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SAICM: Giftfrei leben – hier und überall auf der Welt

SAICM heißt ein Ansatz der Vereinten Nationen, der uns Menschen und die Umwelt erfolgreicher vor giftigen Chemikalien schützen kann. Dafür, dass dies in den kommenden Jahren auch wirklich klappt, setzt der BUND sich in den Verhandlungen um "SAICM nach 2020" ein.

Wasserverschmutzung Mensch und Umwelt werden zunehmend mit Chemikalien belastet.  (Yogendra Singh / Pixabay)

Chemiefirmen stellen weltweit immer mehr Chemikalien her – auch mehr sehr giftige Stoffe. Diese werden in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen verwendet. Das bedeutet auch: Mensch und Umwelt werden zunehmend mit Chemikalien belastet.

Bereits heute finden sie sich überall: in der Arktis, in Tiefseegräben, in unseren Körpern. Und das hat Folgen: Unsere Lebensqualität sinkt und jährlich sterben mehr als 1,6 Millionen Menschen durch solche giftigen Stoffe. 

Darum geht es

Eigentlich sollten Mensch und Umwelt bereits viel besser vor gefährlichen Stoffen geschützt sein. Die Staats- und Regierungschef*innen aller Länder hatten im Jahr 2002 auf dem Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg versprochen, die Risiken durch gefährliche Chemikalien bis 2020 zu minimieren. 

Um dies zu erreichen, regeln oder verbieten zwar eine Handvoll internationaler Abkommen die Herstellung und den Einsatz mancher sehr gefährlichen Chemikalien. Doch es gibt viel mehr davon! Deshalb haben die Vereinten Nationen den "Strategischen Ansatz für internationales Chemikalienmanagement", kurz "SAICM", ins Leben gerufen.

Allerdings haben bislang alle Abkommen deutlich zu wenig bewirkt. Und nicht nur das: Die Risiken durch Chemikalien könnten sogar noch zunehmen. Fachleute schätzen, dass sich der Umsatz der Chemiefirmen weltweit von 2017 bis 2030 verdoppeln wird. Es muss also dringend etwas geschehen …

… etwa durch SAICM. Wie dieser Ansatz uns und die Umwelt erfolgreicher vor giftigen Chemikalien schützen kann, wird mittlerweile weltweit erneut verhandelt – zurzeit unter Federführung des Bundesumweltministeriums (BMU). Es geht um "SAICM beyond 2020", also um SAICM nach 2020.

Das macht der BUND

Der BUND beteiligt sich gemeinsam mit den Umweltverbänden Forum und Entwicklung (FuE), dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) sowie Women Engage for a Common Future Deutschland (WECF) an den Verhandlungen für SAICM nach 2020. Unser Ziel ist, dass damit die Risiken durch gefährliche Chemikalien wirklich weltweit minimiert werden. Vergiftungen, Krebs, Fruchtbarkeit- und Stoffwechselstörungen ausgelöst durch giftige Chemikalien sollen damit wirksam bekämpft werden können.

Wir informieren Sie an dieser Stelle über Streitpunkte, Blockierer*innen und über Fortschritte der Verhandlungen. Und wir machen Chemie-Skandale bekannt wie auch wegweisende Ansätze, Produkte mit weniger oder ganz ohne Chemikalien herzustellen.

Berichte aus dem Projekt

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SAICM oder: die Verhandlungen für eine giftfreiere Welt

Die internationalen Verhandlungen für eine vor Chemikalien sicherere Welt gehen in die letzte Runde. 

Im Oktober 2020 kommt es in Bonn zum Showdown: Auf einer Konferenz unter Federführung des Bundesumweltministeriums (BMU) treffen sich Staaten aus aller Welt. Sie wollen sich auf ein Abkommen einigen, das die Welt sicherer macht vor gefährlichen Chemikalien und Abfällen.

Und: Der BUND ist dabei!

Solch ein Abkommen ist bitter nötig. Viele Chemikalien richten Unheil an – und dies quasi überall: Einige reichern sich in Menschen und Tieren an und sind in der Tiefsee bis zu den höchsten Bergen nachzuweisen. Diese "Chemisierung" kann zudem zunehmen: Der Umsatz der Chemiefirmen weltweit soll sich von 2017 bis 2030 verdoppeln. Dies bedroht die biologische Vielfalt als auch die menschliche Gesundheit weltweit.

