Stadtnatur – grüne Freiräume schaffen

Natur in der Stadt ist aus vielerlei Gründen wichtig: Sie verbessert die Lebensqualität in Städten, macht Natur erlebbar und fördert das Verständnis für Natur. Zudem sind durchgrünte Städte auch widerstandsfähiger gegen den Klimawandel.

Stadtnatur– grüne Freiräume schaffen Gemeinschaftsgarten in der Stadt.  (fotografixx / iStock.com)

Stadtnatur ist vielfältig und umfasst sowohl Parks und (Vor-)Gärten, Brachflächen und begrünte Dächer und Fassaden, als auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Ebenso vielfältig sind die Funktionen: Grüne Freiräume sind Orte der Begegnung, des sozialen Zusammenhalts und der kulturellen Identität. Sie dienen dem Naturerleben, der Umweltbildung, der Erholung und der Bewegung und leisten so einen positiven Beitrag für Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung.

Als urbane grüne Infrastruktur besteht Stadtnatur aus natürlichen, naturnahen und auch gestalteten Freiräumen und bildet ein Netzwerk, das die sogenannten "Ökosystemleistungen" der Stadt sicherstellt und die biologische Vielfalt unterstützt. Als Teil dieser Leistungen binden städtische Naturräume beispielsweise Schadstoffe oder regulieren den Wasserhaushalt. Deshalb spielt Stadtnatur eine immer wichtiger werdende Rolle in der Anpassung an den Klimawandel: Sie spendet etwa Schatten im Sommer, erzeugt Frischluft und hilft bei Starkregenereignissen.

Allerdings steht das urbane Grün unter Druck: Bebauung, energetische Sanierung von Gebäuden, Stadterneuerung und die anhaltende Flächeninanspruchnahme gefährden die vorhandenen Grünflächen und damit die Lebensräume von Tieren und Pflanzen.

Initiativen aus der Stadtgesellschaft und Beteiligungsformen bieten aber auch die Möglichkeiteine lebenswerte Umwelt mitzugestalten und die Bürger*innen dadurch zugleich für den Schutz von Natur und Umwelt zu gewinnen. In den Städten, wo der Siedlungsdruck am höchsten ist und die Flächeninanspruchnahme weiter zunimmt, können Stadtbewohner*innen wesentlichen Einfluss auf die politische Gestaltung haben und sich bei der Entwicklung von Stadtnatur einmischen.

Bezahlbares Wohnen und grüne Infrastruktur dürfen nicht im Widerspruch stehen

Begrünte Dachterrasse in der Stadt Stadtnatur leistet einen positiven Beitrag für Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung.  (HildaWeges / stock.adobe.com)

Der Gesetzgeber ist in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass bezahlbares Wohnen und der Erhalt und Ausbau der grünen Infrastruktur in der Stadt nicht im Widerspruch stehen. Bisherige Ansätze im Baugesetzbuch (z.B. §13b BauGB) führen sogar eher zur weiteren Zersiedlung der Landschaft und schaffen gleichzeitig wenig bezahlbaren Wohnraum. Besonders Wohnquartiere mit Haushalten mit niedrigem Einkommen leiden unter der Verdichtung der Städte und brauchen eine bessere Grünversorgung.

Im Jahr 2007 hat die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 die Durchgrünung der Siedlungen einschließlich des sogenannten "wohnumfeldnahen Grüns" (zum Beispiel Dach-­ und Fassadengrün, Grünflächen in Höfen) deutlich zu erhöhen.

Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen aber nicht aus, um die Ziele der Strategie zu erreichen. Daher wird die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt seit 2020 überarbeitet, um die Ziele mit dem Fokus auf das Zieljahr 2030 quantifizierbar zu machen.

Welche Maßnahmen gibt es bereits?

Das 2017 vorgestellte Weißbuch Stadtgrün und der zu dessen Umsetzung entwickelte Masterplan Stadtnatur (2019) soll die Kommunen dabei unterstützen, urbane grüne Infrastruktur zu stärken und so die Biodiversität in der Stadt zu sichern.

Die wesentlichen Eckpunkte des Masterplans werden vom BUND begrüßt: Stärkung des Artenschutzes an Gebäuden, insbesondere bei der dringend notwendigen Gebäudesanierung, kommunale Landschaftsplanung zur Sicherung von Natur in der Stadt und die Erweiterung des Bundesprogramms biologische Vielfalt um den Förderschwerpunkt Stadtnatur (2021). Zur Umsetzung dieser Maßnahmen sind jedoch weiterhin ein verbindlicher Zeitplan und ausreichend Kapazitäten nötig, um unsere Städte fit für den Klimawandel zu machen und lebenswerte Innenstädte zu erhalten.

