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Abfallvermeidung und -verwertung: Klima- und Ressourcenschutz

Der beste Abfall ist der, der überhaupt nicht entsteht. Nachhaltigkeit und Wegwerfmentalität passen nicht zusammen. Abfallvermeidung muss somit das oberste Ziel einer ökologischen Abfallwirtschaft sein, denn jede Form von Sortierung, Behandlung, Verwertung und vor allem Beseitigung ist mit dem Verbrauch oder Verlust von Rohstoffen und Energie verbunden.

Abfall und Rohstoffe. Foto: airborne77 / Fotolia.com Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht.  (airborne77 / Fotolia.com)

Jährlich fallen in deutschen Haushalten etwa 37 Millionen Tonnen Abfälle an, das sind 450 Kilo­gramm pro Einwohner und Jahr. Rund 55 Prozent der Abfälle fließt in die Verwer­tung. Ein stoffliches Recycling findet bei Altpapier, Altmetallen, Altglas, fast allen Bioabfällen und knapp der Hälfte der Kunststoffabfälle statt.

Zahlreiche Elektrokleingeräte, Elektronikartikel, Rechner und Zubehörteile landen im Hausmüll. Damit ist nicht nur eine Energieverschwendung verbunden, auch viele wertvolle Materialien – wie seltene und auf dem Weltmarkt knapp werdende Metalle – gelangen bei der Verbrennung in die Schlacke und Filterstäube und sind damit verloren. Der BUND fordert höhere Recyclingquoten und stärkere Anreize zur Vermeidung festzuschreiben.

Abfall: Vermeiden vor Recycling, Recycling vor Be­sei­ti­gung

Abfallhierarchie laut EU-Gesetzgebung (Abfallrichtlinie):

  • Abfallvermeidung
  • Vorbereitung zur Wiederverwendung
  • Recycling
  • Andere Verwertungsverfahren, z.B. thermische Verwertung (Verbrennung unter Energierückgewinnung)
  • Beseitigung

Beispiele für Abfallvermeidung sind Mehrwegsysteme, wie etwa Mehrweg-Getränkeflaschen. Sie werden nach wie vor in ihrer Ökobilanz von keiner anderen Getränkeverpackung übertroffen. Auch die Wiederverwendung von Gegenständen, die noch gar nicht zu Abfall geworden sind, wie von gut erhaltenen Möbeln und Gebrauchsgegenständen ist Abfallvermeidung. Sie gelingt umso besser, je länger die Lebensdauer dieser Produkte ist, und je reparaturfreundlicher sie sind.

Quoten beim Recycling könnten höher sein

Alte Zeitungen. Foto: sonja_paetow / CC0 1.0 / pixabay.com Stoffliches Recycling funktioniert gut bei Glas, Metallen und Papier/Karton.  (sonja_paetow / pixabay.com)

Stoffliches Recycling funktioniert gut bei Glas, Metallen und Papier/Karton. Die Recyclingquote für Glas liegt über 80 Prozent, die erneute Nutzung spart große Mengen Energie. Auch die Rücklaufquote für Papier lag 2009 über 80 Prozent.

Viele Papier- und Pappearten werden praktisch ausschließlich aus Altpapier hergestellt. Bei der Herstellung von Recyclingpapiers werden im Vergleich zu Frischfaserpapier jeweils rund 60 Prozent(!) Energie und Wasser eingespart.

Insgesamt sind die Recyclingquoten noch steigerungsfähig. Aus Gründen der Rohstoff- und Energieeffizienz fordert der BUND ein stärkeres Engagement der Politik, um die Recyclingquoten zu erhöhen. Für das Recycling von Siedlungsabfällen sollte eine gesetzliche Vorgabe von insgesamt 80 Gewichts­prozent festgeschrieben werden.

Für die Abfallfraktionen Papier, Metall und Glas sind 85, für Elektro- und Elektronikschrott 90 Gewichtsprozent machbar. Ein sinnvoller Schritt ist in diesem Zusammenhang die verbesserte Abfallerfassung mittels Wertstofftonne. Dort hinein sollen Leichtverpackungen und andere Kunststoffe und Metalle, unabhängig davon, ob es Verpackungen sind. Für Elektrokleingeräte sollten separate Erfassungssysteme ausgebaut werden.

Verbrennen ist die schlechteste Option

Bei der thermischen Verwertung wird zwar in der Verbrennungsanlage ein Teil der im Abfall enthaltenen Energie zurückgewonnen, doch ist die Energiebilanz in aller Regel ungünstiger als bei einer hochwertigen stoffliche Verwertung, und wertvolle Materialien wie Kupfer und Edelmetalle gehen verloren.

