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Der Queller – eine Blütenpflanze mitten im Watt

Der Queller (Salicornia europea agg.) auch Glasschmelz genannt, besiedelt als Charak­terpflanze die Verlandungszone der Salzwiesen knapp unterhalb der Hochwasserlinie, wo er täglich zweimal vom Meerwasser überspült wird.

Queller; Foto: Rainer Borcherding Queller  (Rainer Borcherding)

Um aus dem salzigen Schlick Wasser aufnehmen zu können, muss der Queller eine enorme Saugkraft aufbringen. Dies schafft er, indem er Salz und andere Ionen in seinem Zellsaft anreichert. Da so jedoch immer mehr Meersalz über die Wurzeln in die Pflanze gelangt, muss der Queller im Lauf des Sommers seinen Wassergehalt erhöhen, um das störende Salz zu verdün­nen, was ihm das typische Aussehen eines Mini-Kaktus gibt. Am Ende der Vegetations­periode ist die Salzkonzentration tödlich: die Pflanze ist dann braun bis rot verfärbt und stirbt schließlich ab.

In der Nordsee lebt er daher nur sieben Monate, von April bis Oktober – nur seine Samen überstehen die Winterzeit und können sogar bis 50 Jahre überdauern. Sie benötigen zur Keimung Frischwasser und keimen deshalb erst nach einem Regen. Im August werden die an den Sprossenden/Zweigenden verborgenen Blüten bestäubt. Nach dem Absterben der Pflanze lässt der Frost die Samenkapseln aufspringen und Gezeitenströmungen verteilen bis zu 10.000 Samen pro Pflanze. Falls hungrige Wintergäste wie Schneeammer, Ohrenlerche, Berghänfling oder andere Fressfeinde die Samen verschonen, keimt die nächste Generation heran.

Bildergalerie Queller (zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Ökologie versus Feinschmecker?

Früher hat man die Asche dieser Pflanze zur Bereitung von Soda genutzt, die bei der Herstellung von Glas gebraucht wurde, heute ist Queller eher als Delikatesse aus dem Feinschmecker-Restaurant bekannt. Dafür erntet man im Mai von Hand nur die Spitzen. Das ergibt ein wertvolles Wildgemüse von leicht pfeffrigem Geschmack, welches als Rohkost, blanchiert oder als Einlage in gesalzenem Essig gegessen werden kann. Der auch Meeresspargel genannte Queller ist reich an Jod sowie anderen Nähr- und Mineralstoffen des Meeres, und sollte daher nur in kleinen Mengen genossen werden.

Salicornia ist als Gattung nicht gefährdet, sie umfasst etwa 10 bis 30 Arten, die weltweit an sandigen und schlickigen Küsten sowie an Salzseen vorkommen. Die Pflanzen spielen eine wichtige Rolle als Erstbesiedler von Verlandungszonen, häufig im Anschluss an Seegraswiesen, und tragen damit zum natürlichen Küstenschutz bei.

Der BUND setzt sich mit seinen ehrenamtlichen Gruppen aktiv für den Schutz von Salzwiesen und für natürliche Überflutungsräume ein. Die Erhaltung natürlicher Verlandungszonen ist dem technischen Küstenschutz vorzuziehen und bietet einen dynamischen Naturschutz in Zeiten des Meeresspiegelanstiegs.

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