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Porträt des Auenprojekts von Stefan Reinsch

Stefan Reinsch setzt auf Naturtourismus an der Elbe.

Stefan Reinsch. Foto: Lars Fischer Stefan Reinsch ist Touristiker, Natur- und Landschafsführer, Heimatforscher, Naturschützer, Landschaftspfleger. Für die Entwicklung der Kulturlandschaft braucht es viele Kenntnisse.  (Lars Fischer)

"Ein Logenplatz in der Natur" 

Gartow: "Die Hohe Garbe ist der schönste Bereich an der Elbe", sagt Stefan Reinsch, der sich seit Jahren für die Entwicklung des Naturtourismus in der Region zwischen Wittenberge und Hitzacker engagiert. Auf dem Höhbeck, einer 76 Meter hoch aus der Elbniederung aufragenden Stauchendmoräne bei Gartow, betreibt er die Kanustation Elbtalaue Gartow und das "Artenreich Höhbeck". "Sie hat den landschaftlichen Charakter, den das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue anbieten will, aber es nicht schafft: eine ruhige Auenlandschaft mit Weich- und Harthölzern, Totholz, Brackwassern… Sachsen-Anhalt ist da besser. Die Hohe Garbe ist schon was Tolles!"

Botschafter im Boot

Seit 10 Jahren ist Reinsch am Markt und bietet geführte Kanutouren auf der Elbe an. Nur wenige Gäste würden Boote mieten und die Elbe auf eigene Faust erkunden, erzählt er. Meist ist er mit dem Mannschaftskanadier unterwegs, in dem zehn Personen Platz finden. Start ist in Wahrenberg, dann geht es stromabwärts an der Hohen Garbe und Schnackenburg vorbei bis zum Höhbeck. Ein Picknick am Elbufer ist inbegriffen. "Der Seeadler ist jedes Mal zu sehen, der sitzt auf den Buhnen und beobachtet den Fluss." Diese Flusskilometer mit den extremen Biegungen seien ideal geeignet, um das Biosphärenreservat den Besuchern nahe zu bringen, meint Reinsch, der sich als Botschafter für das gesamte Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe versteht. Hier gebe es zum Glück auch nur wenige Angler, mancherorts kommen sie aus Hannover und Wolfsburg und bauen regelrechte Zeltburgen auf, das ärgere ihn schon sehr, im Gegensatz zu den heimischen Anglern, die in diesem dünn besiedelten Gebiet nie gestört haben.

Am Elbufer der Hohen Garbe besteht ein Anlandungsverbot, daran halte er sich strikt. An einer potenziellen Kernzone anzulegen und die Aue zu betreten, dass käme für ihn überhaupt nicht in Betracht. Aber mal in ein Buhnenfeld fahren, um Biberspuren oder die für die Stromtalwiesen der Elbaue typische Elbspitzklette anzuschauen, das ginge natürlich.

Logenplatz in der Natur

Kulturlandschaftspfad um den Höhenbeck. Foto: Lars Fischer Der Kulturlandschaftspfad um den Höhbeck führt Gäste ein in die Natur und Kultur dieses besonderen Ortes.  (Lars Fischer)

Sich treiben lassen, die Ruhe genießen, den Unkenrufen hintern dem Deich lauschen, darum geht es dem ausgebildeten Natur- und Landschaftsführer. "Das Kanu ist mein Werkzeug für die Naturführungen, in ihm hat man einen Logenplatz in der Natur. Das ist noch besser als Radfahren."

Mit seinem Unternehmen ist Stefan Reinsch Partnerbetrieb des Biosphärenreservats. Er hat eigens eine Wasserwanderkarte erarbeitet, sich für einen an Informationen reichen Kulturlandschaftspfad um den Höhbeck engagiert und mit aufgebaut; er findet es toll, wenn man etwas gemeinsam gestalten kann. "Wir sind das Biosphärenreservat, die Leute sollten es als ihres erkennen und die Modellregion gestalten." Dabei denkt er nicht daran, einfach ein Gewerbe beim Wasserstraßenschifffahrtsamt anzumelden und mit Motorbooten auf der Elbe loszulegen, wie es hier und da geschehe. Es gebe ja nicht mal eine Geschwindigkeitsbegrenzung, dazu komme der Lärm. Reinsch beklagt, dass das Biosphärenreservat auf der Elbe nichts zu sagen hat. Er habe eh das Gefühl, dass der Naturschutz in der Flusslandschaft in der Defensive ist.

Tourismus in einem landschaftlichen Spannungsfeld

Blick vom Aussichtsturm auf dem Höhbeck. Foto: Lars Fischer Blick vom Aussichtsturm auf dem Höhbeck über die Elbtalaue nach Lenzen.  (Lars Fischer)

Es gebe zwar mittlerweile fünf Anbieter von Kanutouren in der Region, selbst die Burg Lenzen habe Boote gekauft, aber was hier naturtouristisch stattfinde, sei noch immer zu wenig. "Allein vom Naturtourismus könne keiner leben", weiß Reinsch aus eigener Erfahrung. "Jeder braucht hier mehrere Standbeine." Er würde am Fluss gern mehr anbieten, aber dort die notwenige Infrastruktur zu schaffen, sei schwierig, dabei würden Grasstellen am Ufer als Grundinfrastruktur für die Boote reichen. Wegen der Hochwasser könnten Stege zum Beispiel nicht angelegt werden. "Aber was stattdessen passiert ist, das der Buhnenbau schleichend weiter vorangeht."

Reinsch baut daher auf dem Höhbeck seit 2012 das "Artenreich Höhbeck" mit einem Landschaftspflegehof auf. Die Stauchendmoräne des Höhbeck ist eine Wärmeinsel aus Lehm, Kalk und Mergel, mit Trockenrasen und feuchten Senken. Rund 700 höheren Pflanzenarten, darunter seltene Orchideen. Aber die Artenvielfalt nehme gerade ab und um sie zu sichern, will er Touristen über Workshops in die Landschaftspflege und die Landnutzung einbinden. So will er auch helfen, die Lücke zwischen intensiver Landwirtschaft und dem Naturschutz zu schließen, denn Naturschutzverbände seien mit der Flächensicherung oft überfordert. Beweidung, Obstbau, Wildpflanzensaatgut, Sensenkurse, eine Werkstatt und später ein Bio-Café – Stefan Reinsch, der aus Braunschweig kommend schon als Kind am Höhbeck mit seinen Eltern viel Zeit verbrachte und seit 20 Jahren hier lebt, hat sich fest vorgenommen, die alten Nutzflächen wieder in Wert zu setzen und vergessene lokale und regionale Wertschöpfungsketten wieder zu beleben. Kulturlandschaftsentwicklung ist ein wichtiges Stichwort für ihn.

Mit dem "Artenreich" auf dem Höhbeck, direkt am Fuß des weithin sichtbaren Funkturms, steht Stefan Reinsch am Anfang. 2013 hat er das Gelände erworben und richtet es nun für die Kanustation und den Landschaftspflegehof her. "Der sanfte Naturtourismus ist das einzige, was hier, wo der Elberadweg nicht die große Rolle spielt, entwickelt werden könnte", meint der zu einem passionierten Landschaftskenner gewordene gelernte Maschinenbauer. Da sei noch richtig viel Arbeit, auf und am Fluss wie auf dem Höhbeck. Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe ist für ihn eine Pionierleistung und ein wenig sieht er sich wohl auch selber so – als ein Pionier nachhaltiger Landschaftsentwicklung.

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