Der Deutsche Löwenzahn: Von wegen Pusteblume

Als „Unkraut“ bekämpft, als Pusteblume geliebt: Der Löwenzahn gilt als Allerweltspflanze. Dabei sind etliche seiner vielen Arten vom Aussterben bedroht.

Der Deutsche Löwenzahn Der Deutsche Löwenzahn ist nur noch in Bayern und Hessen zu finden.  (Heye Jensen)

Die artenreichste Pflanzen-Gattung Deutschlands

Blühender Löwenzahn Der gemeine Löwenzahn ist überall bekannt, aber nicht zu verwechseln mit seinem deutschen Artgenossen.  (Adobe Stock)

Jede*r kennt die leuchtend gelben Blumenpuschel, die ab dem Frühjahr übers ganze Land verteilt und unübersehbar aus Wiesen, Feldrändern oder Gehwegritzen hervorschießen. Der Löwenzahn ist eine äußerst anpassungs-fähige Pflanze, die nahezu alle Lebensräume Deutschlands von mageren Sanddünen über Feuchtwiesen bis hin zu hochalpinen Regionen besiedelt.

Allerdings handelt es sich hierbei nicht nur um eine einzige Art. Der Löwenzahn hat mehr als 400 sogenannte Kleinarten. Damit ist er die artenreichste Gattung in Deutschlands Pflanzenwelt. Das besondere am Löwenzahn ist, dass er sich ungeschlechtlich fortpflanzen kann – er kann ohne Befruchtung neue Samenstände bilden. Alle neuen Löwenzähne, die aus seinen Samen hervorkommen, sind genetisch identisch mit ihm: kleine Löwenzahn-Klone.

Der Vorteil: Ein gut angepasstes Individuum kann sich an einem günstigen Standort genetisch identisch vermehren und schnell große Population aufbauen. Der Nachteil: Gerade hoch spezialisierte Löwenzahn-Arten verschwinden bei Umweltveränderungen besonders schnell, da sie mit ihren sehr speziellen ökologischen Ansprüchen kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Die Folge ist, dass inzwischen 30 Löwenzahn-Arten auf der Roten Liste Deutschlands stehen, eine Art gilt bereits als ausgestorben.

Alle Fakten: Der Deutsche Löwenzahn (Taraxacum germanicum Soest)

Der Löwenzahn (Taraxa-cum) gehört zur Organismengruppe der Farn- und Blütenpflanzen und ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Der Deutsche Löwenzahn zählt zu den Sumpf-Löwen-zähnen (Palustria).

  • Merkmale: Wuchshöhe 7–18 cm; Blattstiel: rosa bis purpurn gefärbt; Blätter: schmal und spitz zulaufend, gezahnt, am oberen Ende in Dreiecksform; Blütenköpfe; sattgelb mit Durchmesser 2,5–3,5 cm; anders als beim Gewöhnlichen Löwenzahn sind die äußeren Blüten-Hüllblätter eng bis locker anliegend.
  • Lebensraum: Feuchte, nährstoffarme und auch salszbeeinflusste Wiesen; vereinzelte Vorkommen nur noch in Hessen, Bayern und und in den an-grenzenden Österreichische Alpen.
  • Gefährdung: Rote Liste Deutschland: stark gefährdet; Bestand aktuell: sehr selten; Trend kurz: Abnahme; Trend lang: mäßiger Rückgang
  • Besonders hohe Verantwortlichkeit Deutschlands für den Erhalt dieser Art.

Der Deutsche Löwenzahn wächst nur noch selten in Deutschland

Der Deutsche Löwenzahn ist seltener als seine Artgenossen. Der Deutsche Löwenzahn ist seltener als seine Artgenossen.  (Heye Jensen)

Während zum Beispiel der Gewöhnliche Löwenzahn weit verbreitet ist und von den stickstoffreichen Böden der konventionellen Landwirtschaft profitiert, kommen andere Arten wie der Deutsche Löwenzahn durch den Ackerbau unter die Räder. Ursprünglich war der zu den Sumpf-Löwenzähnen zählende Deutsche Löwenzahn in feuchten, nährstoffarmen und salzbeeinflussten Wiesen von Nord- bis Süddeutschland verbreitet.

Weltweit gibt es ihn – wie der Name schon erahnen lässt – nur in Deutschland. Inzwischen findet man jedoch nur noch wenige seiner Art in Hessen und in Bayern. Der Grund: Sein Lebensraum schrumpft, weil Wiesen zu Ackerland umgewandelt sowie Flachmoore und feuchtes Grünland für die Landwirtschaft entwässert wurden. Auch macht ihm die Stickstoffbelastung durch den hohen Düngeeintrag aus der konventionellen Landwirtschaft zu schaffen. Sumpf-Löwenzähne sind zudem sehr konkurrenzschwache Pflanzen, die von einer dichten und hochwüchsigen Vegetation leicht verdrängt werden.

Der Deutsche Löwenzahn gilt hierzulande als stark gefährdet und ist es somit auch weltweit. Deutschland kommt eine besonders hohe Verantwortung zum Erhalt dieser Art zu.

Der BUND fordert:

  • Feuchtgrünland und Flachmoor-Bereiche müssen erhalten und extensive Beweidungsformen gefördert werden.
  • Die Düngung und damit die Nährstoffeinträge in den Boden müssen weiter reduziert werden.
  • Endemiten, also Pflanzen, die nur in einer bestimmten Umgebung vorkommen, müssen mit den europaweit geschützten Arten gleichgestellt und in das Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen werden.

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