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Mikroplastik und andere Kunststoffe – eine große Gefahr für unsere Umwelt

Mikroplastik, das sind kleinste Kunststoffteilchen, wie sie z.B. in Peelings benutzt werden. Andere Kunststoffe in Kosmetika dienen beispielsweise als Binde- und Füllmittel. Über unsere Waschbecken gelangen diese Stoffe ins Meer. Dort ziehen sie Gifte an und werden von Tieren gefressen. Eine große Gefahr für die Umwelt!

Der BUND fordert

  • Eine Verringerung des Individual- und straßengebundenen Güterverkehrs zur Reduktion des Abriebs von Autoreifen!
  • Ein Verbot von Kunststoffgranulat als Einstreumaterial auf Kunstrasenplätzen!
  • Industrielle Vorwäschen mit Filtersystemen für neu hergestellte Kleidung!
  • Ein EU-weites Verbot von synthetischen Polymeren jeglicher Größe und Formmasse in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten!

An unseren Küsten und Flussufern und in unseren Meeren finden wir oft Plastikmüll wie Plastiktüten oder Plastikflaschen. Weniger offensichtlich – aber nicht weniger häufig – sind mikroskopisch kleine Kunststoffe: Mikroplastik.

Einmal in der Umwelt, können die kleinen Partikel über große Distanzen transportiert werden: Ob an der Meeresoberfläche, in Tiefseesedimenten oder den entlegensten Regionen der Arktis – überall wurde Mikroplastik nachgewiesen. Wie eine Studie des Alfred Wegener Instituts (AWI) nahelegt, können kleinste Mikroplastikteilchen über die Luft transportiert und anschließend durch Schnee wieder ausgewaschen werden. So wurden in Schneeproben aus Deutschland, den Schweizer Alpen und der Arktis äußerst hohe Konzentrationen gemessen.

Kunststoffe sind nicht biologisch abbaubar und äußerst resistent gegenüber Umwelteinflüssen. Die Hoffnung, dass Bakterien möglicherweise dabei helfen könnten Plastik zu zersetzen, hat sich nach Veröffentlichung einer Studie des Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) wieder zerstreut. Die Wissenschaftler*innen halten darin fest, dass die Bakterien dazu nicht in der Lage sind und diese Fähigkeit auch vermutlich nicht evolutionär erlangen werden.

Leitart des Monats: die Amerikanische Schwertmuschel

Zur Leitart

Mikroplastik: Definition und Einfluss auf die Umwelt

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Definition: Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als 5 mm sind. Ab einer Größe von unter 1000 nm beginnt jedoch der Nanobereich. Mikroplastik zieht Umweltgifte an, wird von Meeresorganismen gefressen und ist nicht wieder aus der Umwelt zu entfernen. Mikroplastik wird unterschieden in primäres und sekundäres Mikroplastik. Als primäres Mikroplastik werden Partikel bezeichnet, die bei Eintritt in die Umwelt bereits eine Größe von unter 5 mm aufweisen. Sekundäres Mikroplastik entsteht beim Zerfall größerer Kunststoffteile im Verwitterungsprozess durch Wellenbewegung und Sonneneinstrahlung.

Weitere Informationen finden Sie in unserem FAQ zu Mikroplastik

Die Kosmetikindustrie verwendet nicht nur partikuläres Mikroplastik, sondern auch andere, flüssige synthetische Kunststoffe – diese können in Wasser quellbar und zum Teil auch löslich sein. Sie dienen unter anderem als Schleifmittel, Filmbildner, Füllstoff und Bindemittel. Die Kunststoffe aus den Kosmetikprodukten gelangen über die lokalen Abwässer in die Kläranlagen. Diese können die Stoffe nicht vollständig herausfiltern, sodass ein Teil in Meere und Flüsse gelangt. Der Rest verbleibt im Klärschlamm.

Mikroplastik zieht Gifte an – und schädigt Meeresbewohner

Kunststoff wirkt aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte. Diese befinden sich im Wasser und reichern sich auf der Kunststoffoberfläche an. Hier lassen sich hundertmal höhere Konzentrationen als im Meerwasser messen. Zusätzlich geht von Mikroplastik aus Reifenabrieb eine Gefahr durch giftige Additive wie beispielsweise polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) aus.

Die Kunststoffe werden dann samt Schadstoffen von den Meeresorganismen aufgenommen: Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen, die es passiv oder mit ihrer Nahrung aufnehmen. Im Magen-Darm-Trakt können diese Schadstoffe wieder freigesetzt werden und Einfluss auf den Organismus nehmen.

