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Porträt des Auenprojekts von Norbert Krebber

Norbert Krebber vom Elbehof in Wahrenberg ist in der Umweltbildung tätig.

Norbert Krebber. Foto: Lars Fischer Landschaftsarchitekt und Umweltbildner Norbert Krebber aus Wahrenberg. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, bringt er die Auen an der Elbe ins Gespräch.  (Lars Fischer)

"Der Begriff Aue ist vielen unbekannt" 

Wahrenberg: Seit 1997 lebt der gebürtige Rheinländer Norbert Krebber in Wahrenberg an der Elbe. Seine Sympathie für das in Sachen Natur- und Umweltschutz engagierte Wendland führte den energiegeladenen Endvierziger in die Region, der Reiz von Wahrenberg tat ein Übriges. Der Elbehof ist der alte Fährhof des Dorfes. Mit dem Bau der Autobrücke über den Fluss wurde der Fährbetrieb 1986 nach Wittenberge auf der anderen Uferseite eingestellt. Aber ein Mal im Jahr, zum Fähr- und Elbkinderfest, wird die Fährverbindung wieder eingerichtet. Im kleinen Fährmannhaus direkt am Deich bewirtet heute das Café Anne-Elbe seine Gäste.

Wer Auenentwicklung will, der muss auf Bildung setzen

Elbehof. Foto: Lars Fischer Auf dem Elbehof in Wahrenberg hat der Kultur- und Umweltbildungsverein VITOS e.V. sein Domizil.  (Lars Fischer)

Hier, auf dem Elbehof Wahrenberg unterhält Norbert Krebber nicht allein sein Büro für Umweltbildung, er ist auch der Ansprechpartner des Kultur- und Umweltbildungsvereins VITOS e.V., der vor allem Kinder- und Jugendgruppen lebendige Bildungsangebote zur Natur und Landschaft macht. Unter dem Motto "Blaues Wunder Elbe" werde nicht nur Feste gefeiert, sondern in erster Linie elementare Naturerlebnisse an der Elbe vermittelt: unter Namen wie Elbsafari, Frühlingserwachen, Urstoff Wasser, Sinnesparadies Elbtalaue werden sie von Norbert Krebber zusammen mit zahlreichen Partnern, unter anderen dem Biosphärenreservat Mittelelbe, der Deutschen Umwelthilfe und seit kurzem auch mit dem Trägerverbund Burg Lenzen e.V., entwickelt und durchgeführt. Der Fluss und die Elbauen stehen im Mittelpunkt.

"Der Begriff Aue ist vielen unbekannt", sagt Krebber. Wann immer sich eine Gelegenheit bietet, bringe er ihn daher ins Gespräch ein. Für den Baumschulgärtner, Landschaftsarchitekten und Umweltbildner ist die Aue "die Landschaft, die der Fluss noch voll in seinem Griff hat." Das Dynamische dieses Lebensraums gelte es zu vermitteln. Aber auch das Qualmwasser, "der Fluss unterm Fluss", wie er den beständigen unterirdischen Wasserstrom aus dem Flussbett in die Auenlandschaft nennt, gehöre dazu. Das Zusammenspiel von Grund und Flusswasser erlebbar zu machen, sei daher auch ein Ziel der Arbeit.

Krebber bedauert, dass es nur noch wenige natürliche Auwaldfragmente an der Elbe gibt. Die Hohe Garbe, der knapp 20 Flusskilometer stromabwärts gelegene größere Auwald, ist für ihn daher von ganz besonderem Wert. Privat wandert er oft an ihr entlang und schaut sich den Wald an. "Das ist immer wieder ein Abenteuer, dieses größte zusammenhängende wilde Stück an der Elbe", beschreibt Krebber seine Eindrücke. Für ihn ist die Hohe Garbe nicht nur ein Imagebegriff für die ganze Region, sondern auch ein Kulturbegriff. Die Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, das alte Forsthaus, die geschnittenen Weiden: Das spiele alles zusammen, das habe etwas, da wolle man sofort vieles mehr wissen über diesen Ort.

Mehr Ersatz für die verlorenen Auen

Auenfragment vor dem Deich bei Wahrenberg. Foto: Lars Fischer Durch die Eindeichung der Flüsse gingen viele Auen verloren.  (Lars Fischer)

Läge die Entwicklung der Hohen Garbe in seinen Händen, würde Norbert Krebber zu 100 Prozent auf Natur setzen und Landwirtschaft dort nicht mehr zulassen. In seinen Augen sind zu viele Flussauen verloren gegangen. "Die Auen sind die umwelthygienische Infrastruktur der Flusslandschaft und obendrein eine ästhetisch anspruchsvolle. Sie erbringen für den Menschen wichtige Dienstleistungen, für den Hochwasserschutz zum Beispiel. Da braucht es dringend ihre Zurückgewinnung."  Für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur würden zur Not Enteignungen von Landbesitz vorgenommen, das solle auch für notwendige Naturschutzmaßnahmen gehen, wenn kein Einvernehmen herzustellen ist. Engagiert plädiert der Umweltbildner dafür, für den Hochwasserschutz mehr Elbbögen aus den eingedeichten Zonen zu herauszulösen. "Wir brauchen noch mehr Hohe Garben!", fordert er. Viel zu gering sei in dieser Hinsicht der politische Druck.

Führungen statt Auenpfade

Dass die Natur- und Umweltbildung einen wichtigen Beitrag leisten kann und muss, um die Auen auf lange Sicht als ein für Flusslandschaften zentrales Thema im Bewusstsein der Menschen hier zu verankern, ist für Krebber selbstverständlich. Aber für einen mit Informationstafeln ausgestatteten Auenpfad in der Hohen Garbe ist er nicht. "Tafeln bringen es nicht. Gerade Kinder wollen so was nicht lesen. Führungen sind die Alternative. Mit Kindern muss man Action machen", meint Krebber. "Ein Anlaufpunkt, zu dem man gehen kann, das reicht aus. Vor hier aus sollte es Exkursionsstrecken geben, auf die man sich mit geschulten Führern begeben kann." Es seien zwar bisher nur wenige Menschen, die ein solches Angebot interessiere, aber egal wie viele es sind oder werden, eine gezielte Besucherlenkung müsse es geben. Ein aktiver Umgang mit der geschützten Landschaft verlange eine enge Abstimmung mit den Verantwortlichen im Biosphärenreservat und den Naturschutzbehörden.

Gemeinsam mit dem Trägerverbund Burg Lenzen e.V. arbeitet Norbert Krebber an attraktiven Bildungsangeboten zu den Flussauen. Der "Flusskrimi" ist eine der Ideen, die ihn derzeit beschäftigt. Um Hochwasserszenarien soll es gehen. Kinder und Erwachsene sollen im Spiel die Dynamik am Fluss sehen und erleben. "Dafür muss man in die Hohe Garbe hineindürfen, auch wenn sie mal voll ist wie eine Wanne."  Mit dem Fluss und nicht gegen ihn zu leben, das werde anders nicht gelingen, sagt Norbert Krebber – und lächelt.

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