Brunsbüttel & Co: Warum Zwischenlager nicht sicher sind

Der BUND fordert einen Neustart bei der Zwischenlagerung von hoch radioaktivem Atommüll.

AKW Brunsbüttel; Foto: Andreas Conradt / PubliXviewinG AKW Brunsbüttel  (Andreas Conradt / PubliXviewinG)

Bereits 2013 hatte das Oberverwaltungsgericht Schleswig geurteilt, dass das Zwischenlager Brunsbüttel nicht zur Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll geeignet ist und ihm die Genehmigung entzogen. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dieses Urteil zwei Jahre später: eine Zäsur für die gesamte Atomenergienutzung und Atommülllagerung in der Bundesrepublik.

Die Situation, dass die Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll nur noch per Notverordnung weitergehen kann, zeigt, wie unverantwortlich der Betrieb von Atomkraftwerken ist, ohne dass es für die Lagerung des Atommülls eine wirkliche Lösung gibt. 

BUND-Studien: Zwischenlager sind ein Sicherheitsrisiko

Passiert ist politisch seitdem jedoch wenig. Deshalb hatte der BUND 2017 selbst eine Studie in Auftrag gegeben. Die Atomsicherheitsexpertin Oda Becker kam darin zu dem Ergebnis, dass Sicherung und Sicherheit der Atommüllzwischenlager problematisch sind. Defizite bestehen unter anderem bei fehlenden Reparatur- und Inspektionsmöglichkeiten und bei dem unzureichenden Schutz gegen potenzielle Terroranschläge. Auch die Sicherheit der Castorbehälter in den Zwischenlagern ist zweifelhaft, da diese nachweislich nur für 40 Jahre gegeben ist. 

Die Neuauflage der Studie erwies im September 2020, dass die Situation der Zwischenlager weiterhin höchst problematisch ist. Sicherheitsvorkehrungen sind nach wie vor unzureichend, es gibt immer noch kein Gesamtkonzept für die Lagerung des Atommülls.

Hinzu kommt: Die Genehmigungen für die deutschen Zwischenlager sind auf 40 Jahre befristet. Sie enden zwischen 2034 und 2047. Nach einem Lager für hoch radioaktive Abfälle wird in Deutschland derweil immer noch gesucht. Dieses Lager soll laut der Bundesregierung frühestens 2050 betriebsbereit sein und der Atommüll darin theoretisch bis 2070 eingelagert sein. Expert*innen halten diesen Zeitplan jedoch durchweg für unrealistisch: Demnach ist eine erste Einlagerung erst in etwa 100 Jahren, im Jahr 2117(!), wahrscheinlich. Deshalb braucht es schnellstens eine Lösung für die Zwischenlager!

Probleme der Zwischenlagerung endlich benennen!

Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll stehen derzeit in den zentralen Zwischenlagern in Gorleben, Ahaus und Lubmin. Daneben gibt es zwölf weitere Standortzwischenlager bei den Atomkraftwerken und das Behälterlager in Jülich.

Der BUND fordert vom neuen Bundestag die längst überfällige öffentliche Debatte über die Atommüllzwischenlagerung zu starten. Wer Vertrauen in ein neues Suchverfahren für ein Atommüll-"Endlager" aufbauen will, der muss auch die derzeitigen Zwischenlagerprobleme offen diskutieren und unter Beteiligung der aktuell Betroffenen das Konzept der Atommüllzwischenlager überprüfen.

Als ersten wichtigen Schritt gilt es, die jetzt anstehenden Genehmigungsverfahren für die Aufnahme der Behälter aus der Wiederaufarbeitung in vier Standortzwischenlager mit Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen. 

Uranatlas 2019

Hier bestellen

Ihre Ansprechpartnerin

Juliane Dickel

Leitung Atom- und Energiepolitik
E-Mail schreiben

BUND-Bestellkorb