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Seegras: Grasgrüne Wiesen unter Wasser

An den deutschen Küsten kommen nur zwei der weltweit insgesamt etwa 60 Seegrasarten vor, weshalb sich die deutschsprachige Benennung mit dem Großen und dem Kleinen Seegras auch relativ schlicht gibt.

Seegraswiese; Foto: Jan Barkowski Seegraswiese  (Jan Barkowski)

An der Ostseeküste findet man unterhalb der Wasserlinie nicht fern vom Ufer an vielen Stränden Seegraswiesen. In der Nordsee dagegen wachsen sie meist im Wattenmeer, wo sie bei Ebbe schlapp auf dem Wattboden liegen, während sie sich bei Flut aufrecht in der Wassersäule wiegen. Dafür haben die Seegräser feine luftgefüllte Kanäle, die die Blätter bis in die Spitzen durchziehen und ihnen im Wasser Auftrieb verleihen. Dieses grüne Sprossgewirr schätzen viele Tiere und Pflanzen, so dass Seegraswiesen einen wichtigen, vielfältigen und zauberhaften Lebensraum darstellen.

Bei Sonnenlicht glitzern die Unterwasserwiesen besonders schön: tausende kleiner Luftbläschen haften an den Blättern oder steigen langsam durch die Wassersäule nach oben. Das Wasser wird also gut mit Sauerstoff versorgt und bietet beste Bedingungen für die darin lebenden Tiere, die den Sauerstoff über ihre Kiemen aus dem Wasser aufnehmen.

Seegras ist bei vielen Meerestieren beliebt

Dadurch, dass Seegräser mit ihren langen bandartigen Blättern die Wellenbewegungen ein wenig abbremsen können, suchen hier viele kleinere Tiere Schutz, die sonst von der Strömung weggetragen werden würden. So sind Seegraswiesen auch bei Fischmüttern sehr beliebt, die ihre Eier in den Wiesen ablegen, um ihren empfindlichen Nachwuchs in den ersten Wochen nach dem Schlüpfen in guter Obhut zu wissen.

Anders als das Gras der Wiesen an Land, werden die Halme des Seegrases von kaum einer Tierart gefressen. Nur im Herbst kommen für einige Wochen große Schwärme von Ringelgänsen und Pfeifenten auf ihrem Weg aus den sibirischen Brutgebieten in ihre Winterquartiere vorbei und genießen das Seegrasangebot, das ihnen bei Ebbe auf dem Watt serviert wird.

Die unzähligen kleinen Tiere, die direkt im grünen Dschungel der Seegraswiese leben, ernähren sich dagegen meist vom "Aufwuchs" auf der Oberfläche der Blätter. Vergleichbar mit Flechten, die auf Bäumen wachsen, finden sich auf den Seegrasblättern verschiedenste kleine Algen, die sich von den Seegrasblätter weiter nach "oben", also dichter an die Sonne heben lassen.

Der Verlust des Seegrases hat schwere Folgen für Tiere und Pflanzen

Seegras ist eine Gründerart: Die ganze Vielfalt der im Ökosystem "Seegraswiese" lebenden Tiere und Pflanzen baut auf nur dieser einen Art auf und ist von ihr abhängig. Leider steht das Ökosystem "Seegraswiese" vielseitig unter Druck.

Überdüngung der Küstengewässer lässt die Seegrasblätter durch starken Bewuchs mit Mikroalgen vielerorts verfilzen und macht daher die Fotosynthese unmöglich. Zu einer direkten Zerstörung führt unflexibler Küsterschutz, der Wattbuchten eindeicht und Küstenlinien begradigt und damit auch die Lebensräume für die Seegräser vernichtet.

Fällt das Seegras weg, so ist dem gesamten System die Existenzgrundlage entzogen. Dies hat weitreichende Folgen, beispielsweise für die Zugvögel, die das Seegrasangebot nutzen. Deshalb fordert der BUND einen nachhaltigen Küstenschutz, der den brausenden Wellen Platz gibt und damit auch der Erhaltung der Lebensräume an der Küste und den Lebewesen wie den Seegräsern dient.

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