Der BUND fordert

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Belange von Natur und Umwelt bei Bebauungsplänen stärken

Um dem derzeitigen massiven Verlust von Stadtnatur entgegenzuwirken, müssen gesetzliche Schranken für Bautätigkeit im Bundesnaturschutzgesetz und der Landesplanung geschaffen werden und rechtliche Fehlentwicklungen der Vergangenheit behoben werden. Dazu zählt die Abschaffung der Paragraphen 13a und 13b im Baugesetzbuch, die Bebauungsplanverfahren beschleunigen sollen (u.a. durch eine verkürzte Öffentlichkeitsbeteiligung und den Ausschluss einer strategischen Umweltprüfung) und dadurch zu einer Zersiedelung und Flächeninanspruchnahme führen, die dem 30-Hektar-Ziel der Bundesregierung und dem Biotpo- und Artenschutz entgegen stehen. Darüber hinaus muss die Eingriffsregelung in §1a(3) dem Naturschutzrecht angepasst werden.

Verbindliche Werte im Baurecht (BauGB, BauNVO oder MusterBauO) für die Versorgung mit Grünflächen müssen eingeführt werden. Diese Werte müssen den Anspruch an Erholung, stadtklimatischer Entlastung, Regenwasserversickerung und dem Erhalt von Biodiversität genügen.

Die kommunale Landschaftsplanung muss im Bundesnaturschutzgesetz gestärkt werden. Es ist wichtig, die Fortschreibungspflicht auf Ebene der Landschaftsrahmenplanung zu konkretisieren und eine regelmäßige Überprüfung des Fortschreibungsbedarfs für die Landschaftsplanung auf kommunaler Ebene durch die Planungsträger durchzuführen.

Die Grünordnungsplanung muss verbindlich werden und als Grundlage für eine qualifizierte Bebauungsplanung und Freiflächengestaltung dienen.

Darüber hinaus müssen Schutzmaßnahmen schon auf Ebene der Bauleitplanung geprüft werden, um frühzeitig reagieren zu können.

Biotopverbund besser schützen

Elemente des Grünverbunds müssen zusätzlich über das Bundesnaturschutzgesetz mit gesetzlichem Schutzstatus belegt werden. Dieser muss nicht zwingend geschützte Biotope umfassen, sondern die Verbundfunktion (Grünzüge) sollte unabhängig davon festgestellt werden (inkl. Pflicht zur Wiederherstellung). Nur so werden z.B. Straßen oder Wohnsiedlungen ohne Säume und Hecken nicht länger zu unüberwindbaren Barrieren für Tiere und Pflanzen, die deren Überleben gefährden.

Stadtnatur gegenüber Wohnen und Gewerbe stärken und integrieren

Um zu verhindern, dass noch vorhandene Grün- und Freiflächen in den Wachstumsgebieten zugebaut werden, muss die doppelte Innenentwicklung vorangetrieben werden: Flächenreserven im Siedlungsbestand sollen nicht nur baulich, sondern auch im Hinblick auf urbanes Grün entwickelt werden. So sollen der offene Landschaftsraum vor weiterer Flächeninanspruchnahme und weiterer baulicher Entwicklung geschützt werden und die ökologischen Funktionen des urbanen Grüns beibehalten und entwickelt werden.

Zum einen müssen die Kommunen verpflichtet werden, "urbane grüne Infrastruktur" auszubauen, z.B. durch gesetzliche Vorgaben für Mindestgrünflächenanteile oder Naturerfahrungsflächen. Dabei ist es nötig, dass die Bundesregierung Kommunen mit geeigneten Förderinstrumenten dabei unterstützt, Grünflächen zu erhalten. Weiterhin muss eine sinnvolle Raumplanung dafür sorgen, dass bestimmte Ballungszentren nicht immer weiterwachsen, während andere Räume schrumpfen.

Die Kommunen sind aufgefordert, Biodiversitätsstrategien zu entwickeln. Dabei verweist der BUND auf die EU-Biodiversitätsstrategie 2030. Die ergriffenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, den städtischen Biotopverbund zu verbessern und eine urbane grüne und blaue Infrastruktur zu schaffen, die durch naturnahe Pflege die biologische Vielfalt fördert.

Versiegelung von Flächen verringern und Flächenverbrauch reduzieren

Versiegelte Flächen nehmen kaum Niederschlag auf, daher müssen Strategien entwickelt werden, die die Bodenfunktionen wiederherstellen und somit zur Klimaanpassung beitragen.