Der BUND setzt sich dafür ein, dass das Verbrennen in Müllheizkraftwerken nicht einer stofflichen Verwertung gleichgestellt werden darf, wie es im Entwurf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes der Bundesregierung für heizwertreiche Abfälle möglich ist.

Fragen und Antworten zum Thema Plastikmüll

Die vielen Anfragen, die den BUND immer wieder zum Thema Plastik erreichen, zeigen, dass viel Unklarheit herrscht, was der "beste" Weg im Umgang mit Kunststoffen ist. Die folgenden Fragen und Antworten sollen dabei helfen, Probleme zu erkennen und Lösungswege aufzuzeigen.

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Was ist Kunststoff oder "Plastik"?

Immer mehr Stoffe werden künstlich durch chemische oder physikalische Methoden hergestellt. Grund dafür sind meist die technischen Anforderungen an das Material. Sie werden dann meist zu langzeit-stabilen Kunststoff-Werkstoffen, die sich in der Natur nur sehr langsam abbauen. Das Wort "Plastik" für Kunststoffe hat sich deshalb eingebürgert, weil diese Stoffe sehr gut verformbar (= plastisch) sind.

Die häufigsten Ausgangsmaterialien von Kunststoffen sind Erdöl und Erdgas. Nur ein kleiner Teil entsteht zunächst aus natürlichen Stoffen (wie z.B. Mais, Zucker, Stärke). Die chemischen Veränderungen machen jedoch auch diese Kunststoffe zu Stoffen, die sich problematisch in der Umwelt verhalten.

Dadurch, dass Kunststoffe vielfach in Einwegprodukten genutzt werden, steigt die Abfallmenge. Wird der Rohstoff aus dem Abfall nicht sauber in den Kreislauf der Verwertung geführt, entsteht ein sogenannter "Eintrag" in die Umwelt. Als naturfremder und langlebiger Stoff belastet Plastik dann die Lebewesen, etwa bei der Nahrungsaufnahme von Tieren.

Woher kommt das Plastik in der Umwelt eigentlich?

Durch den immensen Plastikverbrauch gelangen auch viele Kunststoffe in die Umwelt. Jede*r kennt das aus dem Alltag: Lebensmittel und Produkte werden immer aufwendiger verpackt – und der Müll dann achtlos oder vorsätzlich in der Natur, in Parks, auf Straßen oder öffentlichen Plätzen entsorgt. So ist das öffentliche Bewusstsein zu den negativen Auswirkungen von Kunststoffen für die Umwelt in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Neben öffentlich breit diskutierten Themen wie der Verzicht auf Plastiktüten oder Einweg-Kaffeebecher gelangen auch weitere Quellen und Eintragspfade von Plastik in die Natur zunehmend in den öffentlichen Fokus. So werden infolge von Missbrauch und mangelnder Kontrolle in der deutschen Abfallwirtschaft trotz klarer rechtlicher Vorgaben immer wieder Einträge von Plastik in die Umwelt verursacht. Die Freisetzung von Kunststoffen erfolgt aber auch bereits im Herstellungsprozess, bei der Weiterverarbeitung zu Produkten und bei der Nutzung im Freien. 

Lange Zeit wurde das Thema nicht ausreichend ernst genommen. Nun laufen immer mehr Untersuchungen an, um die schädlichen Auswirkungen von Plastik auf die Umwelt zu erfassen und zu beurteilen.

In einer Studie des Fraunhofer Instituts Umsicht aus dem Jahr 2018 wird der Plastikeintrag in Deutschland auf knapp 450.000 Tonnen pro Jahr geschätzt. Davon besteht der Großteil (330.000 Tonnen) aus Mikroplastik, also Kunststoffteilen mit einer Kantenlänge von weniger als fünf Millimetern. Die verbleibenden 26 Prozent bestehen aus größeren Teilen, die im Laufe der Zeit auch zu Mikroplastik zerfallen können.

Wie viele Kunststoffabfälle werden recycelt?

Insgesamt werden hierzulande derzeit nur 17,3 Prozent der Kunststoffabfälle recycelt. Wenn auch das Recycling der Produktionsabfälle bei der Kunststoffverarbeitung hinzugerechnet wird, sind es 30,6 Prozent. Bei diesen Zahlen ist das Recycling "deutschen" Abfalls im Ausland nicht berücksichtigt, da keine absolut verlässlichen Zahlen zur Verfügung stehen.