Es muss dringend etwas geschehen …

Das Abkommen wird "SAICM nach 2020" genannt. Die Abkürzung steht für "Strategic Approach for an International Chemicals Management" und auf Deutsch: "Strategischer Ansatz für ein Internationalen Chemikalienmanagement". 

Die Laufzeit des aktuellen SAICM-Abkommen endet im Dezember 2020. Jetzt geht es darum, die Weichen neu zu stellen, um Mensch und Umwelt besser vor giftigen Chemikalien zu schützen. 

Alle, die an den Verhandlungen teilnehmen – neben Vertreter*innen von Staaten auch welche von Umwelt- wie auch Industrieverbänden –, betonen, eine bessere Welt mit weniger Gefahren durch Chemikalien zu wollen. 

Doch das sind erst einmal nur wohlfeile Worte.

Damit dies keine leeren Versprechen werden, braucht es ein gutes Vertragswerk. Ob das kommt, ist aber unsicher. 

Es gibt zwei große Knackpunkte: die Finanzierung (siehe Beitrag "Streit um Geld") und die Verbindlichkeit. So wollen viele Entwicklungsländer etwa aus Afrika und Lateinamerika "SAICM nach 2020" nur zustimmen, wenn sie bei der Umsetzung finanziell unterstützt werden.

Streit um Geld: Chemiefirmen weltweit sollen 0,1 Prozent ihres Umsatzes hergeben

Wenn man auf gefährliche Chemikalien schon nicht verzichten kann, erfordert der sicher Umgang mit diesen Giften Wissen, Technik und Gesetze, an die sich alle halten. 

Industriestaaten wie Deutschland haben hier eine Tradition, Entwicklungsländer nicht. Ihnen fehlt neben dem Wissen oft auch die notwendige moderne Technik – und die Durchschlagskraft.

Ein Beispiel illustriert dieses Dilemma: Seit 2002 existieren Piktogramme, mit denen weltweit in allen Ländern auf gleiche Weise gefährliche Chemikalien gekennzeichnet werden sollen. Die Symbole zeigen etwa, dass Substanzen brennbar, giftig oder krebserregend sind. 

In der EU sind die Symbole lange etabliert. In Afika sieht es dagegen ganz anders aus: Erst drei afrikanische Staaten nutzen die Piktogramme. In allen anderen Staaten des Kontinents können Chemikalien also beliebig gekennzeichnet werden. Falscher Umgang mit giftigen Stoffen ist damit vorprogrammiert.

Auch werden in Entwicklungsländern teilweise gute Gesetze zum Schutz vor giftigen Stoffen erlassen – deren Einhaltung können die Länder aber wiederum kaum kontrollieren. Am Willen fehlt es dabei nicht: Viele Entwicklungsländer wollen zum Beispiel auch selbst in Konsumgütern nach giftigen Substanzen suchen oder Chemiefirmen besser kontrollieren, um zu sehen, ob dort vorschriftsmäßig gearbeitet wird. Um ein eigenes, gut funktionierendes Chemikalienmanagementsystem aufzubauen, brauchen sie jedoch Unterstützung.

Dies kostet Geld – und diese Länder haben keines. Also: Woher nehmen? 

Die "SAICM nach 2020"-Vorverhandlungen zeigen leider, dass kaum ein Staat bereit ist, den Entwicklungsländern das benötigte Geld bereitzustellen. Fehlanzeige auch von Industrieseite: Die Unternehmen investieren lieber in eigene freiwillige Projekte – die jedoch bei weitem nicht genügen werden, um Mensch und Umwelt besser vor giftigen Chemikalien zu schützen. 

Das genügt den Entwicklungsländern nicht. Ohne feste Zusagen für finanzielle Unterstützung wollen sie keinem neuen "SAICM nach 2020"-Vertrag zustimmen.

Die Chemiefirmen müssen zahlen!

Dabei gibt es einen Weg, um schnell ausreichend Geld für den Aufbau gut funktionierter Chemiekontrollsysteme in allen Ländern einzusammeln: Es muss das Verursacherprinzip angewandt werden! Chemiefirmen sollten 0,1 Prozent ihres Umsatzes in einen Chemikaliensicherheits-Fonds einzahlen.

Diese Idee stammt von "Internationalen POPs Elimination Network" (IPEN). Dieser weltweit aktive Umweltverband setzt sich seit vielen Jahren für eine sicherere Welt ein. Der BUND ist IPEN-Mitglied.

Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

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