Die Auswirkungen der Mikroplastikaufnahme sind vielseitig: Studien verweisen auf Gewebeveränderungen bzw. Entzündungsreaktionen und toxikologische Auswirkungen, bis hin zu inneren Verletzungen und Todesfällen. Kleinstlebewesen, wie das Zooplankton, sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische. Diese werden wiederum von größeren Raubfischen gefressen. Der nicht abgebaute Kunststoff und die Schadstoffe können sich im Gewebe ansammeln und so Teil der Nahrungskette werden. Über die Auswirkungen auf den Menschen ist bisher nur wenig bekannt.

Sicher ist hingegen: Je kleiner das Plastikpartikel ist, desto größer das Risiko der Aufnahme und die Anzahl der Tiere, die es konsumiert. Ist Mikroplastik erst in den Flüssen und dem Meer, kann es nicht wieder entnommen werden. Der Zustand der Meeresumwelt ist besorgniserregend und die Auswirkungen sind kaum abzuschätzen. Daher muss der vermeidbare Eintrag von Mikroplastik gestoppt werden.

Wie kommt Mikroplastik in die Umwelt?

Die Pfade für Mikroplastik in die Umwelt variieren je nach Eintragsquelle und müssen deshalb detailliert
betrachtet werden.

  1. Reifenabrieb: Der Abrieb von Autoreifen gilt in Deutschland als größte Quelle für Mikroplastik. Während die kleinsten Partikel als Teil des Fein- oder Mikrostaubs über die Luft transportiert werden, verbleiben die größeren Teilchen zunächst auf der Straßenoberfläche. Dort können sie bei Regen als Straßenabfluss entweder in Böden, direkt ins Oberflächenwasser oder in die Kanalisation gespült werden. Je nach Kanalisationsart wird der Straßenabfluss direkt in Oberflächengewässer geleitet (Trennsystem) oder gemeinsam mit den Haushaltsabwässern zu den Kläranlagen befördert (Mischsystem).

    Weiterführende Informationen: BUND-Hintergrundpapier "Reifenabrieb als größte Eintragsquelle von Mikroplastik in die Meere

  2. Kunstrasen: Eine weitere große Quelle für den Eintrag von Mikroplastik ist das Kunststoffgranulat, das auf vielen Kunstrasenplätzen als Einstreumaterial eingesetzt wird. Dieses Granulat, kann an Schuhen und Kleidung der Sportler*innen hinausgetragen werden. Wird die Kleidung dann in der Haushaltswäsche gereinigt, gelangt das Granulat ins Abwasser. Außerdem kann durch Wind oder die Schneebeseitigung im Winter Granulat vom Platz in die Umwelt gelangen.

    Weiterführende Informationen: BUND-Hintergrundpapier "Umweltbelastung durch Mikroplastik aus Kunstrasenplätzen"

  3. Textilien: Synthetische Kleidung wie beispielsweise Fleece, kann durch chemische und mechanische Einflüsse beim Waschen Mikroplastikfasern verlieren, die dann ins Abwasser gelangen. 

    Weiterführende Informationen: BUND-Hintergrundpapier: "Synthetische Fasern in Textilien"

  4. Kosmetika: In Kosmetikprodukten finden Kunststoffe eine breite Anwendung und dienen vielen verschiedenen Funktionen. Während das Einsetzen fester Kunststoffkügelchen aus Polyethylen (Microbeads) als Schleifmittel in Peelings oder Duschgelen in den letzten Jahren zurückgegangen ist, werden diverse andere Kunststoffe weiterhin den Produkten hinzugefügt. Als Filmbildner, Emulsions- oder Bindemittel dienen sie unter anderem der Produktstabilität und können im Produkt auch in flüssiger, gel- oder wachsartiger Konsistenz vorliegen.

    Weiterführende Informationen: BUND-Hintergrundpapier: "Mikroplastik und andere Kunststoffe in Kosmetika"

In deutschen Kläranlagen wird zwar ein großer Teil des Mikroplastiks herausgefiltert, jedoch können die Partikel nicht vollständig aus dem Abwasser entfernt werden. Das herausgefilterte Mikroplastik verbleibt im Klärschlamm, der wiederum auf Ackerflächen aufgebracht wird, wodurch das Mikroplastik erneut in die Umwelt gelangt.

Handeln Sie!

In vielen Bereichen sind Politik und Industrie zum Handeln aufgefordert. Aber auch Sie persönlich können aktiv werden.

Entscheiden auch Sie sich dazu, keine Körperpflegeprodukte mehr zu kaufen, die Kunststoffe enthalten. Hier können Sie sich unsere Produktliste herunterladen. Machen Sie Druck, indem Sie die Produkthersteller dazu auffordern, Kunststoffe, egal welcher Größe und Form, aus ihren Produkten zu nehmen.

Der Mikroplastik-Ratgeber wurde ausgezeichnet

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