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Wer knistert denn da? Im Reich der Schlickkrebse

Wer sich im Wattenmeer herablässt und die schlickige oder feinsandige Oberfläche aufmerksam beobach­tet, wird neben Wattwurmhaufen, Muschelschalen und Watvogelspuren recht bald auf emsige Tierchen stoßen, die zu einer der Schlüsselarten im Wattenmeer gehören: den Schlickkrebsen.

Ein Schlickkrebs aus der Nähe; Foto: Rainer Borcherding Ein Schlickkrebs aus der Nähe  (Rainer Borcherding)

Um den Meeresboden vor unseren Küsten einer genauen Betrachtung zu unterziehen, bedarf es zum Glück nicht immer dickem Neopren, Tauchmaske und Co. Besonders in den Flachwasserbereichen der Nordseeküste genügt es, sich mit dem Spaten auf den Marsch über die riesigen Wattflächen zu machen, die sich bei Ebbe zweimal täglich offenbaren.

Wer sich herablässt und die schlickige oder feinsandige Oberfläche aufmerksam beobach­tet, wird neben Wattwurmhaufen, Muschelschalen und Watvogelspuren recht bald auf emsige Tierchen stoßen, die zu einer der Schlüsselarten im Wattenmeer gehören: den Schlickkrebsen.

Schlickkrebse leben gut versteckt im Wattboden

Schlickkrebsspuren; Foto: Rainer Borcherding Ja, wo sind sie denn? Schlickkrebsspuren im Watt.  (Rainer Borcherding)

Die Gegenwart der rund einen Zentimeter großen Krebse im Wattenmeer lässt sich oft nur durch die Kratzspuren ihrer starken Antennen erahnen, die sternförmig den Ausgang einer Röhre markieren – sowie durch das berühmte Wattknistern, das unter anderem dann entsteht, wenn das Wasserhäutchen zwischen den Antennen beim Spreizen eben jener platzt. Bei Tausenden von Individuen ein markantes Hintergrundgeräusch im Watt!

Schlickkrebse besiedeln vor allem schlickige bis feinsandige Böden, in denen sie u-förmige Röhren bauen, die ähnlich wie die des Wattwurms mit Schleim ausgekleidet sind. Diese Lebensweise "unter Tage" ist – wie bei vielen anderen Wattbewohnern – ein überle­bens­wichtiger Schutz vor Fressfeinden, sie bewahrt die Krebse aber auch davor, bei Ebbe auszutrocknen. Schlickkrebse können bis ein Jahr alt werden und zwischen Frühjahr und Herbst ein bis zwei neue Generationen produzieren – sofern sie nicht anderen hungrigen Wattbewohnern in die Fänge, Mäuler oder Schnäbel gehen.

Bis zu 120.000 Schlickkrebse können einen Quadratmeter Watt bewohnen

Schlickkrebe; Foto: Rainer Borcherding Kaum ein anderer Wattbewohner kommt im scheinbar unbelebten Matsch so häufig vor.  (Rainer Borcherding)

Kaum ein anderer Wattbewohner kommt im scheinbar unbelebten Matsch so häufig vor. Diese "Bevölkerungsdichte" und ihre mundgerechte Größe machen Schlickkrebse zu einer wichtigen Nahrungsgrundlage für zahlreiche Wasservogelarten, für bodenlebende Fische, größere Krebse und räuberische Würmer.

Ihr massenhaftes Auftreten in Flachwasser-Ökosystemen der nördlichen Halbkugel ist aber nicht nur als Nahrungsquelle wertvoll, sondern steuert auch die Sedimentbeschaffenheit – ähnlich der Funktion, die Regenwürmer in Gartenerde erfüllen. Der Schlickkrebs gilt daher als eine Schlüsselart, die einen bedeu­tenden Einfluss auf die Artenvielfalt in ihrer Lebensgemeinschaft und auf den Lebensraum ausübt.

Außerdem ist Corophium volutator, die häufigste Schlickkrebs-Art, eine guter Bioindikator für schadstoffbelastete Sedimente. Die Art reagiert mit verkürzter Lebensdau­er sowie eingeschränktem Wachstum und Reproduktionserfolg auf toxische Ablagerungen.

Um auch in Zukunft bei Wattwanderungen das geheimnisvolle Knistern tausender Schlick­krebse hören und den belebten Schlamm erforschen zu können, müssen unsere flachen Küstengewässer nicht nur im Nationalpark Wattenmeer vor übermäßiger Bebauung, vor Schadstoffen und Überdüngung geschützt werden.

Deshalb fordert der BUND einen nach­haltigen Küstenschutz, der zum Erhalt von natürlichen Lebensräume an der Küste beiträgt, und setzt sich für eine drastische Reduzierung der Schad- und Nährstoffbelastung sowie gegen die Vermüllung in unseren Meeren ein.

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