Wenn die in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung angestrebte Absenkung des Flächenverbrauchs auf unter 30 Hektar pro Tag bis 2030 erreicht werden soll, muss der Flächenverbrauch mittelfristig auf Netto-Null gebracht werden, z.B. durch Handeln mit Flächenzertifikaten, Entwicklung von Maßnahmen und Instrumenten zum Flächensparen und durch Förderung des Flächenrecyclings.

Städtebauförderung ökologisieren

Das 2019 ausgelaufene Programm "Zukunft Stadtgrün" muss einen adäquaten Ersatz bekommen. Mit einem eigenständigen, finanziell gut ausgestatteten Förderprogramm über 100 Millionen Euro zur Umsetzung des Weißbuches Stadtgrün kann der Erhalt und die Entwicklung der städtischen grünen Infrastruktur gefördert werden. Damit sollen Kommunen mit finanziellen Mitteln und qualifiziertem Personal so ausgestattet werden, dass das Weißbuch Stadtgrün umgesetzt werden kann. Dabei darf der Eigenanteil maximal 10% betragen. 

Außerdem muss das Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit genügend Mitteln ausgestattet werden, sodass der Förderschwerpunkt Stadtnatur Anwendung finden kann.

Sensibilisierung der Zivilgesellschaft und Beteiligten der Stadtentwicklung

Stadtnatur leistet einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel. Das Wissen, dass durch urbanes Grün beispielsweise Hitzeeffekte abgemildert werden und die Folge von Starkregenereignissen besser bewältigt werden können, ist wichtig für die Akzeptanz – auch von Kommunen und Stadtplaner*innen. Dazu zählen aber auch Faktoren wie Ökonomie (Schäden durch Wetterextreme können vergleichsweise kostengünstig vermieden werden), Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen und Umweltbildung. Es ist wichtig, das öffentliche Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt/Stadtgrün und Klimawandel zu schaffen.

Insektenfreundliche Kommunen

Der BUND fordert, keine Pestizide in Parks, Gärten und anderen Grünräumen in Städten und Gemeinden einzusetzen und naturnahes Pflegemanagement auszubauen.

BUND-Projekt: Stadt trifft Natur – nationale Aufgabe und lokale Herausforderung (9/2021-8/2023)

Mit dem vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) geförderte Projekt "Stadt trifft Natur" verbindet der BUND europäische und nationale Bestrebungen für mehr Grün in der Stadt mit den lokalen Herausforderungen in den Kommunen.

Langfristiges Ziel des Projekts ist es, Stadtnaturschutz vor Ort in aktuellen Herausforderungen zu stärken. Dabei nimmt die neue europäische Biodiversitätsstrategie 2030 „Mehr Raum für die Natur in unserem Leben“ eine zentrale Rolle ein: erstmals wurde auf diesem Niveau ein konkreter Handlungswunsch der EU-Kommission direkt an die Kommunen formuliert. Das Projekt nimmt diesen neuen Ansatz auf und operationalisiert ihn auf lokaler Ebene, um das Erreichen der Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 für den Bereich Stadt bundesweit zu unterstützen. 

So sollen die Inhalte der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 in wesentlichen Punkten an lokale Akteure kommuniziert werden und durch Anpassung der Ziele an die konkreten Bedürfnisse vor Ort ihre Akzeptanz und Umsetzung gefördert werden. Beispielhaft werden im Rahmen des Projekts drei kommunale Biodiversitätsstrategien entstehen, die - getragen von der Zivilgesellschaft - Nachahmungscharakter haben sollen.

Das Projekt soll darüber hinaus Impulse aus der Praxis zivilgesellschaftlicher Akteure der lokalen Biodiversitätsstrategien für die Weiterentwicklung der Nationalen Biodiversitätsstrategie im Bereich Stadtnatur geben.

Mehr zum Projekt und Veranstaltungshinweise finden Sie in Kürze hier.
 

Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und Bundesamt für Naturschutz Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Video-Serie aus dem Projekt „Fit für Stadtnatur“ (2019-2021)

Die Online-Seminar-Reihe "Fit für Stadtnatur!" beleuchtet verschiedene Facetten des Themas. Schauen Sie sich unsere Video-Mitschnitte hier an:

Online-Seminar: "Unsere Stadt soll grüner werden! Der Masterplan Stadtnatur und Beispielprojekte zum Erhalt und zur Förderung von Stadtnatur"

Zum Video

Online-Seminar: "Stadtnatur geht alle an! Gemeinsam Ziele verfolgen"

zum Video

Eine Dokumentensammlung zur Webinar-Reihe mit Präsentationen und weiteren Materialien finden Sie hier:

zu den Materialien

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Afra Heil

Wissenschaftliche Mitarbeiterin „Stadt trifft Natur“
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