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Porträt des Auenprojekts von Stefan Kaiser

Revierförster Stefan Kaiser über den Wald in der Hohen Garbe.

Stefan Kaiser. Foto: Lars Fischer Revierförster Stefan Kaiser im Wald der Hohen Garbe. Ein intakter Auwald wäre in seinen Augen etwas Tolles, gehören Auwälder doch zu den artenreichsten Waldgesellschaften überhaupt.  (Lars Fischer)

"Eine natürliche Auwaldentwicklung wäre etwas Tolles" 

Hohe Garbe: Stefan Kaiser arbeitet im Betreuungsforstamt Nordöstliche Altmark des Landeszentrums Wald Sachsen-Anhalt. Im Auftrag von Waldbesitzern, darunter sind einzelne Privatpersonen und aus vielen kleinen Waldeigentümern bestehende Forstbetriebsgemeinschaften, bewirtschaftet er deren Wälder und vertritt die forstlichen Belange, wenn Planungen anstehen, die den Wald berühren. Der in Eberswalde ausgebildete Forstingenieur leitet seit Ende 2012 das Revier Bömenzien, zum dem auch der Auwald in der Hohen Garbe gehört.

Gemachte Natur

"Der Wald hier ist kein alter Auwald, wie manchmal zu hören ist. Er wurde vor circa 150 Jahren von Förster Reuter im Auftrag der Familie von Jagow als Jagdrevier aufgeforstet. Die extra angelegten Fasanenhügel sind noch gut zu sehen." Den heutigen Bestand schildert Kaiser als einen Stieleichen-Ulmen-Wald einer Altersklasse, mit wenig Naturverjüngung und einigen Nachpflanzungen. Mit dem natürlichen Auwald vor der Eindeichung der Wische, bestehend aus den Weichhölzern Weide und Pappel in Wassernähe und den dahinter stockenden Harthölzern Stieleiche, Ulme, Hainbuchen, Esche,  und dies immer in allen Altersklassen, habe er nur noch wenig gemein. Förster Reuter bescheinigt er eine Meisterleistung, denn einfach sei es nicht, alle Bäume in einer Altersklasse auch hoch zu bekommen. Dafür brauche es nicht nur gute Böden, sondern auch ein ausgeprägtes bestandsweises Denken.

Mit der Enteignung und der Aufsiedlung des alten von Jagowschen Besitzes nach 1949 sei in der Hohen Garbe ein klein parzellierter Bauernwald entstanden, und seitdem könne von einer klaren forstlichen Handschrift nicht mehr die Rede sein. Stefan Kaiser bedauert dies. In seinen Augen bleiben Biodiversität und Ästhetik daher auf der Strecke.

Heute gehört der Wald dutzenden Eigentümern: Neben den vielen kleinen Privatbesitzern haben auch das Land Sachsen-Anhalt, das Landesamt für Hochwasserschutz und der BUND Waldflächen. Im strengen Sinn forstlich genutzt wird das Holz in der Hohen Garbe nicht mehr. Das habe verschiedene Gründe: Einerseits ist der Standort für den Einsatz von Forsttechnik nicht geeignet und die für das Naturschutzgebiet geltenden Regeln beschränken auch das forstliche Handeln, andererseits fallen viele Eichen trocken, weil sie eben nicht dem natürlichen Auwald entstammen und daher die extrem schwankenden Wasserstände nicht gut vertragen. Kann das Wasser überhaupt nicht abfließen, wie in der einen oder anderen alten Flutrinne, dann gehen die Eichen ab – entlang des Forsthauswegs sei das gut zu sehen. Und dann komme noch der Eichenprozessionsspinner hinzu, der die Bäume schädige. "Da er kaum mehr Fraßfeinde wie den Kuckuck hat, wird er sich auch halten", schätzt Kaiser ein. Alles in allem sind im Wald daher nur noch einige Waldbesitzer aktiv, zehn bis fünfzehn Prozent schätzt Kaiser, "die holen sich mal eine trockene Eiche raus und machen Brennholz."

Alles oder Nichts

Gebrochener Baum. Foto: Lars Fischer Gehen alte Bäume ab, fällt Licht auf den Waldboden und verschiedene Baumarten haben die Chance, neu auszusamen.  (Lars Fischer)

Was die zukünftige Waldentwicklung in der Hohen Garbe betrifft, plädiert Stefan Kaiser für eine klare Strategie: "Entweder man bewirtschaftet alles oder nichts. Alle sollten an einem Strang ziehen, nicht jeder für sich. Auch das Konzept des BUND ist bislang nur ein weiteres privates Konzept neben anderen. Eine Kernzone, in der die Natur sich selbst entwickeln kann, wäre ein tolles Experiment, denn intakte Auwälder sind die artenreichsten Waldgesellschaften überhaupt. Wenn die alten Bäume abgehen, fällt Licht ein und es kommen neue Vegetationskegel mit verschiedenen Arten hoch. Erst Weiden und Pappel, die schneller aussamen, dann die Eichen. Keiner weiß, was dann hier passiert. Wie das aussieht, das wäre interessant." Eine Voraussetzung dafür sei eine Flurneuordnung, die im Einvernehmen mit allen Landeigentümern eine zusammenhängende Waldfläche schafft. Als Ausgleich könnten den Eigentümern Flächen aus dem Bestand der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH des Bundes (BVVG) übertragen werden.

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