Weltweit fällt die Quote sogar noch geringer aus: Gerade einmal neun Prozent der im Jahr 2015 angefallenen Kunststoffabfälle wurden recycelt.

Ist Plastikrecycling überhaupt sinnvoll? Wäre es nicht besser, Plastikmüll komplett in Deutschland zu verbrennen und die Abwärme energetisch zu verwerten?

Plastikrecycling ist ökologisch sinnvoll! Wenn mehr Kunststoff recycelt als verbrannt wird, sparen wir damit Energie, fossile Rohstoffe und CO2-Emissionen ein.

Dies wird besonders deutlich, wenn die beiden Alternativen Recycling und Verbrennung energetisch gegenübergestellt werden: So bleiben beim Recycling etwa 85 Prozent des Energieinhalts der Kunststoffe erhalten (und können damit weiter genutzt werden), während bei der Verbrennung gerade mal 30 Prozent genutzt werden können. Die Differenz muss im Falle der Verbrennung für die Herstellung neuer Produkte erneut aufgewendet werden. 

Bei der Verbrennung gehen zudem natürlich auch die Rohstoffe verloren, aus denen die Produkte, die letztlich zu Abfall geworden sind, hergestellt sind. Es geht dabei ja nicht nur um Kunststoffe, sondern auch um kaputte Gebrauchsgegenstände usw. So lässt sich beispielsweise höchstens ein Teil der Metalle nach der Verbrennung noch abtrennen und verwerten.

Zudem liegt die Effizienz von Müllverbrennungsanlagen in Bezug auf die Energiegewinnung weit unter der Effizienz anderer Erzeugungsarten. Dies liegt an der sehr aufwändigen Reinigung der Abluft aus dem Verbrennungsprozess, die notwendig ist, um Schadstoffe aus dem Abgas herauszufiltern. Die Reinigung verbraucht natürlich auch wieder Rohstoffe und Energie.

Und aus der Müllverbrennung resultieren natürlich Emissionen: durchschnittlich 0,7 bis 1,2 Tonnen CO2 pro Tonne verbranntem Abfall, ungefähr die Hälfte davon fossil. Je nach Zusammensetzung des Mülls kann diese Zahl aber auch deutlich höher ausfallen.

Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) festgelegte Abfallhierarchie sieht als ersten Punkt die Abfallvermeidung vor. Dies ist der sinnvollste Schritt zur Lösung des Problems im Umgang mit Plastik. Nach der Vorbereitung zur Wiederverwendung und dem Recycling folgen danach die Verwertung (auch Verbrennung) und Beseitigung. Diese Rangfolge stellt aus Sicht des BUND auch eine logische Herangehensweise an das Plastikproblem dar. So muss der größte Aufwand bei der Lösung des Problems, nämlich in die Vermeidung von Plastikmüll investiert werden.

Der meiste Müll fällt doch in Asien an, warum soll ich dann hier trennen?

Erstmal ist festzuhalten, dass in den meisten asiatischen Staaten (pro Kopf) gar nicht so viel Müll anfällt wie in den Industrieländern (inkl. Japan). Der Müll dort besteht zudem überwiegend aus Biomüll. In vielen asiatischen Staaten sind zudem schon Recyclingmaßnahmen eingeleitet worden (z.B. China, Japan und Südkorea), die aber sicherlich noch intensiviert werden müssten. 

Abgesehen davon: Was spricht dagegen, wenn wir in Deutschland mit vernünftigen organisatorischen Maßnahmen und effektiver Technik vorangehen? Dann können wir ein gutes Beispiel abgeben, dass von anderen übernommen werden kann. Das Trennen und Verwerten von recycelbaren Abfällen hat nicht nur für Deutschland, sondern für alle Länder Vorteile, weil dadurch Rohstoffe gespart und Arbeitsplätze geschaffen werden.  

Und abseits technologischer und wirtschaftlicher Argumentationen: Auch hierzulande landet viel zu viel Plastik in der Natur. Die Suche nach Lösungen für das Plastikproblem geht alle an. Mit weniger Plastik ist der erste Schritt schon getan. 

Dadurch kann sich auch die aus Deutschland nach Asien exportierte Plastikmüllmenge reduzieren, die dort nach wie vor zur Verschärfung des Problems beiträgt. Denn der Müll wird in den asiatischen Importländern mangels Kapazität meist nicht recycelt, sondern anderweitig entsorgt. 

