Der Hering: Kleiner Fisch mit großer Bedeutung

Heringe kommen in riesigen Schwärmen vor und sind für viele andere Meerestiere eine überlebenswichtige Nahrungsgrundlage. Doch vor allem in der Ostsee ist die Zukunft der kleinen silbernen Fische durch Überfischung, Klimawandel und Überdüngung stark gefährdet.

Immer weniger Heringsschwärme tummeln sich in der Ostsee. Wichtiges Futter für große Fischarten: der Hering.  (Axel Kuhlmann)

Der Atlantische Hering (Clupea harengus) ist eine der am häufigsten vorkommenden Fischarten der Welt. Die geselligen Fische bilden riesige Schwärme, die meist weit entfernt von den Küsten im offenen Meer schwimmen.

In den Schwärmen kommunizieren Heringe miteinander durch Töne, die sie erzeugen, indem sie Luft aus ihrer Schwimmblase durch den Anus drücken, also pupsen.

Heringe mögen kühles Wasser und leben deswegen am Übergang von gemäßigten und polaren Meeresbereichen im Nordatlantik, von Norwegen bis Grönland und bis vor die amerikanische Ostküste und in der Ostsee.

Heringe werden maximal 45 Zentimeter lang und ein Kilogramm schwer. Ihr Körper ist glänzend silbern, häufig mit einem blau oder grün schimmernden Rücken. Große Heringsschwärme werden deswegen auch als das "Silber der Meere" bezeichnet.

Nach frühestens drei Jahren werden die Fische geschlechtsreif und suchen zum Laichen flache Küstengebiete auf. Ein Heringsweibchen legt etwa 30.000 klebrige Eier auf Unterwasserpflanzen, Felsen oder Kies am Meeresboden ab, wo die Larven nach 10 bis 40 Tagen schlüpfen und ihr langes Leben beginnen. Denn Heringe können bis zu 20 Jahre alt werden.

Ein wichtiger Teil der Nahrungskette

Weil Heringe so zahlreich vorkommen und von vielen verschiedenen Meerestieren gefressen werden, sind sie eine wichtige "Schlüsselart". Viele große Fischarten, aber auch Wale, Robben und Seevögel sind auf die kleinen Fische als Futter unbedingt angewiesen. Auch für die Menschen an der Küste waren Heringe lange Zeit eine wichtige Nahrungsgrundlage und wurden aufgrund ihrer Bedeutung auch als "Brotfisch" bezeichnet. Für viele deutsche Fischereibetriebe ist Hering immer noch die wichtigste Fischart, vor allem in der Ostsee.

Doch durch die Entwicklung der industriellen Schleppnetzfischerei brachen schon in den 1970er Jahren die Heringsbestände in großen Teilen des Nordatlantiks vollständig zusammen. Für einige Jahre musste die Fischerei komplett eingestellt werden, um die Art zu retten. Während sich der Heringsbestand in der Nordsee inzwischen wieder erholen konnte, geht es den beiden Beständen in der Ostsee weiterhin schlecht. Für die westliche Ostsee empfehlen Wissenschaftler*innen sogar einen Fangstopp.

Rückgang des Bestands in der Ostsee

Die Gründe dafür, dass es dem Hering in der Ostsee so schlecht geht, sind vielfältig: Neben der Überfischung machen ihnen vor allem der menschengemachte Klimawandel und die Überdüngung zu schaffen. Weil die Winter immer wärmer werden, gerät der eingespielte Fortpflanzungs-Rhythmus aus dem Takt. Die Heringslarven schlüpfen zu früh, finden keine Nahrung und verhungern. Außerdem hat durch Überdüngung und Grundschleppnetzfischerei die Fläche von Wasserpflanzen stark abgenommen und die Heringe finden immer weniger Pflanzen, an denen sie ihre Eier ablegen können.

Der BUND setzt sich dafür ein, dass alle Fangquoten den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen. Wo notwendig, müssen Schonzeiten und Fangstopps durchgesetzt werden. Wichtige Laichgründe wie Seegraswiesen und Steinriffe müssen wiederhergestellt, bewahrt oder neu geschaffen werden. Außerdem muss der Eintrag von Nährstoffen in die Meere reduziert werden.

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