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Porträt des Auenprojekts von Andreas Berbig

Ein Gespräch mit Andreas Berbig vom Biosphärenreservat Mittlere Elbe über die Kernzone Hohe Garbe.

Andreas Berbig. Foto: Lars Fischer Für Andreas Berbig "ist der Wald in der Hohen Garbe eines der wenigen geschlossenen Waldgebiete direkt an der Elbe und ideal geeignet, um eine naturnahe Auwaldentwicklung zuzulassen".  (Lars Fischer)

"Die Flurneuordnung ist die einzige Chance für einen naturnahen Auwald" 

Arneburg: Lang und schmal ist das Sachsen-Anhaltinische Biosphärenreserverat Mittelelbe. Rund 300 Flusskilometer liegen zwischen Sachau an der Grenze zu Sachsen im Süden und Wanzer im Norden. Aus den 4.000 Hektar im Steckby-Lödderitzer Forst zur Gründung des UNESCO-Biosphärenreservats 1979 sind heute 125.000 Hektar geworden. Mit den Landnutzern und Partner ins Gespräch über die Entwicklung der Flusslandschaft zu kommen und auch zu bleiben, ist in dieser großen Gebietskulisse schwierig. Andreas Berbig, Sachbearbeiter der Schutzgebietsverwaltung für Arten- und Biotopschutz, ist von seinem Dienstsitz in Arneburg mitunter ein bis zwei Stunden im Auto unterwegs, um sich vor Ort ein Bild von Land und Leuten, Projekten und Problemen machen zu können. Dass er der einzige Verwaltungsmitarbeiter für diesen Fachbereich im Norden des Biosphärenreservates ist, macht die Arbeit nicht leichter.

Leben in einer Aue

Weichholzaue. Foto: Lars Fischer In den niederen Bereichen und den Senken der Aue sind die Weiden der Weichholzaue typisch.  (Lars Fischer)

Berbig kennt nicht nur die Elbe gut, er mag auch die breiten Auen der Elbe, diesen Raum, den sich der Fluss über Jahrtausende geschaffen hat. "Viele Menschen sind überrascht, wenn sie bei Hochwasser merken, dass sie in einer Aue leben", meint Berbig. Die natürlichen Zusammenhänge der Landschaft spielten im Alltag der meisten Menschen kaum mehr eine Rolle, zu selbstverständlich sei der technische Aufwand geworden, der die Nutzung des Auenlandes ermöglicht. Daher spielen die "Auenpfade" in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Umweltbildung des Schutzgebiets eine besondere Rolle. Sie geben an typischen Orten einen informativen Einblick sowohl in die Natur als auch in die Kultur der Flusslandschaft und ihrer Auen.

Eine wichtige Aufgabe des Biosphärenreservates ist es, die für die Flusslandschaft typischen und noch in einem weitgehend naturnahen Zustand erhaltenen Landschaftsformen – etwa Stromtalwiesen, Hangwälder, Weich- und Hartholzauen – exemplarisch zu schützen. Sie sollen sich frei von nutzenden Eingriffen durch den Menschen natürlich entwickeln können. Dahinter steht die Idee, diese besonderen, in keiner anderen Landschaft als hier an der Mittelelbe zu findenden und durch nichts zu ersetzenden Lebensräume samt der typischen Pflanzen- und Tierarten zu bewahren. Auf drei Prozent der Gesamtfläche des Biosphärenreservats muss dies geschehen, um den internationalen Kriterien der UNESCO gerecht zu werden. Sie bilden die Kernzonen des Schutzgebietes.

Der Wald in der Hohen Garbe ist eines der wenigen geschlossenen Waldgebiete direkt an der Elbe und aus Sicht der Biosphärenreservatsverwaltung ideal geeignet, um eine naturnahe Auwaldentwicklung zu zu lassen – auch wenn regulierende Eingriffe in das Wasserregime der Elbe als Schifffahrtsstraße, wie die Festlegung des Flussbettes durch Buhnen, andauern. Mit einigen Initialmaßnahmen, die in einem Pflege- und Entwicklungskonzept beschrieben werden, so Berbig, könne hier ein urtümlicher Auwald entstehen, mit Harthölzern auf den höheren und Weichhölzern in den niederen Bereichen und Senken. Dank der wenig intensiven Forstwirtschaft in der Vergangenheit finde man in der Hohen Garbe eben noch die auentypischen Rohböden, die für eine solche Entwicklung wichtig sind. "Wenn der alte Deich direkt an der Elbe teilweise geschliffen wird und die Hohe Garbe wieder direkt an das Wasserregime der Elbe mit seinem Auf und Ab von Hoch- und Niedrigwasser angeschlossen ist, dann wird es hier sehr spannend, vor allem in den Flutrinnen." Für Berbig steht außer Zweifel, dass solche Flächen gebraucht werden. Nicht allein um der Natur willen, sondern auch für die ökologische Forschung. "Die Kernzonen sind Referenzflächen mit deren Hilfe die Veränderungen in den genutzten Landschaften bewertet werden können."

