Die Moorschnucke: Knabbern für den Naturschutz

Die Moorschnucken produzieren im Vergleich zu anderen Schafrassen deutlich weniger Fleisch und Wolle, aber sie sind selbst die perfekten Naturschützer – ohne sie wäre der Schutz der wertvollen niedersächsischen Hochmoore kaum möglich.

Moorschnucken; Foto: BUND DHM Ohne die wolligen Klima- und Naturschützer wären die Hochmoore in Niedersachsen arm dran.  (BUND DHM)

Die Moorschnucke, auch "Weiße hornlose Heidschnucke" genannt, ist eine kleine und besonders leichte Schafrasse, die ihren ursprünglichen Lebensraum im südlichen Niedersachsen, genauer im Landkreis Diepholz zwischen Bremen und Osnabrück hat.

Die Moorschnucke hat weißes Fell, wird nur 40 bis 50 Kilogramm schwer, bis zu 55 Zentimeter hoch und trägt keine Hörner.

Die Landschafrasse graste bereits im 14. Jahrhundert in den niedersächsischen Moorniederungen. Auf den extremen Böden war sie über Jahrhunderte die wichtigste Haustierart und lieferte ihren Halter*innen Fleisch, Wolle, Felle und Dung für die Ackerflächen.

  • Die Moorschnucke (Weiße hornlose Heidschnucke), wiss. Ovis aries (ammon) f. aries ist eine Landschafrasse und gehört zu den Heidschnucken.
  • Merkmale: Sehr kleine Landschafrasse mit feinem Knochenbau; Gewicht: ca. 40 bis 50 Kilogramm; Widerristhöhe: 50 bis 55 Zentimeter; alle Tiere sind hornlos, haben schräg aufwärts stehende Ohren und einen kleinen länglichen Kopf; das Haarkleid ist mischwollig weiß.
  • Lebensraum: v. A. Niedersachsen. Verbreitungsgebiete sind Hochmoorgebiete und Magerwiesen vor allem in Nord- und Mitteldeutschland.
  • Gefährdung: Klasse III (gefährdet) der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen

Ein kleines Schaf leistet Großes für den Natur- und Klimaschutz

Die Moorschnucke ist perfekt an das karge Futterangebot der Moorlandschaften und Magerwiesen angepasst. Die Tiere ziehen in Herden durch Wiesen, Sümpfe und Feuchtgebiete und ernähren sich von Heidekraut, Moorgräsern, Pilzen, Moosen, Beerensträuchern und jungen Birken.

Sie tragen dazu bei, die Moorflächen offen zu halten und sind damit hervorragende Natur- und Klimaschützer. Denn Moore sind wichtige Lebensräume für seltene Arten wie Birkhuhn, Brachvogel und Goldregenpfeifer und gleichzeitig unverzichtbare Kohlenstoffspeicher.

Fleischschafrassen verdrängen die Moorschnucke – Naturschützer*innen und Züchter*innen halten dagegen

Noch im Jahr 1936 war die Moorschnucke mit 94 Prozent am Gesamtschafbestand im norddeutschen Raum vertreten. Der Niedergang der Moorschnucken begann, als sich die Moorbeweidung als zu unrentabel erwies und hochgezüchtete Fleischschafrassen die alten Landrassen fast vollständig verdrängten.

Heute gibt es nur noch rund 3.000 Moorschnucken in Deutschland. Die Rasse gilt laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen als gefährdet. Dass die Moorschnucke nicht ausgestorben ist, ist engagierten Naturschützer*innen und Züchter*innen zu verdanken. So setzte sich ein ehemaliger Schäfer in Sulingen über Jahrzehnte für den Erhalt der stark bedrohten Haustierrasse ein. Er rettete einen der letzten Bestände der Moorschnucken vor dem Untergang und stockte ihn nach und nach auf.

Vor allem die Tatsache, dass mit der Moorschnucke wertvolle Moore erhalten und renaturiert werden können, hat ihr schließlich bis heute das Überleben gesichert. Inzwischen wird die Moorschnucke in verschiedenen Moorschutzprojekten zur extensiven Beweidung eingesetzt. Auch hat sie sich in anderen Bundesländern verbreitet und kommt zum Beispiel in Schleswig-Holstein, in Brandenburg, in Sachsen, in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und in Bayern vor.

BUND-Schäferei zum Schutz der Moorschnucke und der Moore

Moorschnucken; Foto: BUND DHM Geschützte Marken: die "Diepholzer Moorschnucken"  (BUND DHM)

Der BUND ist seit 35 Jahren in der Diepholzer Moorniederung aktiv und hat als wichtigstes Ziel, wieder wachsendes Hochmoor zu erreichen. Dank umfassender Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen – auch durch die Diepholzer Moorschnucke – sind heute einige Tausend Hektar Hochmoorflächen wieder Heimat zahlreicher gefährdeter Pflanzen und Tiere.

Damit die wolligen Naturschützer den menschlichen Naturschützer*innen auch weiterhin beim Moorschutz helfen können, hat der BUND Niedersachsen im Dezember 2017 eine Moorschnucken-Schäferei übernommen.

Inzwischen wurde die von den Schäferei-Betrieben in der Region gemeinsam ins Leben gerufene Bezeichnung "Diepholzer Moorschnucke" von der EU als Qualitätserzeugnis in die Liste "schützenswerter Ursprungsbezeichnungen" eingetragen. Dies ist der höchste Markenschutz für regionale Produkte in Europa. Und das Fleisch der Diepholzer Moorschnucke wird als Delikatesse vermarktet.

ZumArtensteckbrief: Die Moorschnucke (PDF)

Der BUND fordert zur Rettung der Moorschnucke:

Infografik zur Moorschnucke  (BUND)

  • Um seltene Nutztierrassen besser zu schützen, müssen sie gehalten und genutzt werden – damit sich das lohnt, braucht es andere Rahmenbedingungen.
  • Es braucht eine andere EU-Agrarpolitik: Anstatt Geld weiter mit der Gießkanne pauschal nach der Flächenausstattung der Bauernhöfe zu verteilen, müssen die Milliarden aus Brüssel dafür genutzt werden, gesellschaftliche Leistungen der Landwirt*innen zu honorieren. Für Klimaschutz, Tierwohl und den Erhalt der Artenvielfalt.

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