Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

OK

Die Kornweihe – eine bedrohte Flugkünstlerin

Die Kornweihe ist ein mittelgroßer Greifvogel und einer der prägenden der norddeutschen Küstengebiete und des angrenzenden Tieflandes. Inzwischen ist sie jedoch in Deutschland als Brutvogel fast ausgestorben – selbst in den für sie optimal geeigneten Brutgebieten auf den ostfriesischen Inseln.

Steckbrief und Lebensraum

Eine weibliche Kornweihe auf den ostfriesischen Inseln im Gleitflug Eine weibliche Kornweihe auf den ostfriesischen Inseln im Gleitflug  (Matthias Feldhoff)

Weihen sind meist mittelgroße Greifvögel mit ausgeprägt langen Schwänzen und Flügeln. In Europa gibt es vier Arten: Kornweihe, Wiesenweihe, Rohrweihe und Steppenweihe. Die Kornweihe hat eine Körperlänge von 42 bis 55 Zentimetern. Die Spannweite ihrer Flügel liegt dabei zwischen 97 und 118 Zentimetern.

Oft erkennt man Weihen schon an ihrem Flugmuster. Auf Gleitstrecken mit angehobenen, V-förmigen Flügeln folgen meist ein paar Flügelschläge an die wieder eine Gleitphase anschließt. Mit diesem Flugverhalten suchen sie offenes Gelände nach Nahrung ab: Kleinvögel, Mäuse, aber auch Insekten und Eidechsen stehen auf ihrem Speiseplan.

Die Kornweihe bewohnt Moore, Sümpfe, Schilfgürtel, Heidelandschaften in Niederungen und allgemein Feuchtflächen in offenen Landschaften. In Deutschland bewohnt sie meist Lebensräume an den Küsten und hier vor allem Dünentäler mit Kriechweidengestrüppe. Sie ernährt sich dabei hauptsächlich von kleinen Säugetieren, aber auch Vögeln, welche sie im typischen "Weihen-Suchflug" jagt. Ihr Nest baut sie auf dem Boden. 

Wissenswertes über die Kornweihe

Adultes Kornweihe-Männchen beim Abflug Adultes Männchen mit der typischen hell-blaugrauen Grundfärbung und den schwarzen Flügelenden beim Abflug  (Jens Halbauer)

Adulte Männchen sind durch ihre hell-blaugraue Färbung mit schwarzen Flügelspitzen sehr gut von Weibchen, von der Grundfärbung her braunen Tieren, zu unterscheiden. Weibchen und Jungtiere sind für Vogelbeobachter*innen eine der Herausforderungen, da sie leicht mit anderen Weihen verwechselt werden können. Man spricht hier meist von "Weißbürzelweihen", welche häufig nur anhand von Fachliteratur auseinanderzuhalten sind.

Die Kornweihe ist weltweit die Weihenart, mit dem größten Verbreitungsgebiet. Die nördliche Grenze des Verbreitungsgebietes liegt in Nordskandinavien, die östliche Grenze am Pazifik und Nordostsibirien, im Süden in Nordspanien und im Westen auf den britischen Inseln.

Die Kornweihe zählt zu den so genannten Kurzstreckenziehern – das heißt, sie legt keine großen Strecken zu ihren Winterquartieren zurück. Skandinavische Individuen überwintern teilweise in Deutschland. Die südlichsten Überwinterungsgebiete liegen in Nordafrika. Aber auch in Mitteleuropa kann man im Winter an geeigneten Stellen Ansammlungen von Kornweihen beobachten, die ihre Schlafbäume aufsuchen.

Bildergalerie der Kornweihe

(zm Vergrößern Bilder anklicken)

Kornweihen sind, im Gegensatz zu den anderen Weihenarten in Europa, mehr auf Kleinsäuger spezialisiert, welche sie im typischen Weihenflug aus der Deckung angreifen.

Während der Brutzeit von Ende April bis Juni ist bei Kornweihen häufig der sogenannte "Girlandenflug" zu beobachten. Hierbei folgt auf ein steiles Aufsteigen in die Luft ein fast senkrechtes Abstürzen. Zusätzlich zu diesen Schauflügen fliegen die Männchen ab und zu auch Scheinangriffe auf die Weibchen. Abseits dieser Balzrituale wählt das Revier wohl meist die Männchen aus, den Nestplatz auf dem Boden dann das Weibchen. 

Das Weibchen bebrütet die vier bis sechs Eier alleine und wird dabei vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa einem Monat. Die Nestlinge werden meist nur vom Weibchen gefüttert, bevor sie nach circa 30 bis 40 Tagen flügge werden. Anschließend kann man sie häufig noch wochenlang mit den Altvögeln zusammen herumfliegen sehen.

Schutzstatus und Entwicklung

Adultes Männchen nach nicht erfolgreicher Jagd Adultes Männchen nach nicht erfolgreicher Jagd  (Jens Halbauer)

In Deutschland ist der Bestand der Kornweihe rückläufig und sie ist auf der Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" aufgeführt. Noch bis ins 20. Jahrhundert war die Kornweihe ein zwar nicht sehr häufiger, aber doch recht verbreiteter Greifvogel im nordwest- und nordostdeutschen Tiefland. 

Unter anderem durch Entwässerung von Feuchtgebieten gingen die Bestände jedoch stark zurück und erloschen an vielen Stellen komplett. Dennoch gab es in den 1990er Jahren noch bis zu 55 Brutpaare auf den ostfriesischen Inseln. Ende der 1990er gingen jedoch die Bestände in den Niederlanden stark zurück und in diesem Zusammenhang halbierten sich auch die Bestände auf den Inseln. 

Mittlerweile ist die Kornweihe auf den ostfriesischen Inseln als Brutvogel fast ausgestorben – trotz guter Brut- und Nahrungsbedingungen. Grund dafür ist in erster Linie die touristische Übernutzung. Viele Menschen ignorieren Schilder, die die Vögel schützen sollen, was zu erheblichen Störungen der sensiblen Tiere durch Menschen, freilaufende Hunde, Drohnen etc. führt. 

Der BUND setzt sich dafür ein, der Kornweihe geeignete, beruhigte Zonen zu gewähren, damit diese prägende Art der deutschen Nord- und ehemals Ostseeküste und des angrenzenden Tieflandes nicht ganz als Brutvogel aus Deutschland verschwindet.

Zur Übersicht der Meeresschutz-Leitarten

Wir haben es satt!

Auf zur Demo!

BUND-Bestellkorb