Feldhamster in Gefahr: Kein Bett im Kornfeld

Der Feldhamster ist eine der am stärksten gefährdeten Säugetierarten Deutschlands. Noch bis in die 80er Jahre als weitverbreiteter Getreideschädling in der Landwirtschaft bekämpft, steht er heute kurz vor dem Aussterben.

Stark bedroht: Der Feldhamster Unter den Hamstern ist der Feldhamster ein kleiner Riese.  (Simon Johannes / AdobeStock)

Mit gerade einmal sieben Gramm – so viel wie eine Ein-Euro-Münze wiegt – kommt ein Feldhamster auf die Welt. Er futtert Getreide, Wildkräuter, ab und zu Insekten und bringt als Erwachsener stattliche 500 Gramm auf die Waage. Damit ist er doppelt so groß wie sein kleiner Verwandter, der als Haustier gehaltene und aus Syrien stammende Goldhamster. Am liebsten lebt der Feldhamster in Kornfeldern, unter denen er seinen weitverzweigten Bau anlegt. Im Winter hält der kleine, kräftige Kerl mit kurzen Unterbrechungen sechs Monate Winterschlaf. Im Spätsommer und Frühherbst sammelt er dafür kiloweise Samen und Körner und lagert sie in seine unterirdischen Vorratskammern ein. Seine dehnbaren Backentaschen erleichtern ihm dabei das sprichwörtlich gewordene Hamstern.

Keine Chance gegen den Menschen

Grafik: Zwei bis vier Kilo Getreide lagert der Hamster. Zwei bis vier Kilo Getreide lagert der Hamster.  (Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND))

Bei Gefahr lässt sich der Feldhamster entweder in die von ihm eigens dafür eingerichtete Fallröhre plumpsen. Oder aber er richtet sich auf, faucht und zeigt seinen weiß geränderten schwarzen Bauch – seine Fressfeinde sollen diesen als Rachen wahrnehmen und am besten: flüchten.

Als Getreideliebhaber profitierte der Feldhamster zwar zunächst von der sich ausbreitenden Landwirtschaft. Noch in den 60er- und 70er-Jahren galten Feldhamster hierzulande als Plage. Doch der Einsatz von modernen und hocheffizienten Maschinen in der intensivierten Landwirtschaft, der Wechsel zu früh reifenden Getreidearten sowie das schnelle Unterpflügen der Stoppelfelder hat ihn an den Rand der Ausrottung gebracht. Es bleiben kaum mehr Erntereste übrig. Die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und der Bau von Siedlungen auf Ackerflächen sind zusätzliche Faktoren, warum der Feldhamster kaum mehr Überlebenschancen in Deutschland hat.

Immer seltener in Deutschland

Der Feldhamster ist nur noch in wenigen Gebieten seines ursprünglichen Lebensraumes zu finden und das meist auch nur noch in winzigen, voneinander getrennten Populationen. In Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nordbayern, Hessen, Südniedersachen, im nordöstlichen Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz lässt sich das seltene, nachtaktive Tier mit viel Glück noch beobachten. Der Feldhamstersteht auf der Roten Liste und gilt als akut vom Aussterben bedroht. Gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU ist er eine streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse.


Der Feldhamster (Cricetus Cricetus) ist ein Nagetier aus der Familie der Wühler und der Unterfamilie der Hamster. Er ist die einzige Art der Unterfamilie Hamster in Deutschland.

  • Merkmale: Bis zu 35 cm lang; kurzer Stum-melschwanz (3–5 cm); 200–650 g schwer; brauner Rücken, helle Flecken an Kopf und Körperseiten, weiße Pfoten und schwarzer Bauch; dämmerungs- und nachtaktiv; Winterschlaf: Oktober bis März; Nachwuchs zwischen April/Mai und Oktober, in der Regel drei Würfe; wird bis zu drei Jahre alt; frisst Feldfrüchte, Gräser, Kräuter, Insekten und kleine Wirbeltiere; fürchtet Fuchs, Greifvögel und Hauskatzen.
  • Lebensraum: Der Feldhamster bevorzugt strukturreiche, kleingliedrige Ackerlandschaften mit tiefgründigen, gut grabbaren Böden für seine bis zu zwei Meter tiefen Baue.
  • Gefährdung: Rote Liste Deutschland und Internationale Rote Liste: vom Aussterben bedroht; Bestand aktuell: sehr selten; Trend kurz: sehr starke Abnahme; Trend lang: sehr starker Rückgang
  • Schutzstatus: FFH-Richtlinie der EU: streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse Besonders hohe Verantwortlichkeit Deutschlands für den Erhalt dieser Art.

 

Der Feldhamster: Künstler der Selbstverteidigung 500 Gramm bringt ein ausgewachsener Feldhamster auf die Waage.  (Matthias Gall)

Doch die Hamsterhelfer geben nicht auf!

Der BUND kämpft in allen Bundesländern für den Feldhamster. Seit mehr als 20 Jahren setzen sich die Umweltschützer zum Beispiel in Hessen für den Schutz des Feldhamsters ein. In der Wetterau nördlich von Frankfurt am Main gründete der zugehörige Kreisverband das Projekt "Hamsterhelfer". In Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten und weiteren lokalen Akteuren baut der BUND Wetterau in der Region kleinflächig unterschiedliche Feldfrüchte an, die zu allen Jahreszeiten Deckung und Nahrung für den Feldhamster und andere Tierarten bieten. Der BUND kämpft vor Ort für den Erhalt von Ackerrand- und Erntestreifen und organisiert Hamster-Exkursionen.

ZUM ARTENSTECKBRIEF: DER FELDHAMSTER (PDF)

Der BUND fordert 

  • Sympathien für den Hamster aufbauen, damit Landwirt*innen bei seinem Schutz mitmachen.
  • Finanzielle Förderung einer Feldhamster-freundlichen Bewirtschaftungsweise – zum Beispiel, wenn Erntestreifen stehen gelassen oder eine  Bodenbearbeitung nur zwischen Mitte Oktober und Ende März vorgenommen wird sowie den Stopp Hamstertötender Pestizide (Rodentizide).
  • Die Lebensräume der Hamster so aufbauen, dass sich ihre Restpopulationen wieder vergrößern können.
  • Bei Bauvorhaben auf Grundstücken mit nachgewiesenen Hamstervorkommen müssen Alternativstandorte geprüft werden.

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