Deutschland war im Jahr 2018 im weltweiten Vergleich immer noch auf Platz 3 der größten Exporteure von Plastikmüll! Dies könnte allein schon durch schärfere Regelungen und Kontrollen für den Export von Plastikmüll geändert werden.

Warum soll ich meine Kunststoffabfälle trennen? Kann das heute nicht schon alles technisch gelöst werden?

Wenn Wertstoffe bereits im Haushalt gestennt gesammelt werden, ergibt das stets eine bessere Qualität bei den Recyclingprodukten. Die Materialien sind sauberer und können so bei der technischen Nachsortierung deutlich besser voneinander getrennt werden.

Da Rohstoffe weltweit knapper werden, wird auch die Nachfrage nach Sekundärrohstoffen höherer Qualität weiter steigen. Dies gilt nicht nur für Kunststoffabfälle, sondern z.B. auch für Altpapier, also für die blaue Tonne. Bei Kunststoffabfällen und bei Altpapier wird die getrennte Sammlung immer nötig sein, da sie im Gemisch mit Restmüll viel zu leicht verschmutzt würden.

Ob ich den Müll trenne oder nicht, der wird doch sowieso zusammen geschmissen.

Das hört man zwar oft, es stimmt aber nicht! 

Altpapier und Kartonagen, Altglas und Biomüll werden – einmal getrennt und über die verschiedenfarbigen Wertstofftonnen erfasst – nicht miteinander vermischt. Denn nur getrennt sind sie gut verwertbar und bringen normalerweise auch Geld ein. Bei den Leichtverpackungen ist die Verwertung schwieriger. Doch zumindest die Metalle lassen sich gut recyceln. Bei Getränkekartons wird in der Regel der Papieranteil recycelt und die Aluminium- und Kunststoffschichten in Zementwerken thermisch verwertet. 

Deutlich schwieriger ist allerdings, aus Kunststoffen einheitliche, qualitativ hochwertige Materialströme zu gewinnen. Grund dafür ist vor allem ihre unterschiedliche Zusammensetzung mit einer Vielzahl an Zusatzstoffen. Dennoch ist ein Teil des in gelber Tonne und gelbem Sack erfassten Plastiks gut recycelbar. Die Bildung eines geschlossenen Kreislaufs ist derzeit aber leider noch nicht möglich: Die gesammelten Verpackungen können also nicht wieder als Lebensmittelverpackungen genutzt werden. Die nicht anders verwertbaren Plastikreste werden verbrannt. 

Ohne getrennte Sammlung würden jedoch alle Kunststoffabfälle verbrannt! Denn aus Restmüll lassen sich so gut wie keine verwertbaren Kunststoffe gewinnen. Was im Restmüll landet, wird also nicht recycelt. 

Von dem "Grünen Punkt" nicht erfasst werden die PET-Einwegpfandflaschen, die vom Handel zurückgenommen werden (im Durchschnitt etwa 480.000 Tonnen im Jahr). Diese "Abfallfraktion" ist ziemlich homogen und wird deshalb fast vollständig recycelt. Ökologisch besser als die Einweg-PET-Flaschen sind in aller Regel jedoch Mehrwegflaschen aus PET oder Glas, die vielfach wiederverwendet werden.

Was passiert überhaupt mit dem recycelten Material?

In der Regel können die in gelbem Sack und gelber Tonne gesammelten Kunststoffverpackungen nur für andere Zwecke (Eimer, Plastikrohre, Fensterrahmen etc.) genutzt werden. Auch bei Putzmitteln und Hygieneartikeln gibt es erste Beispiele für Behältnisse aus Recyclingkunststoff.

Auch bei Getränkeflaschen aus PET kann Primär- durch Sekundärmaterial ersetzt werden, allerdings noch nicht vollständig. Es wird weiterhin frisches PET benötigt. Bei der Verarbeitung von Kunststoffverpackungen wurden 2017 rund 400.000 Tonnen Rezyklat (= Sekundärrohstoffe für die Herstellung neuer Produkte) eingesetzt.

Ist die Qualität der erzeugten Sekundärrohstoffe etwas niedriger, können diese Materialien für andere Zwecke – von der Lärmschutzwand bis hin zum Kugelschreiber – eingesetzt werden und dabei ebenfalls Primärmaterial ersetzen. Im Baubereich wurde 2017 schon über 21 Prozent an Rezyklaten eingesetzt.

Warum können schwarze Verpackungen nicht recycelt werden?

