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Hormonell wirksame Stoffe: "Die Folgen für die Gesundheit sind unabsehbar"

Von vielen Kosmetikherstellern werden Stoffe mit hormonartiger Wirkung, englisch auch "endocrine disrupting chemicals (EDC)" genannt, als Konservierungsmittel mit desinfizierenden, antimikrobiellen Eigenschaften oder als UV-Schutz eingesetzt. Der BUND sprach mit Kinderfacharzt Dr. Klaus-Peter Liesenkötter vom Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen am Endokrinologikum Berlin über hormonell wirksame Stoffe und wie sie Körper und Gesundheit gefährden.

BUND: Herr Dr. Liesenkötter, welche Gefahren gehen von ECDs aus?

Dr. Klaus-Peter Liesenkötter: Von den EDCs geht meistens eine nicht erwünschte Hormonwirkung aus. Dabei kommt es in vielen Fällen zu einer östrogenartigen und/oder antiandrogenen Wirkung.

Bei Frauen erhöhen zu viele Östrogene das Risiko für östrogenabhängige Tumore wie zum Beispiel Brust- und Gebärmutterhalskrebs. Deswegen werden die EDCs verdächtigt, zu einer Zunahme dieser Tumorarten in der Bevölkerung beizutragen. Bei Männern trägt eine Östrogenwirkung zur Abnahme der Fruchtbarkeit durch geringere Spermienqualität und zur Abnahme der Testosteronbildung bei. Während der Schwangerschaft können die EDCs zu einer unvollständigen Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane führen. Aber auch Auswirkungen auf unsere Programmierung, wie unser Körper zum Beispiel die Zucker- oder Fettverstoffwechslung reguliert, kann schon im Mutterleib durch EDCs gestört werden. Übergewicht und Insulinresistenz können die Folge sein.

Für all diese unerwünschten Wirkungen gibt es Belege aus Untersuchungen in Zellkultursystemen, Tierversuchen und Studien bei mehr oder weniger kleinen oder größeren Gruppen betroffener Menschen.

BUND: Ab welcher Menge ist welcher Stoff gefährlich oder schädlich?

Dr. Klaus-Peter Liesenkötter: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Für jeden einzelnen Stoff gibt es zwar einen oberen Grenzwert, Richtwert oder auch "Unbedenklichkeitsempfehlungen". Diese werden in den einzelnen Kosmetikprodukten, Arzneimitteln oder Lebensmitteln von den Herstellern auch nicht überschritten.

Bei der täglichen Benutzung mehrerer Produkte nebeneinander ist aber die kumulative Dosis individuell schnell überschritten. Hier sind gerade jüngere Kinder besonders gefährdet, da sie bezogen auf ihr Körpergewicht gegenüber Erwachsenen oft viel mehr aufnehmen. Zudem führt die gleichzeitige Einwirkung verschiedener ECDs nicht nur zu einem additiven Effekt, sondern nachgewiesenermaßen auch zu einer exponentiellen Verstärkung. Dies ist in einzelnen Untersuchungen dargestellt. Es gibt aber keinerlei systematische Erforschung dieser gemeinsamen Wechselwirkungen und noch weniger findet es Berücksichtigung bei der Festlegung der Grenzwerte der Stoffe in einem einzigen Produkt.

In seiner Komplexität ist die eigentliche Wirkung der Hormone in unserem Körper noch nicht bekannt. Das Wissen um diese bedrohliche Problematik ist jedoch in den vergangenen Jahren zunehmend gewachsen, was damit zusammenhängt, dass sich eine gewisse Sensibilität für das Thema entwickelt. Die beobachtete Zunahme von Hodentumoren, Brustkrebs, Fertilitätsstörungen sowie Pubertäts- und Entwicklungsstörungen in der Bevölkerung haben hierzu beigetragen.

BUND: Für wie bedenklich für die Gesundheit unserer Kinder halten Sie den Einsatz hormonell wirksamer Chemikalien in Kosmetika?

Dr. Klaus-Peter Liesenkötter: Der Einsatz dieser hormonell wirksamen Chemikalien ist für die Gesundheit unserer Kinder in zweifacher Hinsicht problematisch: Zum einen ist eine direkte Beeinflussung des Hormonsystems zu befürchten – mit Wirkung auf die Geschlechtsdrüsen, Brustentwicklung, Pubertätsentwicklung und ähnliches. Als langfristigen Effekt muss man aber auch negative Folgen für die Fortpflanzungsfähigkeit unserer Kinder fürchten – bis hin zu Veränderungen des Erbguts, die sich auch noch auf deren Nachkommen auswirken können.

Das sind zum Teil unabsehbare Folgen für die Gesundheit unserer Kinder, die man vermeiden kann.

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