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Platt, lecker und gefährdet: die Scholle

Schollen sind platt wie die Flundern – soviel wissen die meisten Menschen auch abseits der Küsten. Und sie schmecken gut. Schollen gehören zu den bekanntesten Speisefischen aus der Nordsee. Weniger bekannt ist, dass die meisten Exemplare in englischen Gewässern zur Welt kommen, fast einen Meter groß werden können und leidenschaftlich gerne Wattwurmschwanzenden fressen.

Immer gut getarnt: die Scholle. Foto: Rainer Borcherding Immer gut getarnt: die Scholle.  (R. Borcherding)

Die Scholle war noch Mitte des letzen Jahrhunderts die häufigste von etwa zehn Plattfischarten, die in der südlichen Nordsee leben. Es gibt hier so viele Plattfische, weil sie sich im offenen Sandboden leicht vergraben können. So sind sie vor Fressfeinden geschützt und können zugleich selbst auf Beutetiere lauern. Die besondere Fähigkeit, die Farbe der Körperoberseite nach Bedarf der Umgebung anzupassen, erlaubt ihnen eine perfekte Tarnung. Wegen der verstreuten orange-gelben Punkte auf ihrem Körper heißt die Scholle auch "Goldbutt".

Wie kommt es zu der flachen Körperform? Eigentlich ist die Oberseite der Scholle ihre rechte Körperseite, denn in der Jugend "kippen" alle Plattfische um. Dazu wandert das linke Schollenauge durch starkes Wachstum dieser Gesichtshälfte auf die rechte Kopfseite. Schon im Alter von sechs Wochen hat die Scholle damit eine "Blindseite", auf der sie fortan liegt und die auch lebenslang nahezu farblos bleibt.

Im Wattenmeer wachsen jeden Sommer mehrere Milliarden Babyschollen heran, die später in die Nordsee abwandern. Ihr Haupt-Laichgebiet ist die britische Ostküste. Eine Rundströmung im Nordseebecken trägt die winzigen Schollen bis ins Wattenmeer. In dieser Zeit vollzieht sich auch der Wandel von einer normalen Fischform zum Plattfisch.

Im Watt angekommen, wachsen die Jungschollen bald zu einigen Zentimetern Größe heran. Ihr Lieblingsfutter sind die Atemrohrenden von Muscheln und die Schwanzenden von Wattwürmern, die sie ihren Opfern abbeißen. Zum Glück für die Opfer wachsen diese Stückchen meist wieder nach. Größere Schollen fressen Garnelen, Borstenwürmer und dünnschalige Muscheln. Flinke Beutetiere saugen sie mit ihrem ruckartig vorschnellenden Maul ein.

Erstaunlicherweise können Schollen über Hunderte von Kilometern wandern, um ihre Laichgebiete zu erreichen. Dabei schaffen sie etwa 30 Kilometer pro Tag. Mitunter wandern sie auch Flussmündungen hinauf, allerdings nicht so weit wie die speziell an Brackwasser angepasst Flunder.

Früher konnten Schollen 50 Jahre alt und fast einen Meter lang werden. Heute wird die Nordsee so intensiv befischt, dass kaum ein Exemplar älter als fünf Jahre wird. Mit 27 Zentimetern Körperlänge dürfen sie gefangen und verkauft werden – und viele landen auch schon vorher in den Schleppnetzen.

Allein die Krabbenfischer im Wattenmeer töten pro Jahr etwa eine Milliarde Babyschollen, und auch in der Nordsee enden Unmengen von Jungschollen als "Beifang". Solange die Überfischung der Scholle und die Schädigung des Nordseeboden-Lebens durch Schleppnetze nicht behoben sind, sollte man auf die "Maischolle" daher besser verzichten.

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