Stark bedroht: Der Schweinswal

Der Schweinswal: Alles über den einzigen in Ostsee und Nordsee heimischen Wal

Während andere Walarten hin und wieder Gäste bei uns sind, leben Schweinswale dauerhaft entlang der deutschen Küste. Sie sind damit einzigartig und besonders schützenswert! Doch ihre Population ist bedroht. Lesen Sie jetzt alles über Lebensweise, Vorkommen und Bedrohung der Schweinswale in Deutschland.

Schweinswale in der Ostsee

In der Ostsee leben zwei genetisch unterschiedliche Schweinswalpopulationen:

  • Die Population in der westlichen Ostsee und Beltsee umfasst etwa 14.000 Tiere
  • Die Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee wird auf 400 bis 500 Schweinswale geschätzt

Die Population nimmt von Jahr zu Jahr ab. Stellnetze sind die Hauptursache für den Rückgang. Allein in der Beltsee sterben durch dänische und schwedische Stellnetzfischerei jährlich etwa 900 Schweinswale. Die Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee ist eine der am stärksten bedrohten Meeressäugerpopulationen Europas.

Wie sieht ein Schweinswal aus?

Schweinswal (Phocoena phocoena); Foto:  AVampireTear / CC-BY-SA-3.0 / Wikimedia Commons Schweinswale sind bedroht  (AVampireTear / Schweinswal (Phocoena phocoena) / http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Der Schweinswal ist zwischen 1,50 und 1,80 Meter lang, das Weibchen kann sogar zwei Meter lang werden. Sie wiegen ungefähr 50 bis 80 Kilogramm und können bis zu 20 Jahre alt werden. Die Lebenserwartung in unseren Gewässern ist aber stark gesunken und liegt nur noch bei acht Jahren.

Wovon ernähren sich Schweinswale? 

Schweinswale ernähren sich hauptsächlich von Hering, Lodde und Köhler – aber auch Tintenfische und Krebstiere stehen auf dem Speiseplan. Diese jagen die kleinen Wale öfters in Küstennähe. So können Schweinswale vor den Nord- und Ostseestränden gelegentlich gut beobachtet werden. Mit etwas Glück sind die Schweinswale beim Atemholen an der Meeresoberfläche zu erkennen, wenn sie ihr Blasloch kurz über Wasser halten.

Wie jagen Schweinswale?

Im trüben Meereswasser der Nord- und Ostsee jagen Schweinswale mit der Echolokation, ähnlich wie es Fledermäuse in der Dämmerung praktizieren. Die Meeressäuger stoßen dabei Schallimpulse aus, die von Hindernissen zurück reflektiert werden. Diese Reflektionsbilder verarbeiten die Schweinswale und erkennen daran, ob sie um Hindernisse schwimmen müssen oder einer Beute hinterher jagen können.

Schweinswale sterben durch Fischerei 

Jedes Jahr sterben hunderte Schweinswale in der Stellnetzfischerei als ungewollter Beifang, weil sie die dünnen Netze nicht erkennen können, sich darin verfangen und ertrinken. Nicht mal in ihren Meeresschutzgebieten sind die Ostsee-Schweinswale aktuell vor Stellnetzen in Sicherheit. Die wenigen geltenden Einschränkungen für die Fischerei sind nicht flächendeckend und reichen nicht aus, um dem Schweinswal eine echte Überlebenschance zu bieten. Der BUND fordert, dass ihre wichtigen Lebensräume endlich vollständig frei von Netzen werden.

Schiffsverkehr stört Schweinswale

Neben dem Beifang sind Schweinswale in der Ostsee zahlreichen weiteren Belastungen ausgesetzt. Der zunehmende Schiffsverkehr erhöht das Risiko von Kollisionen und erzeugt Unterwasserlärm, der die Schweinswale bei der Orientierung und bei der Suche nach Nahrung und Partnern stört. Durch hohe Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft ist die Ostsee überdüngt und es entsteht bodennah Sauerstoffmangel, sogenannte Todeszonen. Insgesamt verschlechtert sich dadurch der Zustand der Ostsee und damit auch die Lebensbedingungen der Schweinswale.

Meeresschutzgebiete sind unverzichtbar

Meeresschutzgebiete, die frei von Nutzung und Störung durch Menschen sind, können den Belastungen entgegenwirken und eine Chance auf Erholung bieten. Das Land Schleswig-Holstein wies im März 2026 drei neue Meeresschutzgebiete aus, in denen ab sofort keine Fischerei oder andere schädliche Aktivitäten wie Baumaßnahmen erlaubt sind. Auch Einschränkungen für den Schiffsverkehr seien geplant. Der BUND fordert, dass auch störende Nutzungen wie motorisierter Wassersport und dauerhafter Lärm konsequent in Meereschutzgebieten ausgeschlossen werden.

Der BUND fordert einen konsequenten und ambitionierten Rettungsplan für den Ostsee-Schweinswal:

  • die Einrichtung echter Nullnutzungszonen
  • die drastische Reduktion der Stellnetzfischerei
  • eine strengere Begrenzung von Unterwasserlärm
  • eine wirksame Senkung landwirtschaftlicher Nährstoffeinträge.

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