Der Sortiervorgang bei der Materialtrennung funktioniert mit Hilfe von Infrarotlicht. Dabei verhindert der schwarze Farbstoff die für die Erkennung der Kunststoffart charakteristischen Lichtreflexe, die die Sortiermaschine braucht.

Wie viel Plastik ist potenziell recycelbar?

Wenn künftig nur noch recycelbare Kunststoffe eingesetzt würden, ließen sich theoretisch fast 100 Prozent der Kunststoffabfälle recyceln. Bei Verpackungen wäre das unter Umständen fast erreichbar, allerdings kurz- und mittelfristig noch nicht. Denn es gibt viele Verbundverpackungen, die aus mehreren Schichten bestehen (z.B. Beutel aus mehreren Schichten und Getränkekartons). Bei den anderen Gegenständen aus Kunststoff bzw. mit Anteilen von Kunststoffen am Produkt liegt die Verwertungsrate niedriger. So können z.B. Duroplaste, welche in glasfaserverstärkten Kunststoffen verarbeitet werden, nicht durch Einschmelzen wiederverwertet werden, weil sie sich vorher zersetzen. Der Anteil an Duroplasten am Gesamtverbrauch an Kunststoffen liegt in Deutschland in der Größenordnung von etwas über zehn Prozent. Außerdem muss ein hochwertiges Recycling von recycelbaren Kunststoffen erst einmal organisiert werden.

Es gibt Ideen, Plastik wieder aus dem Meer herauszufischen: Ist das sinnvoll?

Zunächst einmal ist es – angesichts des gewaltigen Ausmaßes der Meeresverschmutzung – technisch sehr schwierig, Plastik wieder aus dem Meer zu entfernen.

Aber auch aus ökologischer Perspektive betrachtet der BUND die bisherigen Ansätze kritisch. Denn das Meer ist ein sehr komplexer Lebensraum! Die Vorstellung, dass man "einfach mit einem Netz Plastik herausfischen" könnte, führt in die Irre: An der Wasseroberfläche treiben keine "Müll-Inseln" aus großen Teilen. Vielmehr besteht das Plastik im Meer in Wirklichkeit zum überwiegenden Teil aus Mikroplastik. Zudem treibt nur ein kleiner Teil an der Oberfläche; die überwiegende Mehrheit des Plastikmülls befindet sich in der Wassersäule und am Meeresboden. Wassersäule und Wasseroberfläche sind jedoch Lebensraum von sich nur passiv durch Meeresströmungen und Winde fortbewegende Lebewesen: des Planktons und Neustons. Diese Lebewesen würden bei allen derzeit im Gespräch befindlichen Methoden der Meeressäuberung mit herausgefischt. Damit würde ein wichtiger Teil des Nahrungsnetzes mit dem Plastik zusammen entfernt werden! 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ökologischen Wirkungen von großen technischen Lösungen auf die Meeresumwelt bei allen bisher vorgestellten Lösungen zu wenig betrachtet worden sind.

Bereits angewendet wird die Methode "Fishing for Litter", bei der Fischer*innen den mitgefangenen Müll kostenfrei in den Häfen entsorgen können. Dies ist ökologisch unbedenklicher, da nicht zusätzlich gefischt wird. Strände und Flussufer zu reinigen ist eine weitere Möglichkeit, die auch zur Bewusstseinsbildung der Beteiligten beiträgt. Aber auch damit wird sich das Problem allein nicht lösen lassen. Ohne Vorbeugung geht es nicht. Und das heißt: Abfallvermeidung und korrekte Entsorgung aller Kunststoffabfälle.

Kann aus "Bioplastik" im Abbauprozess Mikroplastik entstehen?

Ja, das ist eine normale Zwischenstufe beim Abbauprozess. Zudem gibt es unterschiedliche Arten von "Bioplastik": nämlich welche, die gut und schnell abbaubar sind, aber auch welche, die sich ganz schlecht abbauen. In der Werbung für die Vorteile von "Bioplastik" wird auch manches falsch dargestellt, z.B. zersetzt sich ein angeblich kompostierbarer Kunststoff auf dem Kompost lange nicht. Außerdem wird "Bioplastik" derzeit in aller Regel nicht recycelt, weil es keine technischen Anlagen zur Trennung und Verwertung dieser Stoffe gibt.

Hier geht es zum FAQ zum Thema Mikroplastik

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Referent Technischer Umweltschutz
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Christoph Lauwigi

Sprecher Arbeitskreis Abfall & Rohstoffe
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Tobias Quast

Stellvertretender Sprecher Arbeitskreis Abfall & Rohstoffe
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