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Natura 2000: Europäische Artenvielfalt erhalten!

Ohne Natura 2000 hätten viele Arten und Biotope in Deutschland kaum noch eine Chance. Handlungsbedarf gibt es dennoch: Der neue deutsche FFH-Naturschutzbericht an die EU zeigt die Erfolge und Missstände beim Natur- und Artenschutz und verdeutlicht die Notwendigkeit einer besseren Naturschutzpraxis, um den Artenverlust zu stoppen.

Nature Alert; Foto Gänse: D. Damschen  (D. Damschen)

Natura 2000 ist das europaweite Schutzgebietsnetzwerk, begründet durch Flora-Fauna-Habitat Richtlinie (FFH) und der Vogelschutzrichtlinie. Es bildet das Rückgrat des europäischen Naturschutz und wird ergänzt durch spezielle Arten- und Biotopschutzregeln auch jenseits der Schutzgebiete.

Ein wichtiger Beitrag für die Artenvielfalt

Die bisherigen Erfolge bestätigen die Wirksamkeit des Schutzgebietsnetzwerkes. Seeadler, Kranich, Wildkatze und Biber geht es dank Natura 2000 heute wieder deutlich besser. Millionen Zugvögel wären ohne die Richtlinien auf ihren Routen in den Süden zum Abschuss freigegeben. Auch wären deutlich mehr Moore und Feuchtgebiete trockengelegt, die letzten unberührten Küstenabschnitte bebaut und viele Fledermausquartiere zerstört worden.

Auch für die Bürger*innen in Europa ist das Schutzgebietsnetzwerk von zentraler Bedeutung für eine nachhaltige Sicherung der Lebensqualität und den Schutz bedrohter Landschaften. 98 Prozent aller EU-Bürger*innen leben in weniger als 20 Kilometer Entfernung von einem Schutzgebiet und profitieren so von seinen Leistungen als Naherholungsraum, von der landschaftlichen Schönheit und finanziellen Unterstützung für eine naturgerechte Wirtschaftsweise. Damit schützt Natura 2000 das Grundrecht zukünftiger Generationen auf eine lebenswerte Umwelt.

Vierter FFH-Bericht offenbart kritischen Zustand

Im alle sechs Jahre erscheinenden FFH-Bericht wird Bilanz gezogen: was konnte mit dem europaweiten Natur-und Artenschutz erreicht werden? Neben den erzielten Erfolgen, offenbart der neue Bericht, dass der Zustand von vielen Arten und Lebensräumen in Deutschland weiterhin kritisch bleibt. Vor allem eine Verschlechterung in Gewässern, artenreichen Wiesen und Weiden sowie seltenen Waldlebensräumen wird beobachtet. Nach Erfahrung des BUND beschreibt der Bericht vielerorts nur die Spitze des Eisbergs, tatsächlich sieht es für viele Arten und Lebensräume weitaus schlimmer aus. 

Zwei Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland 

Auch die EU-Kommission bemängelt die Anwendung der Naturschutzrichtlinien in Deutschland. Im Juli 2019 wurde deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, da eine Verschlechterung der Lebensräume von Bestäuberinsekten, Bienen und Schmetterlingen nicht verhindert wurde. Angemahnt wurde vor allem der schnelle Verlust von artenreichem Grünland. Der Schutz von Wiesen und Weiden in Deutschland muss verstärkt werden, um den dramatischen Verlust von Artenvielfalt stoppen zu können. 

In einem weiteren Verfahren wurde eine Rüge durch die Kommission ausgesprochen, da 787 der 4606 FFH-Gebiete immer noch nicht ausreichend gesichert sind. Fehlende Managementplänen verhindern eine passende Naturschutzpraxis vor Ort. 

Studie zeigt: Die Richtlinien sind fit

Von 2014 bis 2016 wurde intensiv geprüft, ob die europäischen Richtlinien in der Lage sind, ihre Ziele zu erreichen. Im sogenannten "Fitnesscheck" der EU Kommission kam es zu intensiven Auseinandersetzungen um die Zukunft des europäischen Naturschutzes. Nur auf Druck eines breiten Bündnisses des BUND und seines europäischen Netzwerks "Friends of the Earth" aus Verbänden, Institutionen, Unternehmen und der Unterstützung von über 500.000 Bürger*innen konnte eine Abschwächung der europäischen Naturschutzes abgewendet werden.

Die abschließende Expertenstudie zur Wirksamkeit der Richtlinien machte klar: Natura 2000 funktioniert, wenn es in den Staaten richtig umgesetzt wird. Zum 7.Dezember 2016 bestätigte die Kommission keine Veränderungen an den Gesetzen vorzunehmen und startete den "Aktionsplan für Menschen, Natur und Wirtschaft", um Umsetzungsprobleme der Richtlinien zu beheben. 

Ein toller Erfolg für den europaweiten Natur- und Artenschutz und die zahlreichen Menschen die sich für ihn einsetzen! Jetzt braucht es weitere Anstrengungen für die Verteidigung und Stärkung der bedrohten Natur in Europa!

Deshalb fordert der BUND

  • ...die umgehende Sicherung aller Natura 2000-Gebiete sowie die Erstellung von Managementplänen.
  • ...konsequente Verhinderung von schädlichen Eingriffen in Natura 2000 Gebiete.
  • ...bislang umweltschädliche Subventionierungen aus der EU-Agrarpolitik (GAP) endlich für den Naturschutz einzusetzen.
  • ...Erarbeitung und Umsetzung von Artenschutzprogrammen.
  • ...Verstärkung der Kontrolle zur Einhaltung von Gebiets- und Artenschutzbestimmungen.
  • ...überregional organisiertes und staatlich finanziertes Monitoring der EU-relevanten Arten und Lebensraumtypen.
  • ...mehr und besser ausgebildetes Personal für den behördlichen Naturschutz.
  • ...Einrichtung eine EU-Naturschutzfonds.

Auch sie können für die Natur aktiv werden! Kennen Sie "Ihr" Natura-2000-Gebiet? Ganz sicher finden sie auch eins vor Ihrer Haustür, vielleicht leben Sie sogar in einem? Machen Sie Werbung für den europäischen Naturschutz, genießen Sie die Schönheit der Natur und reden sie darüber! Unter geodienste.bfn.de/schutzgebiete können Sie Schutzgebiete in Ihrer Nähe finden.

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Ihr Ansprechpartner

Magnus Wessel

Magnus J.K. Wessel

Leiter Naturschutzpolitik und -koordination
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