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Invasive Arten: Globalisierung der Natur

Nicht nur in Wirtschaft, Wissenschaft und Medien ist die Globalisierung ein Thema – sondern auch im Naturschutz. Mit dem verstärkten globalen Austausch von Waren werden auch Pflanzen und Tiere über weite Strecken in Gebiete gebracht, in denen sie ursprünglich nicht heimisch sind: die invasiven Arten.

Klatschmohn und Kamille auf einer Wiese; Foto: Pitopia, Gudrun Münz, 2016 Gehören längst zur heimischen Flora: Klatschmohn und Kamille.  (Gudrun Münz / pitopia.de)

In Deutschland sind bisher einige tausend neue Tier- und Pflanzenarten durch menschliches Zutun "eingewandert". Diesen Austausch hat es auch in vergangenen Zeiten schon gegeben. Einige der vor Jahrhunderten eingewanderten "Neubürger" sind längst als Bereicherung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt oder wichtige Nutzpflanzen integriert. Viele uns vertraute Pflanzen wie Kulturapfel, Birne, Pflaume und Getreidearten wie Weizen und Gerste sowie Blumen und Heilpflanzen, z.B. Klatschmohn, Kornblume, Echte Kamille und Kornrade, sind mit den Römern zu uns gekommen.

Alle Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 nach Mitteleuropa gelangt sind, werden als Neophyten bezeichnet. Das sind etwa 12.000. Davon haben sich aber nur etwa 100 Pflanzen so "eingebürgert", dass sie als Teil unserer heimischen Flora angesehen werden.

Ungefähr 1.000 fremde Tierarten, so genannte Neozoen, sind bis jetzt in Deutschland festgestellt worden. 250 sind bei uns heimisch geworden.

Gefahr für Wirtschaft, Natur und Gesundheit

Einige der Neophyten und Neozoen gelten als invasiv, d.h. sie verbreiten sich sehr schnell und sind in ökologischer, ökonomischer oder gesundheitlicher Hinsicht bedenklich.

Einer Schätzung zufolge liegen die Kosten für die Beseitigung der Schäden, die durch invasive Arten verursacht werden, allein in der EU zwischen 9,6 und 12,7 Milliarden Euro pro Jahr. Nach einer Studie des Umweltbundesamts betrugen die volkswirtschaftlichen Belastungen von 20 untersuchten gebietsfremden Arten im Jahr 2002 in Deutschland rund 167 Millionen Euro.

Neuere Zahlen liegen für Deutschland noch nicht vor. Beispiele dafür sind Parasiten in der Land- und Forstwirtschaft wie der Asiatische Laubholzbock oder die schwere Allergien verursachende Ambrosie.

Invasive Arten können heimische Arten verdrängen

Robinienblüten; Foto: Pitopia, Werner Hilpert, 2009 Die konkurrenzstarke Robinie, ursprünglich in Nordamerika beheimatet, verdrängt seltene Biotoptypen wie Mager- und Sandtrockenrasen.  (Werner Hilpert / pitopia.de)

Schließlich sind auch einige Arten ein Problem für den Naturschutz: Invasive Arten treten mit den heimischen Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen. Sie können dadurch andere Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen. So wurde z.B. die einheimische Bibernell-Rose durch die neophytische Kartoffel-Rose in den Dünen Norddeutschlands verdrängt. Ein weiteres Beispiel ist das Indische Springkraut als mitunter einziger Bewuchs von Bachufern.

Invasive Arten können auch die Standortbedingungen und damit ökologische Kreisläufe verändern. Die Robinie z.B. siedelt in brach fallendem Halbtrockenrasen und begünstigt durch ihre Stickstoffanreicherung im Boden weitere, die Halbtrockenrasenarten verdrängende Arten.

Weniger offensichtlich und nur mit Labormethoden nachweisbar sind Einkreuzungen der Gene von Neophyten in einheimische Arten (z.B. durch Gartenformen der Gemeinen Akelei). Dies führt zum unmittelbaren Verlust einzelner Gene und damit von genetischer Vielfalt sowie zu einer schleichenden Veränderung der Art, die unter Umständen komplett durch den Neophyten "ersetzt" wird.

Neben dem Anbau in Land- und Forstwirtschaft gibt es weitere Möglichkeiten der Einschleppung und Freisetzung: Kanäle und Straßen dienen als Wanderwege, die Tiere brechen aus der Gefangenschaft aus, Gartenabfälle werden in der freien Landschaft "entsorgt".

Insgesamt nimmt die Bedeutung invasiver Arten in Wissenschaft, Recht und auch im Naturschutz zu. Vor allem Inselstaaten wie Neuseeland stehen durch gebietsfremde Arten schwerwiegenden Problemen gegenüber.

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Magnus J.K. Wessel

Leiter Naturschutzpolitik und -koordination
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