese hatte Glyphosat im März 2015 attestiert, "wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen" zu sein.

Die Veröffentlichung zementiert, dass sich bei der Frage nach der Unbedenklichkeit von Glyphosat bei der WHO weiterhin zwei Meinungen konträr gegenüber stehen. Der Dissens zwischen den beiden WHO-Gremien bleibt bestehen.

Die Einschätzung des JMPR kommt für den BUND nicht überraschend. Das Gremium hatte Glyphosat bereits 2004 und 2011 als unbedenklich eingestuft. Dabei hatten Mitarbeiter des deutschen Instituts für Risikobewertung (BfR) Schlüsselpositionen inne: Sie haben die Berichte geschrieben bzw. als Mitglieder der Expertengruppe Glyphosat für unbedenklich erklärt. Dieselben BfR-Mitarbeiter waren für Glyphosatbewertung auf EU-Ebene verantwortlich und sagten auch dort: keine Bedenken.

Wie unterscheiden sich die beiden WHO-Gremien, IARC und JMPR?

Die internationale Krebsforschungsagentur IARC urteilt ausschließlich auf der Basis veröffentlichter Studien, die nicht von den Glyphosat-Herstellern selbst stammen. Sie urteilte im März 2015, Glyphosat sei wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen. Die Datenbasis des JMPR bleibt dagegen undurchsichtig. Ebenso undurchsichtig bleibt, wer die für die Bewertung hauptverantwortlichen Personen sind.

Das JMPR befasst sich mit der Festlegung von Rückstandshöchstgehalten von Pestiziden in Lebensmitteln. Außerdem legt es fest, wieviel eines Stoffes ein Mensch lebenslänglich jeden Tag aufnehmen kann, ohne gesundheitlichen Schaden davon zu tragen.

Einige Mitglieder des JMPR unterliegen starken Interessenskonflikten, arbeiten teilweise für Industrie-Thinktanks oder im Fall des BfR  in einer nationalen Behörde, die Glyphosat bewertet hat. Zwei der JMPR-Experten, Alan Boobis und Angelo Moretto, haben enge Kontakte zur Pestizidindustrie. Sie hatten Glyphosat für das JMPR bereits 2004 und 2011 für ungefährlich befunden. Unbestätigten Gerüchten zufolge sind die beiden "Berichterstatter" und "Reviewer" für Glyphosat im JMPR und damit maßgeblich für die Einschätzung verantwortlich. Das JMPR hat auch auf mehrfache Nachfrage des BUND nicht offengelegt, wer bei der aktuellen Bewertung von Glyphosat "Berichterstatter" und "Reviewer" sind. 

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 (J. Farys)

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Glyphosatstudien

Mikroskop  (PublicDomainPictures / pixabay.com)

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