Ein Blick in die Zukunft

Als Arten- und Biotopschützer verschweigt Berbig die Verluste für den Naturschutz nicht, die mit der Ausweisung einer Kernzone  und dem dann hier verfolgten Prozessschutz, der dann nicht mehr einzelne Arten, sondern den gesamten Lebensraumtyp Auwald in den Mittelpunkt stellt, einhergehen. Die Hohe Garbe stünde ja nicht ohne Grund seit Langem unter Naturschutz, betont Berbig. Einige Wiesen in der Hohen Garbe, die für sich genommen als Lebensräume wichtig sind, werden wohl mit der Zeit vom Wald verdrängt, schätz er ein. Auch der Kranich bekomme ein Problem, wenn das Wasser zu früh aus den dann wieder dynamischen Flutrinnen fließt und die Nistplätze trocken fallen. Es wäre jedoch kontraproduktiv, die Flutrinnen aus diesem Grund weiter anzustauen.

Aber wie es genau kommt, kann auch Berbig noch nicht sagen. Denn welchen Umfang eine Kernzone in der Hohen Garbe annehmen kann, wird sich im Rahmen des laufenden Bodenneuordnungsverfahrens erweisen, dass das vom Land Sachsen-Anhalt auf den Weg gebracht worden ist. Dies liegt nicht in der Hand der Biosphärenreservatsverwaltung. Derzeit befinden sich rund 200 Hektar Land der gut 400 Hektar großen Hohen Garbe im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt oder von Naturschutzorganisationen, die für eine Kernzone herangezogen werden können. Sie liegen aber verstreut und müssen über einen Flächentausch mit anderen Eigentümern zusammengeführt werden.

Limitierende Faktoren

Ob es darüber hinaus gelingt, weiteres Land zu kaufen, da ist Andreas Berbig, der die gesamte Hohe Garbe gern als Kernzone sähe, skeptisch. "Den Anspruch durchzusetzen, Natur Natur sein zu lassen, wenn das Land vorher über hundert Jahre genutzt und gepflegt worden ist, ist immer ein Problem in der Kulturlandschaft", weiß Berbig aus langjähriger Erfahrung und verweist nicht nur auf das ehemalige Forsthaus und den zur Jagd angelegten Forst in der Hohen Garbe. Hinzu komme, dass die Hohe Garbe – die schon zu DDR-Zeiten als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurden ist – im ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifen lag, bis 1989 nicht betreten werden konnte und dann zum Teil des neuen Naturschutzgebietes Garbe-Aland-Niederung wurde, in dem ebenfalls Betretungsverbote und –regeln gelten. Das ärgere den einen oder anderen Bürger. "Aber auch das Naturschutzgebiet Steckby-Lödderitzer-Forst, die Keimzelle des heutigen Biospährenreservates, ist erst über lange Zeit zu dem geworden, was es heute ist."

Nicht nur die Bürger, auch der Hochwasserschutz würde das Projekt, ungeachtet der Tatsache, dass es an der Elbe zu wenige Retentionsräume für die Aufnahme von Hochwasser gibt, mit Skepsis verfolgen, meint Berbig. Die Deichsicherheit an der Elbe stehe für den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt selbstverständlich an oberster Stelle. Daher schaue man dort sehr genau, dass von den Gehölzen in Deichvorland und somit auch von einem naturnahen Auwald in der Hohen Garbe keine Gefahr ausgehen kann.

Wie dem auch sei, bis am Ende des Bodenordnungsverfahrens feststeht, wo genau die Kernzone in der Hohe Garbe eingerichtet wird, können die Landeigentümer und Pächter ihre Flächen wie bisher entsprechend den Regeln der Schutzgebietsverordnung weiter nutzen. Das Land Sachsen-Anhalt und auch der Landkreis Stendal haben aber bereits seit knapp zehn Jahren die Nutzung ihrer Flächen ausgesetzt.

Ein neuer "Auenpfad" als Option

Auenpfad. Foto: Lars Fischer An typischen Orten geben Hinweisschilder einen informativen Einblick in die Natur und Kultur der Flusslandschaft.  (Lars Fischer)

Was im Bodenordnungsverfahren nicht entschieden werden kann, ist die Verknüpfung der Entwicklung der zukünftigen Kernzone mit der Umweltbildung und dem naturverträglichen Tourismus im Biosphärenreservat.

Die Einrichtung eines weiteren "Auenpfades", um Naturfreunden und der interessierten Bevölkerung die naturnahe Auwaldentwicklung in der Hohen Garbe ein Stück näher zu bringen, ist für Andreas Berbig eine überlegenswerte Option, zumal wenn die Kernzone nur Teile der Hohen Garben umfassen kann. Aber das ist im Gespräch mit der Unteren und der Oberen Naturschutzbe­hörde zu diskutieren, die für die Ausgestaltung der Naturschutzverordnung verantwortlich zeichnen.

Jetzt geht es für Andreas Berbig erstmal darum, zumindest einen großen Teil des Auwaldes der Hohen Garbe als Kernzone auszuweisen; schließlich verfolge das Biosphärenreservat dieses Ziel schon seit Anfang der 1990er Jahre. Welche Maßnahmen angemessen und erforderlich sind, um einer möglichst naturnahen Entwicklung den Weg zu bereiten und wie diese Entwicklung erfahrbar gemacht werden kann, das ist der zweite Schritt.

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