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Mit sechs Beinen im Salzwasser: der Prächtige Salzkäfer

Die Salzwiesen der Nordseeküste sind ganz besondere Lebensräume: Sie weisen eine außerordentliche hohe Biodiversität auf und beheimaten um die 300 Wirbelosenarten, die nur in den Salzwiesen der Nordseeküste überleben können. Wer in dieser unwirtlichen Umgebung überleben will, muss ein hohes Maß an Anpassung und Spezialisierung mitbringen. Unter den Insekten sind es vor allem Käfer wie der Prächtige Salzkäfer, die besonders erfolgreich diesen Lebensraum besetzt haben.

Der Prächtige Salzkäfer; Foto: R. Borcherding Der Prächtige Salzkäfer  (R. Borcherding)

Der Prächtige Salzkäfer ist sechs Millimeter lang und schwarz mit roten Flügeldecken. Die Beine sind kräftig bedornt, um beim Graben zu helfen. Durch eine stark eingeschnürte Taille zwischen Brust und Hinterleib ist der Käfer sehr beweglich, was das Wenden in seinen Erdröhren erleichtert. Das schlanke Tierchen gehört zur der großen Familie der Kurzflügelkäfer. Wie einige andere Käferarten der Küste weidet er mikroskopische Algenmatten von der Bodenoberfläche ab. Als Schutz gegen Überflutung dient eine etwa zehn Zentimeter tiefe Wohnröhre, die am oberen Ende abknickt und wie das U-Rohr am Spülbecken eine Luftblase festhält.

Besonders nach Regen sammeln die Käfer Algen von der Bodenoberfläche, da diese dann "gespült" und salzarm sind, also besser bekömmlich. Das Weibchen baut 20 bis 30 Seitenkammern an seiner Röhre und legt in jede ein Ei, das ohne Bodenkontakt auf einem Stielchen ruht – als Schutz gegen Schimmel. Die Larven werden die ersten Tage von der Mutter gefüttert und bauen dann eigene Röhren. Hier verpuppen sie sich und schlüpfen ab Juli als fertige Käfer aus. Den Winter verbringen die Käfer in tiefen Röhren im Boden hochgelegener Salzwiesen.

Viele Salz- und Küstenarten Deutschlands sind aus vielfältigen Gründen gefährdete Arten. Schuld sind sowohl direkte menschliche Eingriffe, als auch die durch den Menschen verursachten Klimaänderungen. Der Meeresspiegelanstieg birgt die Gefahr von unnatürlich langen Überflutungen der Salzwiesen. Zudem zerstören die durch den Klimawandel häufiger auftretenden Sturmfluten die Lebensräume und verursachen erhebliche Populationsverluste, da massenhaft Individuen abdriften. Temperatur- und Niederschlagsveränderungen führen beispielsweise bei Salzlebensräumen an der Ostsee zur Austrocknung im Sommer und zur Aussüßung im Winter.

Der Mensch verstärkt diese problematische Entwicklung. Vermeintliche Küstenschutzmaßnahmen wie die Eindeichung führen zu einem Lebensraumverlust und versperren den Käfern den Weg zu höher gelegen Salzwiesen. Die starre Deichlinie ist auch Ursache für Lebensraumverluste bei steigendem Meeresspiegel, da ein natürliches Mitwachsen bzw. eine Verlagerung der Salzwiesen durch Sedimentation verhindert wird.

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